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25.08.2014

14:25 Uhr

Armutsvergleich in Deutschland

Arm, ärmer, Großstädter

Auf dem Papier sind die Löhne in Ostdeutschland und auf dem Land am niedrigsten. Doch dafür zahlen die Leute dort weniger Miete. Ein neues Ranking berücksichtigt die Kaufkraft – mit überraschenden Ergebnissen.

Regionaler Armutsausgleich

Großstädte schneiden schlecht ab

Regionaler Armutsausgleich: Großstädte schneiden schlecht ab

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DüsseldorfIn einer neuen Studie hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erstmals die regionalen Preisniveaus in die Armutsberechnung einbezogen. Dies macht sich vor allem für die Großstädte bemerkbar, wo Mieten und Dienstleistungen teurer sind.

In Zahlen ausgedrückt heißt das: In den Großstädten sind die Preise um mehr als sechs Prozent höher als auf dem Land. Außerdem sind sie in Westdeutschland um sieben Prozent höher als in Ostdeutschland. Die Einkommen im Osten sind zwar niedriger als im Westen, gleichzeitig können sich die Menschen dort von ihrem Geld aber auch mehr leisten als im Westen, heißt es in der Studie „Regionaler Armutsvergleich“ des arbeitgebernahen Instituts. In der Armutsdebatte sollten nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln die unterschiedlichen Preise in den Regionen berücksichtigt werden.

Bei der alleinigen Betrachtung der Einkommen zeige sich ein starkes Gefälle zwischen West und Ost. Würden jedoch die Preisunterschiede zwischen Großstädten und ländlichen Gebieten sowie zwischen Ost- und Westdeutschland hinzugezogen, lägen die Armutsquoten „gar nicht so weit auseinander“, erklärten die Wirtschaftswissenschaftler Christoph Schröder und Klaus-Heiner Röhl.

Top 7: Anteil "Arme" unter Berücksichtigung der regionalen Kaufkraft

Dillingen an der Donau, Donau-Ries, Aichach-Friedberg, Augsburg

8,3 Prozent

Erlangen-Hächstadt, Fürth, Nürnberger Land, Roth

8,5 Prozent

Landau in der Pfalz, Südliche Weinstraße, Germersheim

9,0 Prozent

Ulm, Alb-Donau-Kreis, Biberach

9,0 Prozent

Landshut (Stadt und Landkreis), Kelheim, Rottal-Inn, Dingolfing-Landau

9,2 Prozent

Weiden in der Oberpfalz, Neustadt an der Waldnaab, Tirschenreuth, Amberg, Amberg-Sulzbach, Schwandorf

9,5 Prozent

Ingolstadt, Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen an der Ilm

9,5 Prozent

Die Armutsgefährdungsschwelle berechnet sich EU-weit nach dem Medianeinkommen. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des Medianeinkommmens zum Leben zur Verfügung hat. Für das Medianeinkommen ist nicht die Summe der Einkommen entscheidend, sondern deren Verteilung auf die einzelnen Personen. Es geht um das Einkommen desjenigen, der genau in der Mitte stünde, wenn sich alle Personen nach ihrem Einkommen sortiert in einer Reihe aufstellen würden.

2014 lag die Armutsgefährdungsschwelle für einen Alleinstehenden bei 870 Euro. Rechnet man Sätze für Miete und anderes hinzu, liegt der Hartz IV-Satz eines Singles bei 651 Euro und damit unter der Armutsgefährdungsschwelle. Die Armutsgefährdungsquote zeigt vor allem das Gefälle zwischen Arm und Reich, sagt aber nur wenig über die Kaufkraft des Einzelnen.

Das kritisieren die IW-Ökonomen. Die Armutsgefährdungsschwelle für einen durchschnittlichen Bürger Deutschlands liegt bei 870 Euro im Monat. Doch in München benötigt ein Single 1030 Euro, um dieses Niveau zu erreichen – in Sachsen-Anhalt hingegen nur 812 Euro.

Flop 7: Anteil "Arme" unter Berücksichtigung der regionalen Kaufkraft

Köln

26,4 Prozent

Dortmund

25,5 Prozent

Leipzig

24,3 Prozent

Bremerhaven

24,3 Prozent

Duisburg

24,1 Prozent

Frankfurt a.M.

23,5 Prozent

Gelsenkirchen

23,5 Prozent

Kommentare (8)

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Herr richard roehl

25.08.2014, 15:20 Uhr

Gut, jetzt hat man das vielleicht ein bischen genauer quantifiziert, aber grundsätzlich ist die Erkenntnis ja nicht neu und deshalb keineswegs überraschend. Dafür braucht man sich gewiss keine teueren, überflüssigen Sozialökonomen halten

Herr peter gramm

25.08.2014, 16:02 Uhr

na was für eine überraschende erkenntnis. dass die umverteilung in deutschland nicht stimmt hat sich eben bis zu unseren wohlversorgten und gepamperten politikern noch immer nicht herumgesprochen oder sie wollen es eben noch immer nicht zur kenntnis nehmen. diejenigen, die in den organisationen welche von zwangsgebühren und/oder steuergeldern bestens versorgt sind (die da wären, bürokratien, öffentlich rechtliche rundfunkanstalten, ihk'en u.a.m.) kann dieses problem egal sein. dem zusammenleben in unserer gesellschaft ist es eher kontraproduktiv und wird seine folgen zeitigen.

Frau Ich Kritisch

25.08.2014, 16:25 Uhr

hübsch, nun hat man also festgestellt, dass die Menschen auf dem Land weniger für Miete zahlen, und hat das berücksichtigt.

Wäre noch netter, wenn man die Kosten des Arbeitsweges auch berücksichtigt hätte.
Während jemand in der Großstadt ein paar Euro für den gesponserten öffentlichen Nahverkehr ausgibt muss ich etliche Hunderte an Euros dafür bezahlen mit dem Auto zur Arbeit fahren zu dürfen.

Ups, wenn das berücksichtigt wird sind ja vielleicht doch die Landbewohner die "Armen Schweine" ...

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