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13.11.2012

15:10 Uhr

Anleitung für mehr Wachstum

Wer der deutschen Wirtschaft Muskeln macht

VonJan Mallien

Der Ausblick für die deutsche Konjunktur wird immer düsterer, nun drohen gar Minuszahlen. Als Retter kommen Konsumenten in China und Amerika in Frage. Darauf darf und kann sich die deutsche Politik aber nicht verlassen.

DüsseldorfNun sind auch noch die Finanzexperten pessimistischer geworden. Ihre im ZEW-Index gemessenen Erwartungen für die Konjunktur haben sich im November kräftig verdüstert. Damit gleichen sie ihre Prognosen an die sehr pessimistische Sicht der Unternehmer an: Der Einkaufsmanagerindex, in den die Erwartungen der Manager von 500 repräsentativen Industrieunternehmen einfließen, verharrt bereits seit einem halben Jahr unterhalb der Marke, die Wachstum signalisiert. Ökonomen befürchten nun, dass die deutsche Wirtschaftsleistung im Winterquartal zurück geht. Es sei denn, es finden noch Retter in der Not.

Die aktuellen Zahlen sprechen zunächst einmal nicht dafür. „Wir gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal um etwa 0,25 Prozent schrumpft,“ sagt Stefan Schneider, Leiter Makroökonomie bei der Deutschen Bank Research. Auch Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen rechnet für das vierte Quartal mit einem Minus.

Hinter den Zahlen steckt eine erlahmende Weltwirtschaft. Während der Brandherd Euro-Krise weiter schwelt, läuft es inzwischen auch in China und den USA nicht mehr rund. Das trifft die exportlastige deutsche Wirtschaft mit voller Wucht.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Die deutschen Exporte brachen im September um satte 3,4 Prozent ein - so stark wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Einerseits gingen die Ausfuhren in den Euroraum um über 9 Prozent zurück. Andererseits wuchsen die Exporte in Drittländer wie die USA und China nur noch minimal. „Die Unternehmen haben eine schwächere Exportnachfrage aus dem Euroraum bereits erwartet. Das Problem ist allerdings, dass nun auch der Absatz in China und den USA stockt,“ sagt Deutsche Bank-Ökonom Schneider.

„Kurzfristig gibt es in China Risiken, weil es in einigen Märkten Blasentendenzen gibt“, sagt er. In den USA macht die ungewisse Fiskalpolitik Sorgen. Hinzu kommt natürlich die Euro-Krise. Doch auch im Inland gibt es Wachstumsbremsen.

Handelsblatt Online listet auf, was passieren muss, damit die deutsche Wirtschaft wieder wächst.

Kommentare (13)

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Oekognom

13.11.2012, 16:01 Uhr

"Mehr Wettbewerb im Dienstleistungssektor würde die Qualität der Produkte und den Wohlstand insgesamt erhöhen," sagt Ifo-Konjunkturforscher Carstensen.
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Ist es nicht eher so, dass duch mehr Liberalisierung und durch mehr Wettbewerb immer mehr Arbeitnehmer immer weniger im Geldbeutel haben, während sich das Großkapital dabei dumm und dämlich verdient?
Immer niedrigere Preise und stärkere Konkurrenz, bedingt immer weiter fallende Löhne und Gehälter der Beschäftigten, bis diese selbst nichts mehr nachfragen können, da ihnen die kaufkraft dazu fehlt und entzogen wurde.
Warum begreifen das die Ökonomen nicht, dass nur durch mehr Kaufkraft im Geldbeutel, auch wieder mehr an Wirtschaftswachstum möglich ist. Wenn ich kein Geld mehr zum konsumieren habe, kann ich auch nichts mehr nachfragen! Wenn wir immer mehr liberalisieren und immer mehr kürzen, sparen wir uns am Ende ALLE weg!

taxconsumer

13.11.2012, 16:40 Uhr

"Als Retter kommen Konsumenten in USA und China in Frage". So ein Dummsinn: die USA mit ihren Bill-Verschuldung..wie soll man da unnötigerweise konsumieren und dann noch die Weltwirtschaft retten? Im Januar tritt erst einmal ein Fiskalszenario ein, das die Taxes rapide ansteigen lässt. Vielleicht sollten wir lernen: Steuern zu konsumieren. Das wäre der nächste Aufschwung.

whisky

13.11.2012, 18:26 Uhr

Handelsblatt: "Simulationsstudien des Internationalen Währungsfonds (IWF) kommen zu dem Ergebnis, dass Einsparungen in Höhe von einem Prozent der Wirtschaftsleistung selbst im günstigsten Fall einen Rückgang des Wachstums um 0,5 Prozentpunkte im betroffenen Land nach sich ziehen."
Da gibts ne neue Studie des IWF: nicht - 0,5 sondern zwischen minus 0,9 und minus 1,7 Prozentpunkte! Wird in Deutschland aber nicht zur Kenntnis genommen.
http://orf.at/stories/2146031/2146022/
http://www.nzz.ch/finanzen/uebersicht/boersen_und_maerkte/austeritaetspolitik-in-neuem-licht-1.17681807

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