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01.10.2014

07:31 Uhr

Am Donnerstag tagt der EZB-Rat

Draghi will griechische Ramschpapiere kaufen

Um die Kreditklemme zu beheben will EZB-Chef Draghi offenbar Ramschpapiere aus Griechenland und Zypern aufkaufen. Der Vorstoß dürfte Bundesbank-Chef Weidmann nicht gefallen. Er könnte jedoch im EZB-Rat überstimmt werden.

EZB-Chef Draghi will laut Medienbericht Ramschpapiere aus Griechenland und Zypern aufkaufen um die Kreditklemme zu überwinden. dpa

EZB-Chef Draghi will laut Medienbericht Ramschpapiere aus Griechenland und Zypern aufkaufen um die Kreditklemme zu überwinden.

BangaloreEZB-Präsident Mario Draghi setzt sich einem Bericht zufolge dafür ein, dass die Notenbank im Kampf gegen eine Kreditklemme auch Ramschpapiere aus Griechenland und Zypern aufkaufen darf. Das Direktorium der Europäischen Zentralbank werde vorschlagen, dass die Regeln entsprechend geändert werden sollten, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Betroffen sind demnach gebündelte Kredite, die zur sogenannten Seniortranche gehören. Diese Gläubiger müssen bei einem Kreditausfall zuletzt haften. Die Papiere sind deswegen sicherer. Sollte der EZB-Rat den Vorschlag annehmen, könnte die Notenbank der FT zufolge Investment-Instrumente aus allen 18 Mitgliedstaaten der Euro-Zone kaufen.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Der Vorschlag könnte die Spannungen zwischen Deutschland und der EZB erhöhen. Bundesbank-Chef Jens Weidmann sitzt zwar im EZB-Rat, der sich am Donnerstag in Neapel trifft. Er könnte aber überstimmt werden.

Draghi wird bei dem Treffen voraussichtlich Details zum geplanten Aufkauf von Kreditverbriefungen bekanntgeben. Die Maßnahmen sollen Banken dazu ermuntern, mehr Kredite an kleine und mittelständische Firmen vor allem im Süden der Euro-Zone zu vergeben. Die EZB ließ den FT-Bericht unkommentiert.

Von

rtr

Kommentare (89)

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Herr Marcus T.

01.10.2014, 07:37 Uhr

Ich hätte auch noch ein altes Radl, einen alten Schwarz-Weiß-Fernseher und bestimmt noch mehr Schrott im Keller. Falls Herr Draghi Interesse an dem Deal hat kann er sich ja mal bei mir melden, VB = NP.

Ich würde mich sogar im Gegenzug verpflichten den kompletten KP während meines nächsten Südtirolaufenthaltes der dortigen Wirtschaft zukommen zu lassen.

Herr Ich und Ich

01.10.2014, 07:48 Uhr

Deutschland hat gar kein Endlager für Atomschrottt. Herr Draghi, helfen sie uns bei der Lösung und bringen sie die EZB zum strahlen.

Herr Uwe Warschkow

01.10.2014, 07:57 Uhr

Ja aber wie soll das gehen.... ? Ramschkredite aus Griechenland und Zypern....?Und was ist mit dem Risiko...? Das Draghi seit ,seit seiner "Whatever it takes "-Rede in London, "freidreht",berichten nicht nur Insider aus EZB Kreisen.Aber jetzt wird es ja immer verrückter,wenn sogar Ramsch aufgekauft wird.Denn,sollten die Kredite platzen,haftet Deutschland mit 27%.Bei einem EZB Volumen von 3 Billionen Euro,sind das locker gute 800 Milliarden.Eine gigantische Summe,unvorstellbar.Und das bei unseren maroden Straßen und der desolaten Lage unserer Bundeswehr...? Was nun,Frau Merkel...?

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