Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.06.2014

08:26 Uhr

Aufträge im April

Deutsche Industrie überraschend im Aufschwung

Eigentlich hatten Experten nur einem Plus von einem Prozent gerechnet. Doch nun ziehen die Bestellungen in der deutschen Industrie überraschend stark an. Die Meinung der Experten: „Ein starkes Comeback“.

Ein Stahlarbeiter im ThyssenKrupp-Werk: Die Deutsche Industrie bekommt im April mehr Aufträge. dpa

Ein Stahlarbeiter im ThyssenKrupp-Werk: Die Deutsche Industrie bekommt im April mehr Aufträge.

BerlinDie deutsche Industrie hat den Auftragseinbruch von März dank der steigenden Nachfrage aus der Euro-Zone wettgemacht. Die Bestellungen zogen im April um 3,1 Prozent zum Vormonat an, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Einen stärkeren Zuwachs gab es zuletzt im Juni 2013. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 1,3 Prozent gerechnet. Im März hatte es noch ein Minus von 2,8 Prozent gegeben. Das war der erste Rückgang nach zuvor vier Anstiegen in Folge und zugleich der stärkste seit anderthalb Jahren.

Größte Volkswirtschaften 2013 - 2028

Rang 10

2013
Kanada
1,8 Billionen Dollar
2028
Kanada
3,7 Billionen Dollar
Quelle: CEBR. Angaben beziehen sich auf das geschätzte Bruttoinlandsprodukt

Rang 9

2013
Italien
2,1 Billionen Dollar
2028
Mexiko
3,7 Billionen Dollar

Rang 8

2013
Russland
2,1 Billionen Dollar
2028
Russland
4,1 Billionen Dollar

Rang 7

2013
Brasilien
2,2 Billionen Dollar
2028
Großbritannien
4,3 Billionen Dollar

Rang 6

2013
Großbritannien
2,65 Billionen Dollar
2028
Deutschland
4,3 Billionen Dollar

Rang 5

2013
Frankreich
2,7 Billionen Dollar
2028
Brasilien
5,1 Billionen Dollar

Rang 4

2013
Deutschland
3,6 Billionen Dollar
2028
Japan
6,4 Billionen Dollar

Rang 3

2013
Japan
5 Billionen Dollar
2028
Indien
6,6 Billionen Dollar

Rang 2

2013
China
8,9 Billionen Dollar
2028
USA
32,2 Billionen Dollar

Rang 1

2013
USA
16,7 Billionen Dollar
2028
China
33,5 Billionen Dollar

Während die Nachfrage aus dem Inland zu Beginn des zweiten Quartals stabil blieb, zog die aus dem Ausland um 5,5 Prozent an. Dabei wuchs das Neugeschäft mit den Euro-Ländern mit 9,9 Prozent besonders kräftig, das mit dem Rest der Welt legte um 3,1 Prozent zu. Besonders deutlich kletterte die Nachfrage nach Konsumgütern. Sie stieg um 7,1 Prozent. Bei den Investitionsgütern, zu denen beispielsweise Maschinen und Fahrzeuge gehören, gab es ein Plus von 4,4 Prozent. Die Nachfrage nach Vorleistungsgütern wie Chemikalien legte um 0,2 Prozent zu.

„Ein starkes Comeback“, meint Experte Carsten Brzseski von ING „Die Industrieaufträge sind der erste Beleg dafür, dass die Abkühlung der Wirtschaft am Ende des ersten Quartals eher ein Ausrutscher war und kein neuer Trend. Die heutigen Daten zeigen, dass zumindest die Industrie lebendig ist.“

Deutschlands Exportüberschüsse

Seit wann erzielt Deutschland Exportüberschüsse?

Seit 1952. Nur in den ersten Nachkriegsjahren wurde mehr importiert als exportiert. 1950 gab es ein Handelsdefizit von umgerechnet 1,54 Milliarden Euro, das aber schon 1951 auf 76 Millionen Euro schrumpfte. Seither gibt es Überschüsse.

Mit welchen Ländern erzielt Deutschland Überschüsse?

Mit den meisten. Den größten Überschuss erzielt Deutschland im Handel mit Frankreich. Dorthin wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 39,7 Milliarden Euro mehr exportiert als von dort eingeführt. Auf Rang zwei folgen die USA mit (36,3 Milliarden Euro) und Großbritannien (28,6 Milliarden Euro). Das größte Defizit macht Deutschland im Handel mit dem ölreichen Norwegen (-17,7 Milliarden Euro), gefolgt von den Niederlanden (-15,6 Milliarden) und China (-10,7 Milliarden.)

Wie hoch ist der deutsche Leistungsbilanzüberschuss?

In den ersten acht Monaten 2013 wurden Waren im Wert von 726 Milliarden Euro ausgeführt, aber nur im Wert von 599 Milliarden Euro importiert. Das ergibt einen Exportüberschuss von 127 Milliarden Euro. In die Leistungsbilanz fließen zudem der Austausch von Dienstleistungen mit dem Ausland ein, aber beispielsweise auch Entwicklungshilfe und Vermögenseinkommen. Von Januar bis August summierte sich der Leitungsbilanzüberschuss damit auf rund 115 Milliarden Euro.

Welche Länder haben einen höheren Exportüberschuss?

Derzeit kein anderes, nicht einmal Exportweltmeister China. 2012 lag der deutsche Überschuss mit umgerechnet 238 Milliarden US-Dollar sowohl über dem von China (193 Mrd) als auch dem des ölreichen Saudi-Arabien (165 Mrd). Mit der Erholung der Weltkonjunktur dürfte sich der deutsche Leistungsbilanzüberschuss in diesem Jahr auf die 200-Milliarden-Euro-Marke zubewegen, prognostiziert das Münchner Ifo-Institut. Das wäre ein Rekord.

Warum werden die Überschüsse kritisiert?

Die USA, aber auch der Internationale Währungsfonds zählen sie zu den großen Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft, die für die globale Finanz- und die Schuldenkrise in Europa mitverantwortlich sind. Denn Ländern mit Exportüberschüssen stehen welche mit Defiziten gegenüber, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen. Die EU-Kommission stuft einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung als stabilitätsgefährdend ein. Bei einer längeren Fehlentwicklung droht sie deshalb mit einem Mahnverfahren, an dessen Ende ein Bußgeld stehen könnte. Im ersten Halbjahr lag der deutsche Überschuss bei 7,2 Prozent.

Was kann dagegen getan werden?

Der IWF und die Industriestaaten-Organisation OECD fordern seit längerem von Deutschland, mehr für die Binnennachfrage zu tun, um die Unwucht zu beheben. Höhere Importe schmelzen nicht nur den deutschen Überschuss, sondern erhöhen die Exporte anderer Länder – die damit ihre Defizite verringern können. Ein Schlüssel dazu können stärkere Lohnerhöhungen sein. „Das stimuliert die Binnennachfrage, wodurch mehr importiert und der Außenhandel wieder mehr ins Gleichgewicht gebracht wird“, sagt der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Gustav Horn. Steigen die Löhne hierzulande, werden deutsche Produkte teurer – womit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit etwa der Euro-Länder steigen würde und dort den Export ankurbeln könnte.

Was sagt die Wirtschaft?

Sie argumentiert ganz anders. Der deutsche Erfolg helfe den Krisenländern. Ihr Argument: Deutsche Exporte bestehen zu rund 40 Prozent aus zuvor importieren Vorprodukten, sagt etwa der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Somit profitiere auch das Ausland. Zudem steigen die deutschen Importe wegen des anziehenden Konsums bereits: Die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten sowohl für dieses als auch das kommende Jahr ein höheres Importtempo.

Wird Deutschland immer Überschüsse erzielen?

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bezweifelt das. Ab 2028 erwartet es keine Exportüberschüsse mehr in Deutschland. Wenige Jahre später sollen Leistungsbilanzdefizite folgen. „Die Ursache dieser Entwicklung ist der demografische Wandel, die Schrumpfung und Alterung der deutschen Bevölkerung“, heißt es in der Studie. Weil es in wenigen Jahren schon weniger Erwerbstätige geben werde, könne auch weniger exportiert werden. Gleichzeitig müsse der Konsum der Älteren durch höhere Importe gedeckt werden.


Von

rtr

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.06.2014, 09:04 Uhr

Das ergibt dann im Zweimonatsvergleich ein Wachstum der Industrieaufträge um jeweils 0,15% ( - 2,8 + 3,1)/2 .

Bim beträchtlichen Rückgang der Aufträge vor einem Monat spielten zudem Sondereffekte eine Rolle.

Insgesamt sehe ich da kein besonderes wachstum.

Account gelöscht!

05.06.2014, 09:26 Uhr

Und die "schöne Welt" Propaganda unserer Hofberichterstatter von Merkels-Ehren läuft wieder einmal auf Hochtouren.

Account gelöscht!

05.06.2014, 11:01 Uhr

@ColorfulColorado
Was soll das für ein Wirtschaftwachstum sein, dass sich der Staat mit hohen Steuer- und Abgabenlasten vom Bürger erkaufen lässt.
Auf Kosten (Steuer- und Abgabenlast) der Bürger wird eine Wirtschaft staalich am leben gehalten und ein angebliches Wirtschaftwachstum angezeigt. Dabei hat diese Form der staatlichen Wachstumbildung (Steuer- und Abgabenfinanziert) nichts mit einen gesunden Marktwirtschaftlichen Wachstum (deregulierung des Markt) zu tun. Früher oder Später wird der Staat seinen hohen Subventionsverpflichtungen an das Wirtschaftswachstum nicht mehr nachkommen können und dann bricht das schöne deutsche - europäische Schein-Wachstum-Gebilde in sich zusammen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×