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16.10.2015

14:07 Uhr

Angst vor Deflation

Preise in der Euro-Zone fallen erstmals seit Monaten

Das Schreckgespenst Deflation geistert wieder durch die Eurozone: Im September sind Preise für Energie und ausgewählte Lebensmittel wieder gefallen. Spekulationen mehren sich, dass die EZB ihre Anleihenkäufe ausweitet.

Die Preise in der Eurozone sind im September seit Monaten erstmals wieder gefallen. dpa

Schreckgespenst Deflation

Die Preise in der Eurozone sind im September seit Monaten erstmals wieder gefallen.

BrüsselDie Preise in der Euro-Zone sind im September wegen deutlich billigerer Energie erstmals seit einem halben Jahr gefallen. Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt 0,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, gab das Statistikamt Eurostat am Freitag bekannt und bestätigte damit eine frühere Schätzung.

Besonders Heizöl und Kraftstoffe wie Benzin waren deutlich günstiger zu haben, aber auch einige Lebensmittel wie Milch, Käse und Eier. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht mittelfristig nur bei Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Um die Gefahr einer Deflation - eines für die Wirtschaft schädlichen Preisverfalls auf breiter Front - zu bannen, drucken die Währungshüter viel Geld. Seit März werden monatlich über den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren rund 60 Milliarden Euro in den Markt gedrückt. Das Programm läuft bis September 2016. Die fallenden Preise schüren an den Finanzmärkten Spekulationen, dass es verlängert oder vergrößert wird.

Von

rtr

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