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28.06.2011

07:26 Uhr

Angst vor Ansteckungseffekten

Euro-Schuldenkrise alarmiert US-Notenbank

Europa bekommt seine Schuldenkrise nicht in den Griff: Griechenland ist immer noch Sorgenkind, eine Pleite nicht ausgeschlossen. Das treibt nun auch die Amerikaner um. Die Fed rechnet schon mal mit dem Schlimmsten.

Fed-Chef Ben Bernanke. Quelle: Reuters

Fed-Chef Ben Bernanke.

WashingtonDie US-Bankenaufseher prüfen mögliche Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise auf das heimische Finanzsystem. Das unmittelbare Engagement von US-Banken in europäischen Krisenländern sei zwar nicht groß, sagte der Chef der Aufsichtsabteilung der US-Notenbank (Fed), Patrick Parkinson, am Montag auf einer Branchenkonferenz. Eine größere Gefahr wären seinen Worten zufolge aber die Folgen eines Zahlungsausfalls eines Staates in Europa für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft. Diese Ansteckungseffekte seien schwer abzuschätzen.

Bereits vergangene Woche hatte Fed-Chef Ben Bernanke vor einer ungeordneten Pleite Griechenlands gewarnt. „Wenn eine Lösung der Situation misslingt, dann würde dies das europäische Finanzsystem und das weltweite Finanzsystem gefährden - und ich vermute auch die europäische Einheit“, sagte er.

Viel hängt von der Risikobewertung der Ratingagentuen ab. Standard & Poor's (S&P) will die Auswirkungen einer Beteiligung privater Gläubiger an neuen Hilfen für Griechenland noch nicht abschließend beurteilen. Es sei zu früh, um die Folgen eines solchen Schritts für die Bonitätsbewertung einzuschätzen, sagte S&P-Experte Moritz Krämer im österreichischen Fernsehen. Noch fehlten die nötigen Informationen. „Wir haben ganz einfach die Details nicht“, sagte Krämer.

Derzeit laufen europaweit Verhandlungen über eine freiwilliges Engagement der Finanzwirtschaft bei einem neuen Rettungspaket für Griechenland. Krämer wurde gefragt, ob er sich eine Lösung vorstellen könne, die nicht zu einer Herabstufung des Ratings führen würde. „Es ist vorstellbar abhängig von der Situation“, antwortete der Experte: „Daher sage ich, dass es überhaupt nicht möglich ist, dazu eine endgültige Schlussfolgerung zu ziehen in der derzeitigen Situation.“ S&P hat bereits deutlich gemacht, dass jede Art der Umschuldung als Zahlungsausfall gewertet würde. Bei einem solchen Schritt befürchten viele Fachleute und Politiker unkontrollierbare Reaktionen an den Finanzmärkten.

Ein finanzieller Kollaps Griechenlands hätte nach Einschätzung des Konsumforschers Rolf Bürkl nicht nur gravierende Konsequenzen für die Weltwirtschaft, sondern auch für die Kauflust der Deutschen. „Ich gehe im Moment nicht davon aus, dass es zu einer Insolvenz kommt. Aber sollte dieser Fall eintreten, hätte das sicherlich schwerwiegende Folgen auch für die Stimmung der Verbraucher, weil dann latent wieder ein Gefühl der Verunsicherung einkehrt. Verunsicherung ist immer Gift für den Konsum“, sagte der Marktforscher der GfK in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Der private Verbrauch macht in Deutschland knapp 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und ist damit ein wichtiges Standbein für das aktuelle Wirtschaftswachstum.

Kommentare (8)

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Bruno

28.06.2011, 07:38 Uhr

Generalstreik? Offensichtlich ist einigen nicht deutlich, was hier "auf dem Spiel steht?" Sollten die Reformen scheitern, können die Streikenden in Zunkunft ganz "im Bett bleiben" - die Banken schließen; Renten und Gehälter können nicht mehr ausgezahlt werden! Auch für Europa wäre es ein Disaster.

Account gelöscht!

28.06.2011, 08:12 Uhr

An Bruno: Wie würde das EU-Disaster aussehen. Wem schadet es, wem nutzt es?

Account gelöscht!

28.06.2011, 08:12 Uhr

USA - US-Notenbank ?
Zunächst einmal vor der eigenen Haustüre kehren!!

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