Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.04.2013

11:43 Uhr

April-Statistik

Arbeitslosenzahlen sinken nur leicht

Zwar sinkt die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland, doch weit weniger als üblich. Der Grund: Der Frühjahrsaufschwung setzt nur verzögert ein. Doch europaweit sehen die Zahlen viel schlechter aus.

Die Zahl der Arbeitslosen geht im April nur leicht zurück. dpa

Die Zahl der Arbeitslosen geht im April nur leicht zurück.

BerlinDas schlechte Wetter hat den Frühjahrsaufschwung auf dem Arbeitsmarkt im April gedämpft. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland sank nur um 78 000 auf 3.020.000. Das waren zugleich 57.000 mehr als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum März um 0,2 Punkte auf 7,1 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie bei 7,0 Prozent gelegen. Der Frühjahrsaufschwung entfaltete demnach weniger Dynamik als sonst üblich.

Die Bundesagentur führt diese Entwicklung auf die anhaltende schlechte Witterung bis weit in den April hinein zurück. Branchen wie das Baugewerbe wurden dadurch gebremst.

Der Vorstandschef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise, sagte: „Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich insgesamt weiter in einer guten Grundverfassung, die aktuelle Entwicklung ist allerdings sehr gedämpft.“

Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosenzahl im April um 4.000 auf 2,938 Millionen. Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl nahm dabei ausschließlich im Westen zu, im Osten blieb sie konstant.

Nachgelassen hat nach Behördenangaben die Nachfrage nach Arbeitskräften. 441.000 Arbeitsstellen waren bei der Bundesagentur gemeldet, das sind 58.000 weniger als vor einem Jahr.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Doch in Europa sehen die Zahlen ganz anders aus: Die Rezession im Euroraum treibt die Arbeitslosenzahl auf ein Rekordhoch. Von Februar auf März verloren 62.000 Menschen ihren Job, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. In den 17 Euro-Ländern sind damit 19,2 Millionen Männer und Frauen arbeitslos - gut 1,7 Millionen mehr als im März 2012. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote kletterte auf den bisherigen Höchstwert von 12,1 Prozent.

Kurzarbeit erklärt

Was ist Kurzarbeit?

Kurzarbeit beschreibt einen geplanten Arbeitsausfall, der Unternehmen von Lohnkosten entlasten soll. Kurzarbeitergeld wird anstelle von Lohn gezahlt. Es gibt drei unterschiedliche Formen: Zum einen saisonale Kurzarbeit bestimmter Branchen, etwa im Winter für das Baugewerbe. Zum anderen gibt es die Transfer-Kurzarbeit (Kurzarbeit Null), die bei betrieblichen Restrukturierungen greift. Die dritte Variante ist die konjunkturelle Kurzarbeit, die infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise von den Unternehmen am häufigsten beantragt wurde.

Wie läuft die Beantragung?

Die Unternehmen müssen geplante Kurzarbeit mit Zustimmung ihres Betriebsrats bei der Bundesagentur für Arbeit anmelden. Bei tarifgebundenen Unternehmen muss die Möglichkeit zur Kurzarbeit im Tarifvertrag geregelt sein. Erst nach einer Genehmigung seitens der Agentur und frühestens vom Monat der Antragstellung an darf in dem jeweiligen Unternehmen weniger gearbeitet werden. Es sind zahlreiche Formen der Arbeitsreduzierung möglich. So können ganze Wochen oder auch einzelne Schichten oder Tage ausfallen.

Was bekommen die Arbeitnehmer?

Die Mitarbeiter erhalten von ihren Arbeitgebern für die tatsächlich gearbeitete Zeit weiterhin Lohn und Gehalt. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt für die ausgefallene Zeit, angelehnt an das Arbeitslosengeld, zusätzlich einen gewissen Prozentsatz des wegfallenden Netto-Entgelts - 60 Prozent bei Kinderlosen, 67 Prozent bei Eltern. Diese Lohnersatzleistung wird nicht versteuert, aber in die Berechnung der Steuerprogression einbezogen. Der Arbeitgeber muss 80 Prozent der kompletten Sozialversicherungsbeiträge abführen.

Was waren die wichtigsten Änderungen aus dem Konjunkturpaket 2009?

Mit dem Jahreswechsel 2009 war die mögliche Höchstförderdauer befristet auf 18 Monate verlängert worden, später dann sogar auf 24 Monate. Die Voraussetzung, dass ein Drittel der Belegschaft betroffen sein muss, entfiel ebenfalls befristet. Der Arbeitsausfall musste nur noch mindestens zehn Prozent betragen. Die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers übernahm die Arbeitsagentur bis zur Hälfte und sogar komplett, wenn in mindestens der Hälfte der unfreiwilligen Freizeit die Mitarbeiter weitergebildet werden.

Dabei ist die Kluft im Währungsraum sehr groß: Österreich weist mit 4,7 Prozent vor Deutschland (5,4 Prozent) die niedrigste Arbeitslosigkeit nach europäischem Vergleichsstandard aus, Griechenland mit 27,2 Prozent (im Januar) die höchste. Die Jugendarbeitslosigkeit kletterte binnen Jahresfrist insgesamt auf 24,0 von 22,5 Prozent, im Vergleich zum Februar stagnierte sie. Grund dafür ist die schwere Wirtschaftskrise in der Währungsunion. Das Bruttoinlandsprodukt wird nach Prognose der EU-Kommission in diesem Jahr um 0,3 Prozent sinken und damit zum zweiten Mal in Folge. Besonders düster sieht es in Griechenland, Spanien und Italien aus.

Die weltweit besten Industriestandorte

Platz 1

Die USA behaupten sich im IQ-Index auf dem ersten Rang. Dort waren die Vereinigten Staaten bereits 1995 zu finden.

Platz 2

Im Vergleich von 45 Industrienationen belegt Schweden den zweiten Rang. Seit 1995 hat sich Schweden damit um zwei Plätze verbessert.

Platz 3

Dänemark macht zwei Plätze gut und springt auf Rang 3. Skandinavien macht derzeit wirtschaftlich eine gute Figur.

Platz 4

Auch Deutschlands Nachbar Schweiz schafft es auf einen der vorderen Plätze – 1995 stand die Alpenrepublik noch auf Rang 7.

Platz 5

Deutschland macht den größten Sprung bei den Top-Industrienationen. 1995 sah das IW-Institut die Bundesrepublik noch auf Platz 14.

Platz 6

Knapp hinter Deutschland folgt Australien auf Platz 6 – sogar mit dem gleichen Indexwert aus den 58 einzelnen Kategorien.

Platz 7

Platz 7 geht an die Niederlande – damit verschlechtert sich unser Nachbar deutlich. Die Holländer lagen 1995 noch an zweiter Stelle des IW-Rankings.

Platz 8

Auch Kanada muss einen Rückschlag hinnehmen. Der nordische Nachbar der USA stürzt um satte fünf Plätze ab.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.04.2013, 10:31 Uhr

Ich finde, dass parallel zu den Arbeitslosenzahlen Kennwerte zur Qualität und Einträglichkeit der Arbeitsverhältnisse genannt werden müssen!

Zwangsarbeiter haben auch Arbeit! Arbeit ist kein Wert an sich! Es kommt darauf an was für eine Arbeit!

Account gelöscht!

30.04.2013, 10:33 Uhr

Arbeitslosenzahlen sinken nur leicht, werden wohl in diesem Jahr ansteigen.

Das ganze Dilemma hängt mit der Euro-Krise zusammen. Vor der Einführung der Gemeinschaftswährung hätten Ungleichheiten in den Teilnehmerstaaten untereinander bereinigt werden müssen. Die Voraussetzung für die Gemeinschaftswährung wäre, dass alle Euro-Staaten das gleiche wirtschaftliche, soziale und ökonomische System haben. Das wird nie realisiert werden, weil keiner der beteiligten Staaten seine wertvolle Souveränität völlig aufgeben will und kann. Ergo gibt es mehr Verwerfung als Einigung.

Dazu kommt, das sehr unterschiedliche Wirtschaftswachstum, was durch die Wechselkurse ausbalanciert wurde. Diese fehlende Balance versuchen wir jetzt durch die permanenten Rettungsschirme oder auch mit dem „Europäischen Länderfinanzausgleich in XXL Format“ auszugleichen. Genau darin liegt ein anderes Problem. Aufgrund der immer größer werdenden Zahlungen an die kriselnden Staaten muss mehr vom Bundeshaushalt abgezwackt werden. Was wiederum in den sozialen Bereichen (Rente, Harz IV, Arbeitslosengeld, Kita-Plätze) und für den Straßenbau fehlen wird. Die Infrastruktur in Deutschland wird zunehmend belastet. Die Armut in Deutschland wird weiter ansteigen.

Immer mehr Menschen in Deutschland können sich aufgrund der Niedriglöhne keinen PKW leisten. Dazu kommt, die Rentner von heute, die sich einen PKW leisten, können gibt es in 20 Jahren nicht mehr. Diese Zustände führen dazu, dass der Absatz in der Automobilbranche auch in Deutschland einbricht. Damit trifft es auch die Zulieferindustrie. Was wiederum dazu führt, dass immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Somit gehen die Steuereinnahmen der Bevölkerung zurück. Die Spirale führt permanent nach unten.

In den Südländern steigen die Arbeitslosenzahlen an. Immer mehr Menschen können auch im Süden keinen PKW`s bezahlen. Was nützt der Euro, wenn kein Geld vorhanden ist. Lieber eine Drachme oder Lira mit Arbeit, als den Euro und arbeitslos sein.

Kartenhaus

30.04.2013, 10:35 Uhr

Die April-Zahlen werden mit der März-Kälte begründet. Langsam werden die Ausreden immer merkwürdiger. Die Einschläge kommen immer näher.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×