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30.12.2013

15:48 Uhr

Außenhandel

Deutsche Exporteure erwarten 2014 rund drei Prozent Wachstum

Der Exportmotor der deutschen Wirtschaft wird nach Einschätzung der Außenhandelsbranche im neuen Jahr wieder kräftiger anspringen. Die deutschen Exporte könnten 2014 einen Rekordwert erreichen.

Autoterminal in Bremerhaven: Der Exportmotor der deutschen Wirtschaft wird nach Einschätzung der Außenhandelsbranche im neuen Jahr wieder kräftiger anspringen. dpa

Autoterminal in Bremerhaven: Der Exportmotor der deutschen Wirtschaft wird nach Einschätzung der Außenhandelsbranche im neuen Jahr wieder kräftiger anspringen.

BerlinNach einem Durchhänger im laufenden Jahr peilen Deutschlands Exporteure 2014 wieder spürbare bessere Geschäfte an. „Die Exporte werden um bis zu drei Prozent wachsen und ein neues Allzeithoch von 1.142 Milliarden Euro erreichen“, teilte der Branchenverband BGA am Montag mit. Mit 224 Milliarden Euro werde ein neuer Rekordüberschuss im Außenhandel erreicht, da die Importe wohl nur um ein Prozent auf 918 Milliarden Euro zulegen dürften. „Damit werden wir auch unseren Anteil am Welthandel von rund 7,5 Prozent annähernd verteidigen können“, sagte BGA-Präsident Anton Börner.

Die Überschüsse würden zunehmend im außereuropäischen Ausland erzielt und gingen damit nicht zulasten der europäischen Handelspartner. „Im Gegenteil, wir sind die Exportlokomotive, von der auch die Zulieferer aus der ganzen EU profitieren.“

Deutschlands Exportüberschüsse

Seit wann erzielt Deutschland Exportüberschüsse?

Seit 1952. Nur in den ersten Nachkriegsjahren wurde mehr importiert als exportiert. 1950 gab es ein Handelsdefizit von umgerechnet 1,54 Milliarden Euro, das aber schon 1951 auf 76 Millionen Euro schrumpfte. Seither gibt es Überschüsse.

Mit welchen Ländern erzielt Deutschland Überschüsse?

Mit den meisten. Den größten Überschuss erzielt Deutschland im Handel mit Frankreich. Dorthin wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 39,7 Milliarden Euro mehr exportiert als von dort eingeführt. Auf Rang zwei folgen die USA mit (36,3 Milliarden Euro) und Großbritannien (28,6 Milliarden Euro). Das größte Defizit macht Deutschland im Handel mit dem ölreichen Norwegen (-17,7 Milliarden Euro), gefolgt von den Niederlanden (-15,6 Milliarden) und China (-10,7 Milliarden.)

Wie hoch ist der deutsche Leistungsbilanzüberschuss?

In den ersten acht Monaten 2013 wurden Waren im Wert von 726 Milliarden Euro ausgeführt, aber nur im Wert von 599 Milliarden Euro importiert. Das ergibt einen Exportüberschuss von 127 Milliarden Euro. In die Leistungsbilanz fließen zudem der Austausch von Dienstleistungen mit dem Ausland ein, aber beispielsweise auch Entwicklungshilfe und Vermögenseinkommen. Von Januar bis August summierte sich der Leitungsbilanzüberschuss damit auf rund 115 Milliarden Euro.

Welche Länder haben einen höheren Exportüberschuss?

Derzeit kein anderes, nicht einmal Exportweltmeister China. 2012 lag der deutsche Überschuss mit umgerechnet 238 Milliarden US-Dollar sowohl über dem von China (193 Mrd) als auch dem des ölreichen Saudi-Arabien (165 Mrd). Mit der Erholung der Weltkonjunktur dürfte sich der deutsche Leistungsbilanzüberschuss in diesem Jahr auf die 200-Milliarden-Euro-Marke zubewegen, prognostiziert das Münchner Ifo-Institut. Das wäre ein Rekord.

Warum werden die Überschüsse kritisiert?

Die USA, aber auch der Internationale Währungsfonds zählen sie zu den großen Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft, die für die globale Finanz- und die Schuldenkrise in Europa mitverantwortlich sind. Denn Ländern mit Exportüberschüssen stehen welche mit Defiziten gegenüber, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen. Die EU-Kommission stuft einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung als stabilitätsgefährdend ein. Bei einer längeren Fehlentwicklung droht sie deshalb mit einem Mahnverfahren, an dessen Ende ein Bußgeld stehen könnte. Im ersten Halbjahr lag der deutsche Überschuss bei 7,2 Prozent.

Was kann dagegen getan werden?

Der IWF und die Industriestaaten-Organisation OECD fordern seit längerem von Deutschland, mehr für die Binnennachfrage zu tun, um die Unwucht zu beheben. Höhere Importe schmelzen nicht nur den deutschen Überschuss, sondern erhöhen die Exporte anderer Länder – die damit ihre Defizite verringern können. Ein Schlüssel dazu können stärkere Lohnerhöhungen sein. „Das stimuliert die Binnennachfrage, wodurch mehr importiert und der Außenhandel wieder mehr ins Gleichgewicht gebracht wird“, sagt der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Gustav Horn. Steigen die Löhne hierzulande, werden deutsche Produkte teurer – womit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit etwa der Euro-Länder steigen würde und dort den Export ankurbeln könnte.

Was sagt die Wirtschaft?

Sie argumentiert ganz anders. Der deutsche Erfolg helfe den Krisenländern. Ihr Argument: Deutsche Exporte bestehen zu rund 40 Prozent aus zuvor importieren Vorprodukten, sagt etwa der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Somit profitiere auch das Ausland. Zudem steigen die deutschen Importe wegen des anziehenden Konsums bereits: Die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten sowohl für dieses als auch das kommende Jahr ein höheres Importtempo.

Wird Deutschland immer Überschüsse erzielen?

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bezweifelt das. Ab 2028 erwartet es keine Exportüberschüsse mehr in Deutschland. Wenige Jahre später sollen Leistungsbilanzdefizite folgen. „Die Ursache dieser Entwicklung ist der demografische Wandel, die Schrumpfung und Alterung der deutschen Bevölkerung“, heißt es in der Studie. Weil es in wenigen Jahren schon weniger Erwerbstätige geben werde, könne auch weniger exportiert werden. Gleichzeitig müsse der Konsum der Älteren durch höhere Importe gedeckt werden.

Für das zu Ende gehende Jahr rechnen die Exporteure nur mit einem Umsatzplus von einem Prozent bei den Ausfuhren und mit stagnierenden Importen. „Wir werden 2014 wieder von einer allmählichen Belebung der Weltmärkte profitieren können“, sagte Börner. Dies signalisierten die wieder anziehenden Aufträge aus dem Ausland. „Zudem mehren sich die Anzeichen für eine weitere Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage in den europäischen Krisenländern.“ Zugleich blieben Risiken. „So blicke ich mit zunehmender Sorge auf die ausbleibenden Strukturreformen in Frankreich sowie die Gefahr, dass die angekündigten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reformen in China nicht rechtzeitig umgesetzt werden können“, sagte Börner.

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