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04.01.2010

09:46 Uhr

Bankenkredite

Geldmenge M3 sinkt erstmals seit Euro-Start

VonNorbert Häring

Erstmals seit Beginn der Währungsunion 1999 ist die Geldmenge M3 im Euro-Raum unter das Vorjahresniveau gefallen. Sie sank im November um 0,2 Prozent, nachdem sie im Vormonat noch geringfügig über Vorjahr gelegen hatte. Auch die Kredite der Banken an Unternehmen im Euro-Raum schrumpfen immer schneller.

Die Geldmenge im Euroraum schrumpft. Auch bei Krediten zeigen sich Banken nach wie vor zurückhaltend. Quelle: ap

Die Geldmenge im Euroraum schrumpft. Auch bei Krediten zeigen sich Banken nach wie vor zurückhaltend.

FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat von der Bundesbank ein besonderes Augenmerk auf diese Geldmengengröße übernommen, die vor allem Bargeld, Sichteinlagen, kürzerfristige Spareinlagen und Geldmarktfondsanteile umfasst. Eine schwache Geldmengenentwicklung würde nach der traditionellen Sichtweise Zinssenkungsbedarf anzeigen.

Schwenk zu Krediten

In den letzten Jahren hat die EZB die Geldmenge in den Hintergrund gerückt und ihr Augenmerk stärker der Kreditvergabe gewidmet. Auch hier zeigen die von der EZB am Mittwoch veröffentlichten Zahlen eine sehr schwache Entwicklung. Das Volumen der ausstehenden Kredite an den privaten Sektor lag um 0,7 Prozent unter Vorjahresniveau. Bereinigt um die Auswirkungen einer verringerten Verbriefung von Krediten ergab sich noch ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent.

Besonders stark war die Kreditvergabe an Unternehmen rückläufig. Sie sank auf minus 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nach minus 1,2 Prozent im Oktober. Dagegen drehte das Volumen der Kredite an Haushalte leicht ins Plus.

„Inflationsdruck ist über die Geldmengenseite nach wie vor nicht erkennbar. Die EZB dürfte daher die Leitzinsen vorerst auf dem Rekordtief belassen“, kommentierte Fabienne Riefer von Postbank Research die Daten. Sie rechnet mit einer ersten Zinserhöhung erst für das vierte Quartal 2010.

Streit um Ursachen

Während Unternehmen und Unternehmensverbände im Euro-Raum regelmäßig beklagen, dass eine übermäßige Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe den Aufschwung gefährde, nehmen EZB und Bundesbank die Banken in Schutz. Sie führen die schwache Kreditentwicklung überwiegend auf mangelnde Kreditnachfrage zurück. Trotzdem haben aber sowohl EZB-Chef Jean-Claude Trichet als auch Bundesbankpräsident Axel Weber die Banken wiederholt und nachdrücklich aufgefordert, die erhaltenen Hilfen zu nutzen, um Kredite zu vergeben und dafür lieber weniger Boni und Dividenden auszuschütten.

Kommentare (1)

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ZeroCool

07.01.2010, 13:50 Uhr

ich sehe, dass dieser beitrag noch nicht kommentiert wurde, dabei ist es möglicherweise der Anfang eines langen Leidenswegs der banken und Wirtschaft in eine weitere deflationäre Phase stoßen könnte. Das Absinken der Gesamtgeldmenge passt nicht zum inflationären Anschein der vielzitierten Gelddruckmaschinen (auch in der Eurozone).

Sinkende Gesamtgeldmengen (deren Publikation in USA seit Jahren abgeschafft wurden) deuten möglichwerwiese einen aufziehenden neuen Crash im bereich der Eurozone an, der im Abzug von Liquidität zur bedienung von Verbindlichkeiten an Fahrt gewinnen könnte. in der Folge würde sich die Kreditklemme weiter verschärfen und mögliche Zahlungsausfälle durch Liquditätsmangel könnten Ansteigen.

Das wiederum mündet in dem Kreislauf, den die Zentralbanken der Welt mit ihren Kreditgeldschwemmen vermeiden wollten: Eine deflationäre Abwärtsspirale. Da nun auch Staaten langsam aber sicher ihre Schuldengrenzen erreichen wird es interessant, wer das nächste Schuldenroulette inszenieren wird. Denn Geld entsteht bekanntlich ausschließlich aus Schulden, nur wenn die alten zurückgezahlten Schulden bereits gehortet sind, aktuelle Schulden nicht mehr beglichen werden können und neue Schulden unmöglich aufzunehmen sind, dann ist das Gummiband der Geldschöpfung und Kreditausweitung so weit gedehnt, dass es nur noch eine Richtung kennen kann!

Um als Schwarzmaler noch einen draufzusetzen möchte ich nochmals die mögliche Zahlungsunfähigkeit eines EU-Landes oder eines anderen wichtigen Landes außerhalb der EU mit oben drauf setzen. Wenn dieser Fall zusätzlich eintritt wird der kommende Abtieg in keiner "geordneten" deflationären Spirale sondern eher in einer steilen Linie stattfinden.

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