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08.08.2012

09:38 Uhr

Außenhandel

Schlechter Monat für deutsche Exporte

Nach einem starken Mai muss der deutsche Außenhandel im Juni einen Rückschlag hinnehmen. Analysten hatten den Rückgang der Exporte erwartet. Und rechnen trotzdem in diesem Jahr mit einem Wachstum der Exportwirtschaft.

Schlechter Monat für deutsche Exporte. dapd

Schlechter Monat für deutsche Exporte.

BerlinDie deutsche Exportwirtschaft hat im Juni einen Rückschlag erlitten. Nach einem starken Mai sanken die Ausfuhren im Monatsvergleich kalender- und saisonbereinigt um 1,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden nach vorläufigen Daten mitteilte. Experten hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, ihn aber geringer veranschlagt. Die Einfuhren gaben mit 3,0 Prozent noch kräftiger nach. Im Mai waren Exporte und Importe noch deutlich gestiegen.

Im Jahresvergleich legten die Ausfuhren im Juni um 7,4 Prozent und die Einfuhren um 1,5 Prozent zu. Während die Exporte in die Eurozone um 3,0 Prozent sanken, zogen sie in Drittländer kräftig um 19,8 Prozent an.

Im ersten Halbjahr stiegen die Ausfuhren um 4,8 Prozent auf 550,4 Milliarden Euro. Trotz der Delle im Juni bleiben die deutschen Exportunternehmen weiter auf Rekordkurs - auch wenn das Wachstum weniger stark ausfallen dürfte als zu Jahresbeginn erwartet.

Der Außenhandelsverbands BGA rechnet für 2012 insgesamt mit einem Plus von gut vier Prozent gegenüber dem vergangenen Rekordjahr. „Das wäre ein gutes Ergebnis angesichts der hohen Basis des Vorjahres“, sagte BGA- Präsident Anton Börner der „Südwest Presse“. Zu Jahresbeginn hatte der Außenhandelsverband allerdings noch ein Exportplus von sechs Prozent erwartet.

Kommentar: Kein Ende des deutschen Exportwunders

Kommentar

Kein Ende des deutschen Exportwunders

Der deutsche Außenhandel schwächelt, weil die Euro-Länder um uns herum schwächeln. De facto wachsen die Ausfuhren aber noch immer beträchtlich. Einzig eine schwächelnde Weltwirtschaft könnte dem Export etwas anhaben.

Analysten sagten zu den Daten in ersten Reaktionen: "Für die deutschen Exporteure endete das volatile zweite Quartal mit einem deutlichen Rückgang der Ausfuhren. Im Durchschnitt konnte zwar ein Anstieg von rund 1,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal erzielt werden. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass dies einzig und allein dem starken Mai-Wert zu verdanken war. Das zweite Quartal bekommt durch den Außenhandel dennoch einen Schub, auch weil die Importe so stark rückläufig waren", sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank.

Wie Deutschland für den Abschwung gerüstet ist

Staatshaushalt

Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit seinem Staatshaushalt gut da. Auf Pump finanzierte Konjunkturprogramme lehnt die Bundesregierung ab. Nach dem aktuellen deutschen EU-Stabilitätsprogramm kommt der Gesamtstaat aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen schon in zwei Jahren ohne neue Schulden am Finanzmarkt aus. Schon 2011 hatte das Defizit nur noch bei einem Prozent gelegen. Auch strukturell - also unabhängig vom Auf und Ab der Konjunktur - schließt sich die Lücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben.
Damit einher geht, dass der in Jahrzehnten angehäufte Schuldenberg allmählich an Bedeutung verliert: Die Schuldenstandsquote soll von 82 Prozent des BIP 2012 auf 73 Prozent in 2016 zurückgehen. Fazit: Der Staat ist weit davon entfernt, wegen eines moderaten Abschwungs in die Knie zu gehen.



Sozialkassen

Die mit dem Aufschwung der vergangenen Jahre einhergegangene Rekordbeschäftigung hat die Lage der Sozialkassen erheblich entspannt. So erwartet die Bundesagentur für Arbeit (BA) dieses Jahr einen Überschuss von 1,3 Milliarden Euro. Allerdings warnen die Arbeitgeber bereits, bei einer Konjunkturabkühlung könnte die BA schnell wieder auf Zuschüsse des Bundes angewiesen sein. Rosiger schätzt das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel die Aussichten für die BA ein: Es erwartet 2012 einen Überschuss von fast drei Milliarden Euro.
Alle Sozialkassen zusammen - also Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung - könnten dem IfW zufolge in diesem Jahr auf einen Überschuss von 15 Milliarden Euro kommen. Damit hätten sie zumindest ein kleines Polster für den Abschwung.

Unternehmen

Noch sind die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt. Wie schnell die im Aufschwung angelegten Puffer aber schmelzen können, hat die Finanzkrise 2008/09 gezeigt. Auch ihr ging ein jahrelanger Aufschwung voraus, der in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit mündete. Und dennoch: Nie hatten so viele Deutsche einen Job wie jetzt. Viele Unternehmen werden selbst bei einem Konjunktureinbruch versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten. Denn Fachkräfte sind in Deutschland rar.
Auch der Bauboom dürfte die Wirtschaft selbst bei einem plötzlichen Konjunktureinbruch noch eine Weile stützen. Im ersten Quartal zog die Bauindustrie 12,5 Prozent mehr Aufträge an Land als ein Jahr zuvor. Bis die abgearbeitet werden können, vergehen Monate und Jahre, und bis dahin kann sich die Wirtschaft schon wieder erholt haben.

Politik

Paradoxerweise ist es von Vorteil, dass der jüngste scharfe Konjunktureinbruch nur drei Jahre zurückliegt: Die Erfahrung der handelnden Politiker ist frisch, und sie können auf Konzepte wie die Kurzarbeit zurückgreifen, die sich damals bewährt haben. Allerdings hat mit dem Aufschwung 2010/11 der Reformwille in der Politik nachgelassen. Dabei gäbe es noch immer genug zu tun, um den Standort fitzumachen für den demografischen Wandel und künftige Flauten. So bemängelt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), höhere Beiträge zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung hätten die Arbeitskosten 2011 erhöht. Unter den OECD-Ländern wird nur in Belgien der Faktor Arbeit noch stärker belastet.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.08.2012, 09:59 Uhr

"schlechter Monat", bei einer deutlichen Steigerung zum absoluten Rekordjahr 2011. Was soll so ein Geschmiere ?

Account gelöscht!

08.08.2012, 10:34 Uhr

Es muss eben immer mehr werden oder? Sorry wie krank ist das bitte? Wo soll denn das IMMER MEHR hinführen? Detschland exportiert schon wie ein Weltmeister...also was soll das, wenns mal nicht auf Rekordhoch läuft?

Übrigens: Ja es läuft auch mal schlechter wenn man gewissen Ländern nicht erst die Kohle schickt damit sie unseren Dreck auf Pump importieren können, während der Deutsche sich die eigenen Produkte nicht mehr leisten kann und z.B. Japaner fährt ;)

Logos21

08.08.2012, 10:41 Uhr

erstens ist August Sommerpause immer weniger los ,
zweitens

anstatt den Amis in den A zu kriechen
sollte man sich vielleicht endlich mehr um unsere Nachbarn im Osten bemühen,
denn die liefern uns das Gas,
nicht der Ami .
Der Ami liefert uns nur die Finanzblase,die NWO und Bilderberger.

Sehr interessant dazu Putins Rede vor den Diplomaten vom 09.july 2012

http://www.youtube.com/watch?v=dnHjw5cOUkE

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