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15.08.2013

16:47 Uhr

Anziehende Konjunktur

Licht am US-Arbeitsmarkt

Ist das Ende des billigen Geldes nahe? Überraschend positive Arbeitsmarktzahlen könnten die US-Notenbank zur Anpassung ihrer Geldpolitik verleiten, wäre da nicht die stagnierende Industrieproduktion im Juli.

Schild einer Werbekampagne vor der US-Handelskammer in Washington: Weniger Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe im Juli. AFP

Schild einer Werbekampagne vor der US-Handelskammer in Washington: Weniger Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe im Juli.

WashingtonDie Konjunktur in den USA sorgt derzeit für Licht und Schatten. Das Produzierende Gewerbe stagnierte zwar nur zum Start ins dritte Quartal. Aber überraschend positive Nachrichten vom Arbeitsmarkt könnten die US-Notenbank darin bestärken, ihren konjunkturunterstützenden Kurs der Geldpolitik zurückzufahren. Denn die Fed will die Fortsetzung ihres Staatsanleihen-Kaufprogramms vor allem vom Jobmarkt abhängig machen. In der vergangenen Woche stellten so wenige Menschen einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Die Zahl fiel um 15.000 auf 320.000, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten mit 335.000 gerechnet.

Volkswirte reagierten positiv auf die Daten. Sollte sich der Rückgang in den kommenden Wochen und Monaten bestätigen, signalisiere dies "klar eine Beschleunigung des Beschäftigungsaufbaus und einen anhaltenden Rückgang der Arbeitslosenquote", sagte Postbanker Heinrich Bayer.

Deutsch-amerikanische Wirtschaftsbeziehungen

US-Unternehmen in Deutschland

Nirgendwo im Ausland ballen sich die Investitionen amerikanischer Firmen so so sehr wie in Deutschland - etwa 130 Milliarden Euro haben sie hier in ihre Unternehmen gesteckt. Allein 2012 siedelten sich 133 US-Firmen neu an - so viele wie aus keinem anderen Land. Derzeit sind mehr als 2000 amerikanische Firmen hier ansässig. Sie sichern über 800.000 Arbeitsplätze.

Deutsche Unternehemen in den USA

3400 deutsche Unternehmen sind in den USA aktiv. Sie beschäftigen dort direkt 570.000 Mitarbeiter. Die Firmen haben bislang etwa 213 Milliarden Dollar in den USA investiert. Deutschland ist damit viertgrößter Investor in den Vereinigten Staaten.

Die größten US-Arbeitsgeber in Deutschland

Größter US-Arbeitgeber in Deutschland ist die Imbisskette McDonald's mit 64.000 Mitarbeitern, gefolgt von den Ford -Werken (24.490), Burger King (23.500), Opel (22.723) und IBM (22.000). Beim Umsatz führt Ford (18,75 Milliarden Euro) vor ExxonMobil (12,8 Milliarden Euro) und Opel (2,5 Milliarden Euro).

Die größten deutschen Arbeitgeber in den USA

Größte deutsche Arbeitgeber in den USA sind Siemens (60.000 Beschäftigte), gefolgt von Fresenius Medical Care (45.577), T-Mobile USA (34.518), DHL (29.000) und Robert Bosch (22.500).

US-Exporte nach Deutschland

Deutschland ist der wichtigste Markt für die USA in Europa. Die Exporte summierten sich 2012 auf 50,6 Milliarden Euro. Fast ein Viertel davon sind chemische Erzeugnisse. Ebenfalls gefragt sind Maschinen und Fahrzeuge.

Deutsche Exporte in die USA

Die USA sind nach Frankreich der zweitgrößte Abnehmer deutscher Export-Produkte. Waren im Wert von 89 Milliarden Euro wurden 2012 in den USA abgesetzt, ein Plus von 17,7 Prozent. Gefragt sind vor allem Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen.

Das Geschäft im Produzierenden Gewerbe hingegen blieb hinter den Markterwartungen zurück. Die Firmen stellten im Juli nur genau so viel her wie im Juni. Experten hatten mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Die Industrie drosselte ihren Ausstoß um 0,1 Prozent zum Juni, die Versorger stellten 2,1 Prozent weniger her. Ein Plus von 2,1 hingegen gab es in der Bergbauindustrie. Auch im August lief es in wichtigen Schlüsselregionen nicht rund. Das Barometer für den Großraum Philadelphia sackte deutlich ab, der Index für den Bundesstaat New York ließ leicht nach.

Derweil nimmt die Inflation leicht zu. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli zum Vorjahresmonat durchschnittlich um 2,0 Prozent, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Das ist der stärkste Anstieg seit Februar. Im Juni lag die Teuerung noch bei 1,8 Prozent. Zum Vormonat legten die Preise im Juli allerdings nur um 0,2 Prozent zu. Im Juni waren es noch 0,5 Prozent.

Die anziehende Jahresteuerung dürfte Sorgen einiger US-Notenbanker zerstreuen, die wirtschaftliche Gefahren durch eine zu niedrige Inflationsrate heraufziehen sehen. Die immer noch verhältnismäßig geringe Inflation eröffnet der Zentralbank zugleich Spielraum, ihre lockere Geldpolitik fortzusetzen. Die meisten von Reuters befragten Ökonomen rechnen damit, dass die Fed bereits im nächsten Monat damit beginnen wird, ihre Konjunkturspritzen zurückzufahren.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Hannes

16.08.2013, 22:38 Uhr

Vom US-Arbeitsmarkt wurde in den letzten Jahren soviel Licht am Ende des Tunnels gemeldet, dass ich bereits vom Lesen dieser Nachrichten ganz geblendet bin.

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