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16.11.2012

06:18 Uhr

Angst vor Preisblasen

Top-Ökonom warnt vor Dauerniedrigzinsen

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Rezession im Euro-Raum könnte eine weitere Lockerung der Geldpolitik nach sich ziehen. Doch darin steckt ein großes Risiko: Durch dauerhaft niedrige Zinsen könnten gefährliche Preisblasen entstehen.

Eine 1-Euro-Münze vor der Dax-Kurve an der Börse in Frankfurt. dpa

Eine 1-Euro-Münze vor der Dax-Kurve an der Börse in Frankfurt.

BerlinDer Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, hat vor den negativen Folgen einer Dauerniedrigzinspolitik gewarnt – insbesondere für die Preisentwicklung auf dem deutschen Immobilienmarkt. Derzeit gebe es zwar noch keine landesweite Immobilienblase. So seien die Steigerungsraten bei Immobilienkrediten „nicht auffällig“, und auch das Spekulationsmotiv beim Immobilienerwerb spiele noch eine geringe Rolle.  „Aber wir haben Voraussetzungen, die in der Vergangenheit solche Blasen hervorgerufen haben: zu niedrige Zinsen und mit den Unsicherheiten eine einleuchtende Begründung für weitere Preissteigerungen bei Immobilien“, sagte Kater Handelsblatt Online.

„Meine Vermutung ist, dass dies in eine Blase mündet, wenn diese Zinsbedingungen noch jahrelang anhalten sollten“, sagte Kater weiter. „Dann könnte die Kreditfinanzierung eine erheblich größere Bedeutung haben, und dann wäre der Schaden im Fall von plötzlichen Preisrückgängen immens.“ Daher sei es in den kommenden Jahren für alle Kreditinstitute wichtig, „genügend Sicherheitsmarge bei der Kreditvergabe einzuplanen, also auf ausreichend Eigenkapital des Kreditnehmers zu achten“, sagte der Dekabank-Chefökonom.

Der Leitzins im Euroraum steht derzeit auf dem Rekordtief von 0,75 Prozentpunkten. Damit Zentralbankgeld für Banken bereits so günstig wie nie seit Einführung des Euro 1999. Experten warnen daher schon länger davor, die geldpolitische Schraube nicht zu weit herauszudrehen, da lange anhaltende Niedrigzinsen zu Übertreibungen bei den Vermögenspreisen führen, Sparanreize schwächen und eine übermäßige Kreditaufnahme fördern.

Preisentwicklung bei Wohnimmobilien seit der Eurokrise

Berlin

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1899 Euro*
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 24 Prozent

* Kriterien: Durchschnittsimmobilie, 30 Jahre alt, gepflegter Zustand

Bremen

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1180 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 10 Prozent

Dortmund

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1252 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 1 Prozent

Dresden

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1692 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 19 Prozent

Düsseldorf

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2237 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 21 Prozent

Erfurt

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1718 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 15 Prozent

Essen

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1243 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 0 Prozent

Frankfurt

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2427 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 17 Prozent

Freiburg

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2625 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 28 Prozent

Hamburg

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2464 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 30 Prozent

Hannover

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1479 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 16 Prozent

Kiel

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1506 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 16 Prozent

Köln

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1994 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 17 Prozent

Leipzig

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1426 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 7 Prozent

Magdeburg

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 889 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 8 Prozent

Mainz

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1805 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 8 Prozent

Mannheim

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1788 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 13 Prozent

München

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 3692 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 33 Prozent

Nürnberg

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 1827 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 22 Prozent

Stuttgart

Preis pro Quadratmeter im zweiten Quartal 2012: 2346 Euro
Veränderung seit dem zweiten Quartal 2009: + 15 Prozent

Auf eine der Folgen, nämlich die Gefahr von Immobilienblasen, wies diese Woche auch die Bundesbank hin. Sie hält es durchaus für möglich, dass es auf dem Immobilienmarkt zu einer Überhitzung kommt. Zwar gebe es noch keine Anzeichen für eine Spekulationsblase und ernste Risiken für die Finanzstabilität, hatte diese Woche Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger und ihr Vorstandskollege Andreas Dombret bei der Vorstellung des jährlichen Finanzstabilitätsberichts der deutschen Notenbank erklärt. Allerdings berge der teils kräftige Anstieg der Immobilienpreise in und rund um sieben deutsche Großstädte und vor allem in Berlin inzwischen Gefahren.

Kommentare (12)

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Hagbard_Celine

16.11.2012, 07:32 Uhr

Die sogenannten "Dauerniedrigzinsen" werden noch eine ganzen Weile nötig sein und zwar aus zwei ganz einfachen Gründen:

1. Das Verhältnis von Geldvermögen (=Schulden) zur Wirtschaftsleistung ist im Ungleichgewicht, 1950 lagen wir unter 100% GDP und heute liegen wir über 400% GDP.
Deswegen MUSS die Vermehrung vom Geldvermögen langsamer voranschreiten als die Wirtschaft wächst. Also: 5% Realzinsen können wir erst einmal lange Zeit vergessen. Als Alternative bleiben nur platzende Kredite (Bsp Griechenland, Subprime usw.)

2. Ohne die Niedrigzinspolitik investiert keiner in die Realwirtschaft, somit würde eine Deflation und ein Abschwung eintreten der flächendeckend platzende Kredite zur folge hat. Die Mietrendite bzw. Aktienrendite oder Unternehmensrendite muss eben wesentlich über der Rendite von sicheren Anleihen wie die des Bundes liegen.

Deswegen sind niedrige Zinsen solange angebracht bis wir eine erhebliche Inflation sehen, also ca. 5% oder drüber. Zum Vergleich: Die Inflation in den USA Betrug seit dem Krieg zwischen 5% und 15%.







Account gelöscht!

16.11.2012, 08:21 Uhr

Boom und Bust gehören zusammen. Niedrigzinsen halten den Boom künstlich am Leben, umso härter kommt irgendwann der deflatorische Bust.
Die Zinsen sind z.B. für frz. Staatsanleihen auf einem 300jährigen Tief. Muss man sich mal vorstellen. Die werden noch eine ganze Weile, wahrscheinlich eine Dekade, so niedrig gehalten werden, aber dann werden sie nur eine Richtung kennen: rauf.

ffranz

16.11.2012, 08:33 Uhr

Zum Brüllen komisch. Jetzt haben es die "Topökonomen" endlich auch gemerkt. Das kann ja alles nicht mehr wahr sein - die setzen in ihrer Inkompetenz immer noch eins drauf.

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