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07.01.2011

12:54 Uhr

Außenhandel

Deutschland stellt Importrekord auf

Die Exporte liegen praktisch auf Vorkrisenniveau, die Einfuhren stiegen im Jahresvergleich auf den höchsten Stand seit 60 Jahren - in der deutschen Wirtschaft ist von Krise nichts mehr zu spüren. Nur die stärker als erwartet gefallene Industrieproduktion im November trübt die Stimmung leicht.

Import-Rekord: Im November kletterten die Einfuhren auf den höchsten Stand seit Beginn der Statistik 1950. dpa

Import-Rekord: Im November kletterten die Einfuhren auf den höchsten Stand seit Beginn der Statistik 1950.

HB BERLIN. Der Außenhandelsmotor läuft auf vollen Touren: Deutschland hat im November so viel importiert wie nie zuvor. Die Einfuhren erhöhten sich im Jahresvergleich um ein Drittel auf 75,1 Milliarden Euro - das war der höchste Stand seit Beginn der Statistik 1950. Die Ausfuhren kletterten um 21,7 Prozent auf 88,0 Milliarden Euro, den höchsten Wert seit Oktober 2008, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

„Der kräftige Anstieg der Importe zeigt, dass die deutsche Binnenkonjunktur weiter an Kraft und Dynamik gewinnt“, sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Auch damit leiste Deutschland seinen Beitrag zu einem nachhaltigen Aufschwung. Die Exporte hätten „praktisch wieder das Niveau vor der Krise“ im Herbst 2008 erreicht, sagte Brüderle und erklärte: „Nach dem fulminanten Exportwachstum im ersten Halbjahr verläuft die Entwicklung erwartungsgemäß in etwas ruhigeren Bahnen, weil auch der Welthandel einen Gang auf Normalwachstum zurückgeschaltet hat.“

Unterm Strich schaffte Deutschland im November einen Außenhandelsüberschuss von 12,9 Milliarden Euro. Kalender- und saisonbereinigt lag das Plus bei 11,8 Milliarden Euro. Sowohl die Exporte als auch die Importe profitierten „mit deutlich zweistelligen Zuwachsraten von der weltweiten wirtschaftlichen Erholung“, sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA).

Zugpferde für den deutschen Export seien neben den aufstrebenden Schwellenländern nun auch wieder verstärkt die EU- Länder. „Was kaum möglich schien: Ende des Jahres werden wir 90 Prozent des Kriseneinbruchs wieder aufgeholt haben“, betonte Börner. In die EU-Mitgliedstaaten versandten deutsche Firmen im November Waren für 52,3 Milliarden Euro und importierten Waren für 47,2 Milliarden Euro.

In die Länder der Eurozone wurden Waren im Wert von 35,3 Milliarden Euro geliefert und Waren für 33,3 Milliarden Euro von dort importiert. Im Vergleich zum Vormonat erhöhten sich die Einfuhren um 4,1 Prozent und die Ausfuhren um 0,5 Prozent. Im Oktober waren die Ausfuhren noch um 1,3 Prozent zurückgegangen und die Importe um 0,1 Prozent gestiegen.

Kleiner Dämpfer für die deutsche Wirtschaft: Die Unternehmen drosselten ihren Produktion im November deutlicher als erwartet. Industrie, Bau- und Energiewirtschaft erzeugten zusammen 0,7 Prozent weniger als im Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mit. Im Oktober hatte es noch ein Anstieg von drei Prozent gegeben. Für das vierte Quartal dürfte es aber zu einem Wachstum reichen. Das Ministerium rechnet in den kommenden Monaten „in Anbetracht der guten Bestelltätigkeit“ mit einem positiven Trend.

Die Industrie hatte im November 5,2 Prozent mehr Aufträge eingesammelt und damit das größte Plus seit Januar gemeldet. Die meisten Impulse kamen aus dem Ausland - vor allem aus boomenden Schwellenländern wie China. Doch in der Produktion ist davon bisher nichts angekommen: Die Industrie stellte 0,6 Prozent weniger her. Im Baugewerbe fiel das Minus mit 1,1 Prozent fast doppelt so stark aus. Die Energieerzeugung ging sogar um 2,4 Prozent zurück.

Kommentare (2)

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artur özkaplan

07.01.2011, 15:21 Uhr

Das ist aber ein trauriger Rekord. Als rohstoffarmes Land muss Deutschland die teuren Rohstoffe die im letzten Jahr im Durschnitt %40 gestiegen sind importieren... Die Produkte werden die Kostenexplosion uns als inflation weitergeben.
Die Menge der importierten Güter sind wohl nicht gleichmässig gestiegen. Und der Euro hat gegen alle führende Währungen %10 an Wert verloren.

Donsamuel

07.01.2011, 16:11 Uhr

Was mich sehr interessieren würde, ist die Aufteilung auf importierte investitions- und Konsumgüter. Und wie stark wurden die erhöhten importe durch erhöhte Schuldenlast (von Privathaushalten) erkauft? ich erinnere mich an einen anderen Artikel, der kürzlich sagte, dass trotz anziehender Konjunktur (oder gerade wegen dieser) die Privatinsolvenzen zugenommen hätten. Das heißt, wir nutzen besonders stark in diesen Zeiten der erholung die Möglichkeit, Konsumgüter "auf Pump" zu kaufen. Die Werbung zeigt uns den bequemen Weg ja auf: "Jetzt kaufen, später zahlen." oder "0%-Finanzierung" usw.
Was ich damit sagen will: Wie nachhaltig ist der Aufschwung wirklich? Wie gut wächst unsere Kaufkraft sprich binnenkonjunktur tatsächlich? ist das mehr Schein als Sein?

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