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08.01.2009

10:42 Uhr

Außenhandel

Keulenschläge für die deutsche Wirtschaft

Die Wirtschaftskrise trifft Deutschlands Unternehmen mit voller Wucht: Die deutschen Exporte sind wegen der weltweiten Wirtschaftskrise so stark eingebrochen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Auch der Auftragseingang brach um minus sechs Prozent ein.

Der Branchenverband BGA rechnet bislang auch im Gesamtjahr 2008 mit einem Plus von rund vier Prozent. Foto: dpa Quelle: dpa

Der Branchenverband BGA rechnet bislang auch im Gesamtjahr 2008 mit einem Plus von rund vier Prozent. Foto: dpa

HB BERLIN. Im November sanken sie kalender- und saisonbereinigt um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. „Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Erhebung 1991“, sagte ein Statistiker der Nachrichtenagentur Reuters. Analysten hatten lediglich ein Minus von 2,8 Prozent erwartet.

Die Unternehmen verkauften Waren im Wert von 77,1 Mrd. Euro ins Ausland. Das waren 11,8 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Ein größeres Minus gab es zuletzt im Oktober 1993 mit 13,3 Prozent. Überdurchschnittlich stark schrumpften die Ausfuhren in andere EU-Länder mit minus 14 Prozent.

Von Januar bis November stiegen die Warenimporte um vier Prozent auf 927,8 Mrd. Euro. Der Branchenverband BGA rechnet bislang auch im Gesamtjahr 2008 mit einem Plus von rund vier Prozent. Für 2009 sagt BGA-Präsident Anton Börner aber einen leichten Umsatzrückgang voraus.

Auch die Aufträge gehen stark zurück: Im November brach der Eingang im Vergleich zum Vormonat um minus sechs Prozent ein. Volkswirte hatten einen weit geringeren Rückgang erwartet. Ohne besonders viele Großaufträge wäre der Einbruch noch heftiger ausgefallen. Im Vergleich zum November 2007 mussten die Konzerne sogar ein Minus von 27,2 Prozent verkraften. Schon im Oktober war der Auftragseingang um 6,3 Prozent gesunken.

Die Inlandsnachfrage ging im November 2008 um 7,6 Prozent, die Bestellungen aus dem Ausland um 4,4 Prozent zurück. Insgesamt bleiben die Aussichten düster. Die Nachfrage im In- und Ausland nehme „auf breiter Front“ ab, berichtete das Ministerium. Deshalb werde die Industrieproduktion in den kommenden Monaten deutlich schrumpfen.

Für die deutsche Wirtschaft mit ihrem hohen Exportanteil hat der globale Abschwung schlimme Folgen. "Investitionsprojekte werden überdacht, und die deutschen Firmen trifft es wegen ihres Produktmixes mit viel Investitionsgütern hart", sagte Sal.-Oppenheim-Ökonomin Kastens. Der private Konsum könne das nicht ausgleichen, es fehle an der Binnennachfrage. Auch die Konjunkturprogramme könnten bestenfalls stabilisieren. Die Daten würden ins Bild der seit September kräftigen Auftragseinbrüche passen. "Das spiegelt sich jetzt in den Exporten wider", sagte sie. Die Zahlen seien "grottenschlecht", der Rückgang ist "ungewöhnlich steil". Sie erwarte daher in den nächsten Wochen weitere schlechten Zahlen. "Vor allem die Eurozone ist betroffen, die Rezession spielt da eine große Rolle", so Kastens.

Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus führt den Einbruch auf die immer schlechter laufende Weltwirtschaft zurück. "Die Nachfrage bricht weg, das bekommen wir jetzt voll zu spüren", sagte er. Das werde zwar nicht in dieser Geschwindigkeit weiter nach unten gehen, so Sartoris. "Aber die Exporte werden weiter schrumpfen, denn eine Trendwende für die Weltwirtschaft ist nicht in Sicht."

Alexander Koch von der Unicredit sprach von "verheerenden Zahlen". Die Nachfrage breche weltweit weg. "Da hilft auch nicht, dass die deutschen Unternehmen eigentlich sehr gut aufgestellt und hoch wettbewerbsfähig sind." Nach Kochs Einschätzung deuten die Daten zudem darauf hin, dass der Außenhandel die Konjunktur im vierten Quartal massiv ausgebremst habe. Daher dürfte es auch bei Konsum und Investitionen ein Minus geben. "Das Bruttoinlandsprodukt könnte deshalb um deutlich mehr als ein Prozent geschrumpft sein", so der Unicredit-Experte.

Auch vor dem Hintergrund der wachsenden Probleme für die deutschen Unternehmen prüft die Große Koalition nun die Errichtung eines Schutzschirms für Firmen in der Wirtschaftskrise. Sowohl von der Union als auch von der SPD werden staatliche Bürgschaften für Unternehmen angepeilt.

„Gute Firmen mit guten Arbeitsplätzen dürfen nicht verloren gehen“, begründet Rüttgers seine Forderung. „Industriekonzerne müssen geschützt werden.“ Finanziert werden solle der Fonds vor allem über die staatliche Förderbank KfW, sagt er. Bei Aktienkäufen sei auch eine Stützung durch die Haushalte der Länder und des Bundes denkbar. Der Fonds dürfe aber nur Unternehmen mit einem funktionierenden Geschäftsmodell unter die Arme greifen

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