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31.12.2012

13:08 Uhr

BA-Chef Weise im Interview

„Effekt der Hartz-Reformen ist aufgebraucht“

Die Umsetzung der Hartz-Reform geschah unter seiner Federführung. Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise spricht im Interview über Zukunftsstrategien, seine Erwartungen an Arbeitslose und womit er unzufrieden ist.

Frank-Juergen Weise, Leiter der Bundesagentur für Arbeit. ap

Frank-Juergen Weise, Leiter der Bundesagentur für Arbeit.

Herr Weise, der Jobaufschwung ist zum Stillstand gekommen, die Effekte der Hartz-Reformen scheinen aufgebraucht zu sein. Brauchen wir eine neue Hartz-Reform, um die Zahl der Arbeitslosen weiter zu senken? Oder welche anderen Ansatzpunkte sehen Sie?
Weise: „Ich glaube auch, dass der Effekt der Hartz-Reformen aufgebraucht ist - zumindest in dem Sinne, dass wir Menschen, die gute Vermittlungschancen haben, in Arbeit gebracht haben. Eine neue Hartz-Reform brauchen wir trotzdem nicht: Ich würde führungstechnisch nicht empfehlen, in schwierigen Zeiten die Richtung zu ändern. Das ist aus meiner Sicht auch gar nicht erforderlich.“

Können Sie das näher erläutern?
„Wir haben - auch dank der größeren Ermessensspielräume - heute ein großes Angebot an aktiver Arbeitsmarktpolitik, um Arbeitslose mit geringeren Vermittlungschancen auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Wir brauchen vielleicht ein paar kleinere Anpassungen, aber eine große Systemänderung: Nein.“

Was muss also in ihren Augen geschehen, um mit dem bereits vorhandenen Instrumentarium die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Jahren weiter zu senken?
„Dazu müssen alle Beteiligten in dem System ihren Beitrag leisten: Jeder einzelne Arbeitslose, jeder Unternehmer und zu allererst die Arbeitsagenturen.“

Was müssen die Arbeitsagenturen und Jobcenter ihrer Ansicht nach künftig denn anders machen?
„Wir müssen die ungleiche Leistungsfähigkeit der Agenturen und der Jobcenter ändern. Wir haben bei der Bundesagentur ein System, mit dem sich Arbeitsagenturen mit ähnlicher Arbeitslosenstruktur vergleichen lassen. Und da sehe ich: Wir haben nicht akzeptable Unterschiede. Die einen haben eine hohe Integration (von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt), weniger Ausgaben pro Kopf und eine kürzere Durchschnitts-Arbeitslosigkeit - und dann gibt es am anderen Ende Welche, die schneiden schlechter ab. Aber ich weiß: Wir können es besser machen.“

Kommentare (7)

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APO-Man

31.12.2012, 14:28 Uhr

Eine Maßnahme der Agentur zur Qualitätsverbesserung bei der Vermittlung Arbeitssuchender: Die Einführung einer zertifizierung für private Personalvermittler. Kostet den vermittler mehrere Tausend Euro, wenn er weiterhin Kandidaten auf der Basis des von der Argentur für Arbeit ausgegebenen Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheins vermitteln möchte. Bisher wurden noch keine Zahlen kommuniziert, wieviele Vermittler sich dieser Zertifizierung unterzogen haben.
Folgendes Szenario ist wohl wahrscheinlich: Große Vermittlungsunternehmen/Bildungsträger teilen sich den Kuchen. Und die Vermittlungsrate per Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein sinkt. Ob aber die Qualitt der Vermittler steigt ist fraglich. Denn zertifiziert sein ist das Eine, sich nach den Vorschriften der zertifizierung zu richten das andere.
Ja, ja, es gibt so viele und schöne Verordnungen und Gesetze in Deutschland ;-)

Schroeder

31.12.2012, 14:37 Uhr

Die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Jahren
wird automatisch über die Demographie sinken, hierzu braucht es keine BA.
Wir brauchen zunächst eine große Strukturreform bei der Arbeitsverwaltung selber.
Zu viele Dienststellen sowie zu viel Personal kosten Effizienz und passen nicht mehr in die heutige Zeit.Beide Faktoren könnten in der Größenordnung von 50 % reduziert werden.

Lexi

31.12.2012, 15:04 Uhr

Wo leben die Schmarotzer von der BA eigentlich? In Deutschland sicherlich nicht. Wer sich in D auf eine Stelle bewirbt für die er überqualifiziert ist, kommen bestenfalls blöde Sprüche - wenn die Bewerbung überhaupt beantwortet wird. So viel zu dem Märchen "Qualifizierte haben nun mal bessere Arbeitsmarktchancen". Genau das Gegenteil ist Fakt.

Wir brauchen ein paar deutliche und wichtige Änderungen in der Arbeitsmarktpolitik:
1. Verbot jeglicher privater Arbeitsvermittlung.
2. JEDE zu besetzende Stelle MUSS vorher öffentlich ausgeschrieben werden.
3. Es gilt ein strikter Inländervorrang.
4. Wenn sich ein Unternehmen weigert jemanden einzustellen, weil die Anforderungen überrissen sind (was in mindestens 120% aller Stellenanzeigen der Fall ist), zahlt es eine Strafe von mindestens einem Jahresgehalt des Geschäftsführers und stellt drei Jahre lang niemanden mehr ein. Wer angeblich keine qualifizierten Leute findet, der qualifiziert sich welche. Basta.
5. Die BA dient den Arbeitssuchenden und ist nicht mehr der Affe der Unternehmen, indem sie kostenlos das gesamte Recruiting übernimmt.
6. Die Lügen müssen aufhören. Fakt ist: Wir haben 10 (in Worten: zehn) Millionen Arbeitslose in Deutschland. Fakt ist: Es gibt keinen Fachkräftemangel, besonders nicht bei Ingenieuren. Deshalb ist Einwanderung keine Lösung, sondern ein Problem.

Auch die BA ist ein Instrument, um soziale Unruhen in D bewusst zu schüren. Das weiß der Oberschmarotzer von denen sehr gut.

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