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09.12.2015

11:28 Uhr

Ausblick für 2016

Kratzer im Lack der deutschen Wirtschaft

VonDirk Heilmann

Das Handelsblatt Research Institute sagt ein enttäuschendes Jahr 2016 für die deutsche Wirtschaft voraus. Die Gründe sind vielseitig, die Entwicklung hatte sich abgezeichnet. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Ausgedünnte Exporte drücken das BIP-Wachstum in Deutschland. Imago

Zerkratzte Wirtschaft

Ausgedünnte Exporte drücken das BIP-Wachstum in Deutschland.

Das exportorientierte Geschäftsmodell entwickelt sich zu einer Belastung für die deutsche Wirtschaft. Die deutliche Abkühlung in den Schwellenländern und die schwache Entwicklung des Welthandels werden nach Einschätzung des Handelsblatt Research Institute (HRI) dazu führen, dass sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von 1,7 Prozent im laufenden Jahr auf 1,4 Prozent im kommenden Jahr abkühlt.  Damit liegt das HRI mit seiner ersten Wachstumsprognose deutlich unter dem aktuellen Konsens der Bankenvolkswirte und Forschungsinstitute.

Um einen halben Prozentpunkt wird der Außenhandel nach den Berechnungen des HRI die BIP-Wachstumsrate drücken, statt wie bisher üblich die von der Binnenwirtschaft erwirtschaftete Wachstumsrate aufzustocken. Dafür gibt es drei Gründe: Das verringerte globale Trendwachstum, die nachlassende Dynamik des Welthandels und die kräftig steigende Nachfrage nach Importwaren in Deutschland.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Die Abschwächung der Exporte zeichnet sich schon seit Monaten in den amtlichen Statistiken ab: Der Auftragseingang der deutschen Industrie aus dem Ausland lag im Oktober um 2,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Aufträge aus Ländern außerhalb des Euro-Raums gingen sogar um 7,2 Prozent zurück.

Deshalb erwartet das HRI, dass die Exporte im kommenden Jahr nur noch um 2,1 Prozent zunehmen, obwohl sich das Geschäft mit der Euro-Zone belebt hat.  Die Nachfrage aus Deutschland nach ausländischen Waren und Dienstleistungen wird hingegen fast doppelt so schnell steigen – um 3,8 Prozent. Das drückt  den Außenbeitrag in den negativen Bereich und senkt die BIP-Wachstumsrate.

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