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25.04.2013

19:49 Uhr

Arbeitsmarkt

Arbeitslosenzahl in Frankreich und Spanien auf Allzeithoch

In Frankreich und Spanien sind so viele Menschen arbeitslos wie nie zuvor. Das setzt die Regierungen noch mehr unter Druck. Eine Trendwende wird frühestens zum Jahresende erwartet.

Gewerkschaftsanhänger demonstrieren in Marseille gegen die Arbeitsmarktreformen der Regierung. Reuters

Gewerkschaftsanhänger demonstrieren in Marseille gegen die Arbeitsmarktreformen der Regierung.

ParisDie Arbeitslosigkeit in Spanien nimmt immer dramatischere Ausmaße an, auch Frankreich schockiert mit neuen Rekordhöhen. Im Euro-Krisenland Spanien hat die Arbeitslosenquote im ersten Quartal 27,2 Prozent erreicht, erstmals in der Geschichte des Landes waren mehr als sechs Millionen Menschen arbeitslos. In Frankreich kletterten die Arbeitslosenzahlen Ende März auf die Rekordhöhe von 3,225 Millionen, der höchste Stand seit Januar vor 16 Jahren. Im Vergleich zum März vergangenen Jahres sei die Zahl um 11,5 Prozent gestiegen, teilte das Arbeitsministerium am Donnerstag mit.

Die Krise auf dem Arbeitsmarkt setzt die Regierungen der Länder immer mehr unter Druck. Im krisengeschüttelten Spanien lösten die jüngsten Zahlen Entsetzen und Kritik aus. Nach Angaben der Statistik-Behörde INE lag die Zahl der Arbeitslosen mit 6,2 Millionen um knapp 240 000 höher als im Schlussquartal 2012. Nicht nur die Gewerkschaften und die linksgerichtete Opposition prangerten daraufhin die Wirtschafts- und Arbeitspolitik der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy an.

Auch bürgerlich-liberale Regionalparteien wie die katalanische CiU und die baskische PNV sprachen von „unmoralischen Zahlen“ und einer „dramatischen Situation“. Sie forderten eine dringende Umorientierung.

EU-Währungskommissar Olli Rehn bezeichnete die Zahlen als inakzeptabel. Man erwarte, dass Rajoy schon am Freitag der Öffentlichkeit neue Programme zur Ankurbelung der Wirtschaft vorstelle, sagte Rehn am Donnerstag im Europaparlament in Brüssel.

In Frankreich liegt die Arbeitslosenquote inzwischen doppelt so hoch wie in Deutschland. Nach den jüngsten verfügbaren Vergleichszahlen der Europäischen Statistikbehörde Eurostat lag sie im Februar bei 10,8 Prozent, in der Bundesrepublik hingegen nur bei 5,4 Prozent. Eine Ende des seit Mai 2011 anhaltenden Anstiegs wird in Frankreich frühestens Ende dieses Jahres erwartet.

Die Krise auf dem Arbeitsmarkt ist eine der stärksten Belastungen für die sozialistische Regierung unter Präsident François Hollande. Sie verlor in Umfragen zuletzt dramatisch an Zustimmung und steht unter Druck, den Arbeitsmarkt möglichst schnell tiefgreifend zu reformieren. Ein bereits im Parlament debattiertes Gesetzesprojekt für mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und Löhnen wird von Kritikern als unzureichend bezeichnet.

In Spanien sind es mittlerweile fast 3,5 Millionen Menschen (mehr als die Hälfte der Erwerbslosen also), die seit mehr als einem Jahr auf Jobsuche sind. Mit 16,6 Millionen lag die Zahl der Beschäftigten unterdessen um 4,58 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Das ist das geringste Beschäftigungsniveau seit über zehn Jahren (2002). Besonders schlimm ist die Situation für die jüngeren Generationen. Die Jugendarbeitslosenquote stieg laut INE um mehr als zwei Punkte auf 57,2 Prozent. In Spanien gebe es eine „Sozialkatastrophe“, klagte der Führer der Vereinigten Linken (IU), Cayo Lara.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

25.04.2013, 22:16 Uhr

Frankreich zeigt ganz einfach: Sozialismus und Überregulierung schaffen keinen Wohlstand und keine Arbeitsplätze.

Das schlimme ist nur, dass WIR dafür bezahlen müssen - via EU-Transfers!

Account gelöscht!

25.04.2013, 22:25 Uhr

Es ist erschrecken, dass in einer Wirtschaftspublikation wie dem HB in diesem Kontext keine statistischen Zeitreihen zur Entwicklung der Handelsbilanz von F und ESP mit Fernost vorgestellt werden. Dabei liegt hier der Kern des vom Euro verursachten Problems:

Der Euro ist für Deutschland eine Währung mit zu niedrigem Aussenwert, der wie Konjunkturprogramm für einen schon auch Hochtouren laufenden Exportsektor dient.

Für F und ESP hat der Euro einen viel zu hohen Aussenwert, so dass diese Länder nicht gegenüber D an Konkurrenzfähigkeit verlieren, sondern insbesondere auch gegenüber Fernost. Da diese Märkte aber im Volumen dramatisch wachsen, haben F und ESP im Gegensatz zu D keine Möglichkeit, die Wachstumsschwäche in Euroland durch vermehrte Exporte nach Fernost auszugleichen.

Im Gegenteil: F und ESP geraten auf ihren eigenen traditionellen Märkten zunehmend unter den Druck der preislich aggressiv vorgehenden asiatischen Konkurrenz.

Es fehlen auch weiterhin zeitliche Schaubilder zur Entwicklung des Handelsbilanzsaldos der gesamten Eurozone mit Fernost. Sehr interessant wären schliesslich die Entwicklung der Handelsbilanz von Euroland ex D, NL, A und FI, also quasi der gesamten Südschiene.

Für ein Fachmagazin eigentlich peinlich ...

Steinweg

25.04.2013, 23:20 Uhr

Ganz zynisch kann man raten: den Uebergang der 35 Std - Woche auf die 25-Std-Woche bei vollem Lohnausgleich zu verlangen.

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