Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2017

17:09 Uhr

Angst vor Trumps Zöllen

US-Kurs verunsichert die deutsche Wirtschaft

Trumps angekündigte Importzölle könnten neben Mexiko auch andere Handelspartner betreffen. Darunter könnten auch deutsche Unternehmen leiden. Die hiesigen Industrieverbände sind zunehmend verunsichert.

Der Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages äußert sich zu der unsicheren Wirtschaftslage. dpa

Volker Treier

Der Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages äußert sich zu der unsicheren Wirtschaftslage.

BerlinDer eskalierende Handelsstreit zwischen Mexiko und den USA bereitet der deutschen Wirtschaft wachsende Sorgen. „Die Verunsicherung nimmt zu“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Importzölle beträfen offensichtlich nicht nur Mexiko, sondern künftig auch andere Handelspartner. Vom wichtigsten deutschen Exportmarkt USA kämen ernstzunehmende Zeichen von Protektionismus, warnte Treier.

Der Industrieverband BDI sprach von einer besorgniserregenden Entwicklung. „Wenn die Amerikaner sich abschotten, leiden darunter die deutschen Unternehmen, aber auch die US-Wirtschaft selbst“, sagte BDI-Außenwirtschaftsexpertin Julia Howald. „Eine Eskalation wäre am Ende für die US-Wirtschaft ein riesiges Eigentor.“

Die Bedeutung der USA für die deutsche Wirtschaft

Investitionen

Die deutschen Unternehmen haben mehr als 271 Milliarden Euro an Direktinvestitionen in den USA - etwa Fabriken und Immobilien. Mehr als 3700 Unternehmen sind in den Vereinigten Staaten tätig. Allein die 50 größten deutschen Firmen dort kommen auf einen Jahresumsatz von 400 Milliarden Dollar. Auch US-Unternehmen haben erhebliche Beträge in Deutschland investiert: Der Bestand summiert sich auf rund 27 Milliarden Euro. Allein 2015 wurden 252 neue Projekte hierzulande von US-Firmen gestartet, von Neuansiedlungen auf der grünen Wiese über Erweiterungen bis hin zu Standortwechseln. Allein die 50 größten US-Unternehmen kommen in Deutschland auf einen Jahresumsatz von rund 170 Milliarden Euro.

Jobs

Mehr als eine Million Jobs in Deutschland hängen direkt oder indirekt von den Exporten in die USA ab. Weitere 630.000 Arbeitsplätze gibt es in Betrieben, die von US-Firmen kontrolliert werden. Allein McDonald's Deutschland zählt etwa 58.000 Mitarbeiter, der Personaldienstleister Manpower 27.000, die Ford-Werke gut 25.000 und die GM-Tochter Opel etwa 18.000. Umgekehrt schaffen deutsche Unternehmen in den USA ebenfalls Hunderttausende Stellen. Größter deutscher Arbeitgeber ist dort die Deutsche-Post-Tochter DHL mit rund 77.000 Beschäftigten, gefolgt von Siemens (70.000), dem Autozulieferer ZF (62.000) und Volkswagen (60.000).

Handel

Seit 2015 sind die USA der wichtigste Exportkunde der deutschen Unternehmen, nachdem über mehr als sechs Jahrzehnte Frankreich diese Position innehielt. Waren im Wert von rund 114 Milliarden Euro wurden damals dorthin verkauft - vor allem Fahrzeuge, Maschinen und chemische Produkte. Umgekehrt importierte Deutschland Waren im Wert von knapp 60 Milliarden Euro aus den USA, was sechs Prozent aller deutschen Einfuhren entspricht.

Trump will über den neuen Importzoll auch eine Grenzmauer zu Mexiko finanzieren, die er im Wahlkampf versprochen hatte. Auf alle mexikanischen Waren soll eine Abgabe von bis zu 20 Prozent erhoben werden. Die Bestimmungen sollen Teil eines größeren Steuerreform-Paktes sein, über das der US-Kongress berate. Auch gegen andere Handelspartner sind Importzölle im Gespräch.

In der geplanten Form verstoße das Vorhaben gegen die Regeln der Welthandelsorganisation WTO, sagte der Generalsekretär der Internationalen Handelskammer (ICC) in Deutschland, Oliver Wieck. Er warnte vor weitreichenden Folgen: „Dass von einem bedeutenden Land wie den USA offen ein Handelskrieg angefangen wird, ist für den freien Handel, für den multilateralen Handel höchst gefährlich.“

Auch über Mexiko hinaus hätten die neuen Zölle Auswirkungen. „Deutsche Unternehmen, die in Mexiko für den US-amerikanischen Markt produzieren, wären natürlich von der Importsteuer unmittelbar betroffen“, sagte Wieck. Vor allem deutsche Autobauer sind stark in Mexiko vertreten. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Union-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, rief zur Mäßigung auf. „Einen Handelskrieg gilt es unter allen Umständen zu vermeiden, weil es hier nur Verlierer gibt“, sagte der CDU-Politiker der Wochenzeitung „Das Parlament“ (Montag).

Von einem „Handelskrieg“ wollten DIHK-Außenhandelschef Treier und BDI-Expertin Howald allerdings nicht sprechen. „Das ist zu weitgehend“, sagte Treier. Howald bemerkte, bisher habe Trump sehr viel angekündigt, aber viele Drohungen noch nicht umgesetzt.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×