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05.12.2014

15:15 Uhr

Anleihenkäufe der Zentralbank

EZB erwägt Ankauf für mehr als eine Billion Euro

Die Äußerungen zu möglichen Anleihenkäufen in Höhe von einer Milliarde Euro hatten für Kontroverse gesorgt: Länder wie Deutschland halten nichts von den EZB-Vorhaben. Nun kommt heraus, dass die Pläne noch weiter gehen.

Er scheint die Mitglieder im EZB-Direktorium und im Rat zu scharfen Maßnahmen zu drängen: EZB-Chef Mario Draghi. Reuters

Er scheint die Mitglieder im EZB-Direktorium und im Rat zu scharfen Maßnahmen zu drängen: EZB-Chef Mario Draghi.

FrankfurtIm Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist in dieser Woche einem Zeitungsbericht zufolge über größere Anleihekäufe gesprochen worden als bislang bekannt. Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) zufolge, sprachen sich bei den zweitägigen Beratungen am Mittwoch und Donnerstag einige Befürworter einer sogenannten Quantitativen Lockerung (QE) für ein Volumen von mehr als 1000 Milliarden Euro aus. „Es ging um mehr als die eine Billion Bilanzausweitung, die bislang öffentlich ist“, sagte ein Eurosystem-Insider der Zeitung.

Laut FAZ gibt es auch schon Berechnungen für Szenarien größerer Ankäufe, bei Maßnahmen im Umfang von mehr als 1 Billion Euro könne die Inflationsrate demnach um 0,2 bis 0,8 Prozentpunkte steigen. Da die Inflation bereits auf einem Fünf-Jahres-Tief liegt und nun durch den Einbruch der Ölpreise weiter gedämpft wird, bleibt der Druck auf die Währungshüter bestehen, eine solche Ausweitung der Impulse zu erwägen.

Die Befürworter des Anleihekaufes hätten darauf gedrängt, schon in der nächsten geldpolitischen Sitzung des EZB-Rats am 22. Januar 2015 das Kaufprogramm zu beschließen, so das Blatt. Dagegen gibt es allerdings Widerstände. Schon die Festlegung auf ein Bilanzzielausweitung war im EZB-Rat heftig umstritten. Neben Bundesbank-Präsident Jens Weidmann haben sich laut Medienberichten zudem drei Mitglieder des EZB-Direktoriums, des sechsköpfigen Führungsgremiums der Notenbank, dagegen gewehrt.

Die Verlierer des EZB-Krisenkurses

Investoren

Von billigem Geld getriebene Preise für Aktien, Anleihen und Immobilien bergen die Gefahr von Blasen. Davor warnte jüngst zum Beispiel die Deutsche Bundesbank. Das Risiko steigt.

Sparer

Die Inflation ist zwar niedrig, die Zinsen auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten aber sind noch mickriger. Damit verlieren Sparer unter dem Strich Geld, ihre private Altersvorsorge wackelt.

Versicherer und Bausparkassen

Sie können mit den Beiträgen ihrer Kunden kaum auskömmliche Renditen erzielen. Hohe Zinsversprechen aus früheren Zeiten sind im Grunde nicht mehr zu erwirtschaften.

Wie die FAZ am Freitag vorab aus ihrer Samstagsausgabe berichtete, könnte die EZB besonders riskante Papiere aus Krisenstaaten überproportional kaufen. Ursprünglich hatte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio vorgeschlagen, Staatsanleihen aller Euro-Länder entsprechend der EZB-Kapitalquoten der Euro-Länder zu kaufen. Dies hätte geheißen, dass am meisten deutsche Anleihen, dann französische und an dritten Stelle italienische Staatsanleihen gekauft würden. Im EZB-Rat habe es aber vermehrt Stimmen gegeben, die für eine Konzentration auf Papiere mit höheren Risikoaufschlägen gegenüber deutschen Bundesanleihen plädieren. Das hieße, dass die Zentralbank den größten Anteil an italienischen Papieren kaufen würde, die höhere Zinsen, aber wegen der hohen Verschuldung und Wirtschaftskrise Italiens auch ein größeres Risiko tragen.

Mario Draghi hat sieben Wochen Zeit, um die kontroversen Diskussionen über die geldpolitische Linie der Zentralbank einzufangen und das Direktorium zu einen.

Die Gewinner des EZB-Krisenkurses

Aktionäre

Seit Jahren ist das extrem billige Geld der Notenbanken wichtigster Schmierstoff der Börsen. Im Juni hievte eine EZB-Zinssenkung den Dax erstmals über 10.000 Punkte.

Banken

Für sie ist Zentralbankgeld günstig wie nie. Zudem entlastet die EZB über den Kauf von Kreditpaketen. Das soll Freiräume für neue Kredite schaffen und die Konjunktur ankurbeln.

Bundesfinanzminister

Zeitweise verdiente Deutschland mit der Aufnahme neuer Schulden Geld, weil Investoren negative Zinsen für Staatspapiere in Kauf nahmen. Letztlich profitieren davon auch die Steuerzahler.

Konsum

Auch wegen der mickrigen Sparzinsen sitzt Verbrauchern das Geld locker. Das freut Einzelhändler und hilft der Konjunktur.

Kreditnehmer

Auch wenn Banken die rekordniedrigen Leitzinsen von derzeit 0,05 Prozent nicht 1:1 an Kunden weitergeben – selten war es so günstig, die eigenen vier Wände oder eine neue Fabrikhalle zu finanzieren. Laut FMH-Finanzberatung sank der Effektivzins für Baugeld mit zehnjähriger Laufzeit von rund 4,9 Prozent im November des Krisenjahres 2008 auf rund 1,9 Prozent im November 2014.

Krisenstaaten

Die EZB kauft für sie Zeit, um Reformen umzusetzen.

Er hatte zuletzt erklärt, die Währungshüter würden Anfang nächsten Jahres die Lage neu einschätzen. Der EZB-Rat gehe davon aus, dass ein Vorschlag für breitgefächerte Aktiva-Käufe einschließlich Staatsanleihen auf der nächsten geldpolitischen Sitzung am 22. Januar in Betracht gezogen werde, so hieß es am Donnerstag aus EZB-Kreisen. Das Paket, das somit noch nicht steht, dürfte Anleihen verschiedener Art beinhalten, aber keine Aktien, so Insider. Draghi vertritt die Auffassung, dass eine breite Einigung zu einem möglichen Handeln erreicht werden kann, er jedoch keine einstimmige Unterstützung benötigt.

„Die Zeichen stehen eindeutig auf QE,“ sagt Carsten Brzeski, Chefökonom bei ING-DiBa AG in Frankfurt. „Die anhaltende Betonung der niedrigen Inflation wird es selbst für die reinsten germanischen Monetaristen sehr schwer machen, QE letztlich zu blockieren.“

Von

rtr

Kommentare (55)

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Herr Thomas Albers

05.12.2014, 15:23 Uhr

"Im EZB-Rat habe es aber vermehrt Stimmen gegeben, die für eine Konzentration auf Papiere mit höheren Risikoaufschlägen gegenüber deutschen Bundesanleihen plädieren."

Wie ist da der Zusammenhang mit Deflation? ;)

Herr Fritz Yoski

05.12.2014, 15:35 Uhr

Wer soll das alles bezahlen?
"Im EZB-Rat habe es aber vermehrt Stimmen gegeben, die für eine Konzentration auf Papiere mit höheren Risikoaufschlägen gegenüber deutschen Bundesanleihen plädieren. Das hieße, dass die Zentralbank den größten Anteil an italienischen Papieren kaufen würde ..."
Natuerlich die dummen Deutschen, wer sonst? Immer einen Ueberschuss erarbeitet, immer gespart und sich nichts gegoennt und am Ende doch nichts davon gehabt. Tja, dumm gelaufen aber wer lernresistent ist muss entsprechend Lehrgeld zahlen.

Herr Woifi Fischer

05.12.2014, 15:38 Uhr

EZB erwägt Ankauf für mehr als eine Billion Euro!!!

Sofort diese ESB ersatzlos auflösen, und die Bundesbank stärken, sonst ist alles verloren.
In der EZB haben Lumpen und Verbrecher das sagen, dies ist Grund falsch.
Sofortige wider Einführung der DM, und die nationalen Währungen.

Wer hier behauptet dies würde nicht gehen, sollte bedenken der EURO wurde auch so eingeführt, nun beschreitet man den umgekehrten Weg.

Basta.

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