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30.01.2008

15:36 Uhr

Analystenerwartungen enttäuscht

US-BIP-Daten senden weiteres Rezessionssignal

Das Wachstum der US-Wirtschaft hat im vierten Quartal 2007 überraschend deutlich an Fahrt verloren. Das Bruttoinlandsprodukt der weltgrößten Volkswirtschaft kletterte auf das Jahr hochgerechnet nur noch um 0,6 Prozent und ist damit kaum noch gewachsen. Die USA könnten in die Frühphase einer Rezession geraten sein – und das nährt die Zinsspekulationen.

US-Wirtschaft: Die Finanzkrise hinterlässt Spuren. Foto: Archiv

US-Wirtschaft: Die Finanzkrise hinterlässt Spuren. Foto: Archiv

HB WASHINGTON. Wie das US-Handelsministerium am Mittwoch mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Oktober und Dezember nur noch um annualisiert 0,6 Prozent, was in etwa einem Wachstum im Quartalsvergleich von 0,15 Prozent entspricht. Analysten hatten im Schnitt mit einer Abschwächung auf plus 1,2 Prozent gerechnet. Im dritten Quartal war die Wirtschaft noch mit einer Jahresrate von 4,9 Prozent gewachsen – der stärkste Anstieg seit vier Jahren.

Für das gesamte Jahr 2007 wies das Ministerium ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent aus. Dies war der niedrigste Wert seit 2002, als die US-Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent zulegte. 2006 hatte das Wachstum im Jahresdurchschnitt 2,9 Prozent betragen. Der von der US-Notenbank als Inflationsmaß favorisierte PCE-Deflator stieg um 3,9 Prozent auf Jahressicht, nach einer Zunahme um 1,8 Prozent im dritten Quartal. Ohne Energie und Nahrungsmittel lag der Index in der Kernberechnung auf Jahressicht um 2,7 Prozent höher, nach plus 2,0 Prozent im dritten Quartal.

Nach unten gezogen wurde die US-Wirtschaft Ende 2007 vor allem vom krisengeschüttelten Bausektor und einem überraschend starken Abbau der Lagerbestände in der Automobilindustrie. Die Bauinvestitionen brachen um ein Viertel ein. Die Branche befindet sich durch die Immobilienkrise bereits seit über einem Jahr in der Krise. Leicht rückläufig war allerdings auch die Investitionstätigkeit aller anderen Unternehmen.

Entscheiden wird sich das Schicksal der US-Wirtschaft nach Meinung der Volkswirte jedoch im privaten Verbraucher. Mit einem Plus von zwei Prozent wuchs der Konsum im vierten Quartal 2007 zwar immer noch, aber eben deutlich schwächer als in den Vormonaten. Experten erwarten eine weitere Abschwächung, wenn die hoch verschuldeten Verbraucher durch sinkende Haus- und Aktienpreise zunehmend unter Druck geraten. Die Börse in New York startete nach den schwachen Konjunktursignalen mit einem Minus in den Handelstag.

Aus Angst vor einem Abgleiten der US-Wirtschaft in eine Rezession senkte die Notenbank Fed vergangene Woche bereits überraschend die Zinsen um 75 Basispunkte auf 3,5 Prozent. Viele Volkswirte und Aktienhändler rechnen allerdings damit, dass die obersten Währungshüter der USA am Abend noch einmal an der Zinsschraube drehen, um der schwächelnden Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Sie erwarten, dass die Fed die Zinsen am Abend nach Abschluss der zweitägigen regulären Sitzung in Washington um einen halben Prozentpunkt auf dann 3,00 Prozent senkt. Die US-Regierung hat zudem ein milliardenschweres Konjunkturprogramm angekündigt. Auslöser der Wachstumsschwäche ist die weltweite Finanzkrise.

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