Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2013

11:56 Uhr

Arbeitslosenzahl

Mehr als drei Millionen Menschen ohne Job

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar wieder über die psychologisch wichtige Drei-Millionen-Marke gestiegen. BA-Chef Frank-Jürgen Weise macht das Winterwetter für Anstieg verantwortlich.

In Deutschland sind wieder mehr als drei Millionen Menschen ohne Arbeit. dpa

In Deutschland sind wieder mehr als drei Millionen Menschen ohne Arbeit.

Nürnberg/BerlinDie Zahl der Arbeitslosen in Deutschland hat im Januar deutlich die Marke von drei Millionen übersprungen und erreicht damit den höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) führte dies am Donnerstag allein auf saisonale Gründe wie das Winterwetter und Entlassungen nach dem Weihnachtsgeschäft zurück. Das ungünstige wirtschaftliche Umfeld mit der Rezession in Europa und der schwachen Weltkonjunktur habe auf dem Arbeitsmarkt "nur wenig Spuren hinterlassen", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise in Nürnberg. Im Februar könnte die Arbeitslosenzahl weiter steigen. Der Wintereinbruch spiegelt sich in den Zahlen noch nicht wider, weil bis zum Zähltag am 15. Januar gutes Wetter herrschte. "Die etwas kältere Zeit wird sich in die Zahl des Februars mit einmischen", sagte Weise.

Bei der BA waren im Januar 3,138 Millionen Arbeitslose registriert. Das seien 298.000 mehr gewesen als im Dezember und 54.000 mehr als vor einem Jahr. Noch mehr Arbeitslose hatte es zuletzt im März 2011 mit gut 3,2 Millionen gegeben. Über drei Millionen Arbeitslose waren zuletzt im März 2012 registriert. Die Arbeitslosenquote stieg in diesem Januar auf 7,4 Prozent.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

"Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit hat rein saisonale Gründe", sagte Weise. In den Außenberufen wie am Bau werde weniger gearbeitet, viele befristete Verträge liefen nach dem Weihnachtsgeschäft aus und die Betriebe stellten generell zu dieser Jahreszeit nicht so viele neue Mitarbeiter ein. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen ging die Erwerbslosenzahl überraschend um 16.000 zurück. Volkswirte bei den Banken hatten eine Zunahme um 8000 erwartet.

Entsprechend positiv reagierten die Volkswirte auf die neuen Zahlen. "Die Daten sind eine positive Überraschung", sagte Peter Meister von der BHF Bank. "Die Stimmung dreht." Den Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland im vierten Quartal 2012 sähen die Unternehmen "als temporäre Schwächephase". Thomas Gitzel von der VP Bank sagte: "Die Stimmungsaufhellung ist allgegenwärtig." Ein deutlicher Stellenaufbau werde aber auf sich warten lassen, auch weil sich die Auftragslage noch nicht verbessert habe.

Die Erwerbstätigkeit und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahmen weiter zu. Das Plus zum Vorjahr wird aber immer kleiner. Im Dezember gab es laut Statistischem Bundesamt 41,81 Millionen Erwerbstätige im Inland, 289.000 mehr als ein Jahr zuvor. Sozialabgabenpflichtig beschäftigt waren im November nach BA-Berechnungen 29,39 Millionen Menschen, 365.000 mehr als ein Jahr davor. Im Vergleich zum Vorjahr habe die Beschäftigung in fast allen Branchen zugelegt, sagte Weise. Ein deutliches Minus gebe es in der Zeitarbeit.

Die heutigen Zahlen bestätigen, dass das deutsche Jobwunder von seinem Glanz verloren hat. Dennoch sollte der Arbeitsmarkt das Wachstum weiter unterstützen", sagt Carsten Brzeski von der ING Bank. "Während die Exportindustrie zuletzt eine höhere Arbeitslosigkeit hatte und die Firmen ihre Neueinstellungen herunterschraubten, suchten die Binnenmarkt orientierten Unternehmen - wie am Bau oder im Gesundheitssektor - noch verstärkt Mitarbeiter."

Beim Ausblick bleibt die BA vorsichtig. "Für das Jahr 2013 insgesamt gilt die Überschrift: Unsicherheit", sagte Weise. "Deshalb würde ich nicht sagen, wir sind sicher auf dem Weg der Besserung. Es gibt gute Argumente, dass es dann nicht schlimmer werden müsste, sondern besser werden kann." Die BA gehe weiter von 2,9 bis 3,0 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt und einem Verharren der Beschäftigung auf hohem Niveau aus.

Auch in der Entwicklung der konjunkturellen Kurzarbeit sieht die BA keinen Anlass zur Sorge. Nach Worten von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker waren im November gut 69.000 Beschäftigte und damit 4000 mehr als im Monat zuvor in dieser Zwangspause. Das sei ein "Niveau, das wir jetzt nicht als auffällig bezeichnen würden", sagte Becker.

Kommentare (28)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Gast

31.01.2013, 10:14 Uhr

Aber wir haben rekord Steuereinnahmen? Ok.
Ich blick nicht durch, sorry.

Account gelöscht!

31.01.2013, 10:15 Uhr

Jaja das Wetter ist schuld LOL und ich dachte schon es sind die politischen Unzumutbarkeiten die dieses Land weiter und weiter in den Abgrund treiben. Steuern und Bürokratie ohne Ende, Inflation dass es einem schlecht wird, Zuwanderung die keine Grenzen kennt und dann die alltäglichen Propagandamärchen.

Übrigens... Wieviel Arbeitslose sind das laut Amt? 3,318 Millionen? Wer das glaubt soll seelig damit werden...in Wahrheit sprechen wir unter Garantie noch vor geschönter Statistik von wahrscheinlich eher 7-8 Millionen.

Account gelöscht!

31.01.2013, 10:18 Uhr

7,4 Prozent Arbeitslose - die Hartzer und Massnahmen-Herumhänger noch rausgerechnet. Toll ist das wahrlich nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×