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04.01.2010

09:52 Uhr

Arbeitsmarkt

Erwerbstätigkeit sinkt erstmals seit 2005 wieder

Die schwere Wirtschaftskrise hat die Zahl der Erwerbstätigen erstmals seit vier Jahren wieder sinken lassen. 2009 gingen durchschnittlich 40,15 Millionen Menschen in Deutschland einer Arbeit nach. Doch die Nachfrage nach Arbeitskräften zieht an.

Der in den Boomjahren erreichte Beschäftigungsanstieg ist wieder zunichtegemacht. dpa

Der in den Boomjahren erreichte Beschäftigungsanstieg ist wieder zunichtegemacht.

HB WIESBADEN. Für das Jahr 2009 waren 72 000 Personen oder 0,2 Prozent weniger Menschen erwerbstätig als im Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Im vorvergangenen Jahr wurde mit 40,22 Millionen Erwerbstätigen noch die beste Jobbilanz seit der Wiedervereinigung verzeichnet.

Zwar sank die Zahl der Erwerbstätigen damit zum ersten Mal seit 2005, doch fiel der Rückgang schwächer als befürchtet aus. „Insbesondere haben die massive Ausweitung der Kurzarbeit sowie der Abbau von Überstunden und das Abschmelzen von Guthaben auf Arbeitszeitkonten geholfen, die Beschäftigungsverluste zu begrenzen“, schrieben die Statistiker.

Aber auch 2009 gab es Branchen, in denen Arbeitsplätze aufgebaut wurden. So stieg die Erwerbstätigenzahl in den Dienstleistungsbereichen im Jahresschnitt um 171 000, ein Plus von 0,6 Prozent. In der Land- und Forstwirtschaft sowie im Baugewerbe verzeichneten die Statistiker leichte Zuwächse von 5 000 beziehungsweise 4 000 Beschäftigten.

Der globale Wirtschaftseinbruch schlug dagegen vor allem in den stärker exportorientierten Bereichen der Industrie ein. Laut Bundesamt gab es hier im Schnitt 217 000 Erwerbstätige weniger. Das entspricht einem Minus von 2,7 Prozent. Damit seien die Beschäftigungsgewinne der beiden Vorjahre per Saldo wieder aufgezehrt.

Seit der Wiedervereinigung registrieren die Statistiker in Deutschland zudem einen Strukturwandel, der sich auch 2009 fortsetzte: Fast drei Viertel aller Erwerbstätigen haben ihren Arbeitsplatz in den Dienstleistungsbereichen. Dieser Anteil stieg von 59,5 Prozent 1991 auf 73 Prozent im Jahr 2009. Dagegen sackte der Industrie-Anteil von 29,3 Prozent im Jahr 1991 auf 19,4 Prozent im vergangenen Jahr. In der Land- und Forstwirtschaft ging der Anteil von 3,9 auf 2,1 Prozent zurück, im Baugewerbe von 7,3 auf 5,5 Prozent.

Gleichzeitig stieg die Zahl der Erwerbslosen nach international vereinbarter Definition im Jahresdurchschnitt 2009 um 169 000 auf 3,31 Millionen. Damit waren nach den Angaben 5,4 Prozent mehr Menschen erwerbslos als 2008. Die Zahl der aktiv am Arbeitsmarkt verfügbaren Erwerbspersonen – also aller Erwerbstätigen und Erwerbslosen – nahm im Vergleich zum Vorjahr um 97 000 Personen auf 43,46 Millionen zu. Die Erwerbslosenquote stieg von 7,2 Prozent im Vorjahr auf 7,6 Prozent.

Trotz des Konjunktureinbruchs blieb der deutsche Arbeitsmarkt 2009 für Berufspendler aus Anrainerländern attraktiv. Im Jahresdurchschnitt pendelten 94 000 Menschen mehr zur Arbeit ein als Menschen mit Wohnsitz in Deutschland im Ausland beschäftigt waren. Der „Einpendlerüberschuss“ lag damit nach den Angaben um 35 000 Personen höher als im Durchschnitt des Jahres 2008.

Trotz aller Befürchtungen zeichnet sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt allerdings weiterhin keine Jobkrise ab. Bei der Nachfrage nach Arbeitskräften verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) im Dezember sogar einen leichten Aufwärtstrend. Die Zahl der offenen Stellen habe damit zum fünften Mal in Folge zugenommen, berichtete die Bundesbehörde am Montag.

Der von der Bundesagentur errechnete Stellenindex BA-X, der die monatliche Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage abbildet, kletterte den Angaben zufolge zum Jahresende um 2 auf 129 Punkte. Der Wert lag damit allerdings immer noch um 21 Punkte unter dem BA-X-Wert vor einem Jahr.

„Nach einer Seitwärtsbewegung im Sommer beschließt die Arbeitskräftenachfrage das Jahr mit einer leichten Aufwärtsbewegung. Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich die Nachfrage insgesamt immer noch auf einem niedrigen Niveau befindet“, kommentierte die Bundesagentur die Lage. Der BA-X basiert auf Stellengesuchen der Unternehmen und signalisiert die Einstellungsbereitschaft der Wirtschaft.

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