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29.08.2012

15:30 Uhr

Anstieg der Verbraucherpreise

Benzin und Heizöl treiben Inflation in die Höhe

Getrieben von den Preisen an den Zapfsäulen ist die Inflation in Deutschland wieder auf die sensible Marke von 2 Prozent geklettert. Ökonomen warnen: Die Geldpolitik der EZB dürfte den Preisauftrieb zusätzlich anheizen.

Die hohe Benzinpreise haben die Inflation weiter nach oben getrieben. dpa

Die hohe Benzinpreise haben die Inflation weiter nach oben getrieben.

WiesbadenRasant steigende Preise für Heizöl und Kraftstoff haben die Inflationsrate in Deutschland in die Höhe getrieben. Die Verbraucherpreise lagen im August um 2,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. So kräftig hatten die Verbraucherpreise seit April nicht mehr angezogen. Volkswirte hatten mit einem geringeren Anstieg der Inflationsrate auf 1,9 Prozent gerechnet.

Gegenüber dem Vormonat stiegen die Lebenshaltungskosten im August um 0,3 Prozent. Volkswirte hatten ein Plus von 0,2 Prozent erwartet.

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Im Juli und Juni hatte die jährliche Teuerungsrate noch bei 1,7 Prozent gelegen, dem niedrigsten Wert seit Ende 2010. Mit dem kräftigen Preisauftrieb erreichte die Inflation wieder die Warnschwelle der Europäische Zentralbank (EZB), die stabile Preise bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewahrt sieht.

„Derzeit bewegt vor allem das Auf und Ab des Ölpreises die Inflationsrate“, betonte Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf. So seien beispielsweise die Preise für Heizöl den zweiten Monat in Folge kräftig um rund 5 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vormonat gestiegen. Auch Benzin habe sich im August merklich verteuert.

Für die Autofahrer oder Hausbesitzer in Deutschland kam erschwerend hinzu, dass gleichzeitig der Euro gegenüber dem Dollar in Folge der zugespitzten Schuldenkrise seit dem Frühjahr an Wert verlor. Die Folge: In Euro verteuerte sich Rohöl zusätzlich: „In Euro stieg der Rohölpreis Brent von seinem Tief Mitte Juni zu seinem jüngsten Höchststand Mitte August um 38 Prozent“, sagte Berenberg-Ökonom Christian Schulz. Er habe damit beinahe wieder das Rekordniveau vom März erreicht. Der schwache Euro dürfte aber auch andere Importprodukte verteuert haben.

Immerhin: Nach den jüngsten Rekordpreisen gewähren die Tankstellen in Deutschland den Autofahrern aktuell eine Verschnaufpause: Am Mittwoch sind die Kraftstoffpreise im Vergleich zur Vorwoche leicht gesunken. Aus Sicht des ADAC sind sie damit allerdings immer noch deutlich überhöht.

Die Commerzbank erwartet, dass die Teuerungsrate in den kommenden Monaten über zwei Prozent klettern wird. Neben den hohen Energiekosten lasse dies auch der starke Lohnanstieg befürchten.

Während das Auf und Ab bei den Energiepreisen eine alte bekannte ist, sehen Ökonomen eine weitere Gefahr: „Mittelfristig dürften die Verbraucherpreise aufgrund der für Deutschland zu expansiven Geldpolitik auf breiter Front stärker zulegen“ warnte Rondorf. Die EZB werde die Zinsen aus Rücksicht auf die Probleme der Peripherieländer aus deutscher Sicht zu spät anheben.

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Mittelfristig könnte die Krisenpolitik der Währungshüter die Preisspirale zusätzlich beschleunigen, hatte der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark erst am Dienstag betont. Er befürchtet, die Notenbank könnte sich durch den Kauf von Staatsanleihen europäischer Krisenländer selbst überfordern und ihre Unabhängigkeit von der Politik aufs Spiel zu setzen. Letztlich werde die Zentralbank ihren Kernauftrag, die Preisstabilität zu gewährleisten, damit nicht mehr erfüllen können: „Es droht die Gefahr hoher Inflation - nicht heute, nicht morgen, aber mittel- bis langfristig.“

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Von

dpa

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

29.08.2012, 15:38 Uhr

2%??? den Mist könnt Ihr jemandem erzählen der die Hosen mit der Kneifzange anzieht. Real sind wir bei WEIT mehr und das bereits seit Jahren.

bananarepublican

29.08.2012, 16:09 Uhr

..."Getrieben von den Preisen an den Zapfsäulen ist die Inflation in Deutschland wieder auf die sensible Marke von 2 Prozent geklettert. Ökonomen warnen: Die Geldpolitik der EZB dürfte den Preisauftrieb zusätzlich anheizen." ...

Das ist so gewollt.... Es dient dem Schuldenabbau .... (durch Entwertung).

Danke an alle Wähler der CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen! Eure Volksvertreter machen das .... Falls Ihr das nicht mehr wollt, müßt Ihr jemanden anderen, der dann aussichtsreich in den Bundestag kommt, wählen! Es nützt nichts irgendwelche anderen zu wählen, die dann alle an der 5% Hürde scheitern. Es braucht Konzentration auf aussichtsreiche Reinkommer die dann der "Vierbande" die Suppe versalzen - Ansonsten solltet Ihr einfach schwiegen... und seid weiter unglaubwürdig.

MV_

29.08.2012, 16:15 Uhr

Soso, die Preise treiben also die Inflation in die Höhe. Ich hatte ja vorher vermutet, dass die exorbitante Geldmengenvermehrung in Verbindung mit staatlich manipuliertem Niedrigzins irgendwann "auf die Preise fällt" - aber so kann man sich täuschen! Natürlich kann die Politik nix dafür und Schuld hat die böse, böse Industrie. Warum hat diese eigentlich nicht schon lange vorher die Preise so hoch geschraubt?

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