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08.01.2010

14:51 Uhr

Arbeitsmarkt

Stellenabbau in USA beschleunigt sich überraschend

Einige Ökonomen hatten mit einem leichten Anstieg der US-Arbeitslosenquote im Dezember gerechnet, einige mit einem Beschäftigungsaufbau. Nun zeigt der aktuelle Arbeitsmarktbericht: Trotz der wirtschaftlichen Erholung hat sich der Stellenabbau in den USA am Jahresende überraschend fortgesetzt. Noch lässt die Trendwende auf sich warten. Die Märkte reagierten sofort.

Anstehen für die Jobmesse: Viele Amerikaner suchen in Folge der Wirtschaftskrise nach einem neuen Job. Reuters

Anstehen für die Jobmesse: Viele Amerikaner suchen in Folge der Wirtschaftskrise nach einem neuen Job.

HB WASHINGTON. Im Dezember fielen 85 000 Jobs weg, teilte das US-Arbeitsministerium in Washington am Freitag mit. Im November waren korrigierten Angaben zufolge noch 4 000 neue Arbeitsplätze entstanden. Zunächst war ein Minus von 11 000 ermittelt worden. Nach Veröffentlichung der Daten geriet der Deutsche Leitindex Dax unter Druck und fiel unter die Marke von 6000 Punkten, der Euro hingegen gewann zum US-Dollar. Auch die Wall Street startete mit Verlusten in den Handel.

Der Beschäftigungsrückgang stellt der Landesbank Baden-Württemberg zufolge eine klare Enttäuschung dar. Grund sei insbesondere ein starker Beschäftigungsrückgang im Verarbeitenden Gewerbe, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Analyse des Bankhauses. Gleichwohl sei davon auszugehen, dass der Beschäftigungsrückgang in Kürze – vermutlich schon im Januar – zum Stillstand komme. Auch nach Einschätzung der Konjunkturexperten der Helaba bleibt das Szenario einer baldigen Beendigung der Jobkrise trotz der enttäuschenden Zahlen intakt. Dafür spreche die gestiegene Zahl der Zeitarbeiter, die der Gesamtbeschäftigung in der Regel voraus laufe, schreibt die Bank am Freitag in einem Kurzkommentar. Eine Wende am Arbeitsmarkt sei Voraussetzung für die Beendigung der ultralockeren US-Geldpolitik.

Laut Commerzbank sprechen die Daten gegen eine baldige Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank. Die Fed dürfte sich in ihrer Einschätzung einer nur verhaltenden Erholung am Arbeitsmarkt bestärkt sehen und ihren Leitzins erst wieder im vierten Quartal 2010 anheben, sagte Commerzbank-US-Experte Bernd Weidensteiner. Der leichte Anstieg im November sei ein positiver Ausreißer gewesen. Mit den Daten im Dezember werde hingegen die seit Januar 2009 anhaltende Tendenz eines nachlassenden Beschäftigungsabbaus bestätigt. Ab dem ersten Quartal 2010 könnte dann tatsächlich ein anhaltender Beschäftigungsaufbau beginnen.

„Die zunächst einmal enttäuschenden US-Beschäftigungszahlen bedeuten nicht, dass die Stabilisierungstendenz, die sich in den letzten Monaten abgezeichnet hatte, schon wieder zu Ende ist“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie der Postbank. Temporäre Rückschläge in einem sich zunächst stabilisierenden und später bessernden Arbeitsmarkt seien „normal“. Zudem wiesen alle verfügbaren Indikatoren darauf hin, dass sich die US-Wirtschaft derzeit in der Nähe der Beschäftigungsschwelle befinde. Dies lasse erwarten, dass sich im Januar oder Februar ein Beschäftigungszuwachs ergeben könnte. Das bedeute aber nicht, dass eine durchgreifende Verbesserung unmittelbar bevorstehe. Die Arbeitslosenquote könnte durchaus nochmals steigen, bevor sie ab dem Frühjahr oder der Jahresmitte allmählich beginne zu sinken.

Seit Ausbruch der Rezession Ende 2007 fielen rund 7,2 Millionen Jobs in der größten Volkswirtschaft der Welt weg. 2009 waren es allein 4,2 Millionen. Die Arbeitslosenquote erreichte zeitweise mit 10,2 Prozent den höchsten Stand seit 1983. Sie beträgt jetzt 10,0 Prozent. Wegen der Jobkrise hatte sich die schwerste Wirtschaftskrise seit 70 Jahren noch verschärft, weil die Verbraucher ihre Ausgaben einschränkten. Die USA hängen stärker als andere Länder vom privaten Konsum ab. Er macht deutlich mehr als zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus.

Die Konjunktur hatte zuletzt wieder Tritt gefasst. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal mit 2,2 Prozent erstmals nach einjähriger Pause wieder - auch dank des staatichen Konjunkturprogramms. Die US-Abwrackprämie „Cash for Clunkers“ etwa ließ den darbenden Automarkt wieder wachsen.

Die US-Stundenlöhne stiegen im Dezember wie erwartet. Die Löhne seien durchschnittlich um 0,2 Prozent auf 18,80 US-Dollar je Stunde geklettert, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Volkswirte hatten dies erwartet. Im Vormonat waren sie ebenfalls um revidierte 0,2 Prozent geklettert. Die Erstschätzung lag hier bei 0,1 Prozent. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug unverändert 33,2 Stunden.

Kommentare (8)

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aruba

08.01.2010, 16:07 Uhr

Guten Tag,......Zahlen, Zahlen ...... Erst wenn das Volk auf der Strasse steht machen sich Regierungen Sorgen. Aber das Volk steht jetzt auf der Strasse!!!!!!!!. Nichts aber auch gar nichts ist gefaehrlicher fuer den Sozialen Frieden. beste Dank

Norbert Wangnick

08.01.2010, 16:07 Uhr

Sorry, aber das ist nur noch flach recherchiert. Mal zur info live aus Texas:
1.) Die Arbeitslosigkeit in den USA wird sich noch verstaerken. Von 10,2% auf ca. 12% ueber die naechsten 3-5 Jahre. Und das ist nur die Arbeitslosigkeit in den engeren Definition. Rechnet man diejenigen hinzu, die statt eines Vollzeitjobs nur Teilzeit arbeiten koennen bzw. diejenigen, die aus der Statistik rausfallen, weil sie ihre Unterstuetzungsleistungen laenger als 6 Monate bezogen haben und jetzt quasi alleine dastehen, sind wir bei ueber 17,5%, nachzulesen auf den offiziellen Seiten.
2.) Von einer Erholung der Konjunktur kann auch keine Rede sein, die mageren 2,2% "Wachstum" sind vollstaendig regierungsfinanziert und bestehen aus den kurzfristigen Sonderprogrammen, die aber nicht auf Dauer finanziert werden koennen. Der Automarkt ist mittlerweile nach dem Auslaufen der Abwrackpraemie vollstaendig kollabiert.
Die USA sind noch lange nicht ueber den berg.
ich wuerde mir von Handelsblatt manchmal etwas mehr Tiefgang wuenschen. Oder fuehren die budgetkuerzungen beim Personal dazu, dass Praktikanten diese Leitartikel verfassen?

Eckhard Stephan

08.01.2010, 18:12 Uhr

Der gegenwärtige Kapitalismus entwickelt sich meiner Ansicht nach zunehmend irrational. Denn zu den Situationen, die Herr Wangnick zu Recht anführt, gesellt sich ein Aufschwung an den Aktienbörsen, der eigentlich der Ausweis eines nachhaltigen unternehmerischen Wirtschaftens sein sollte. Nichts dergleichen ist jedoch derzeit in den Wirtschaftsräumen der Welt signifikant zu beobachten. Die wesentliche Erklärung für das, was gegenwärtig an den Weltaktienbörsen geschieht, ist (wieder) das Resultat ungehemmten Spekulierens mit („Wert“) Papieren, weil Unmengen billig beschafften Geldes gewinnbringend angelegt werden wollen. Der sich dabei bildende Wert dieser „Wertpapiere“ hat bereits seit langem erneut jedwede Deckung durch entsprechende „Unternehmenssubstanz“ verloren. Die politische und wirtschaftliche „Elite“ wählt, weil sie tradierte Praxis nicht verlassen kann (und will), zwischen Pest und Cholera: Einerseits muss billiges Geld in die Wirtschaftskreisläufe gepumpt werden, damit der stotternde Motor nicht zum Stillstand kommt. Andererseits trifft die billionen starke Geldflut auf eine Situation, wo „Real“ - Wirtschaft und Finanzwirtschaft bezüglich des weltweiten Nachfragerückgangs an Konsum- und investitionsmitteln in ihrer jeweiligen unternehmerischen Tätigkeit zutiefst verunsichert sind und sich zudem gegenseitig misstrauen. im Ergebnis dieser Maximen findet das Geld nur unzureichend den Weg in die Unternehmungen und feiert stattdessen an den Weltaktienbörsen fröhlich Urständ. Zieht in der bisherigen Marktwirtschaft die Götterdämmerung herauf?

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