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15.01.2009

07:17 Uhr

„Beige Book“

Fed: Situation in USA weiter verschlimmert

Die Wirtschaftskrise in den USA findet kein Ende. Der „Beige Book“ genannte Konjunkturbericht der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist mehr als eindeutig. Vor allem das schlechte Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel hat die Lage noch verschlimmert.

Nach Ansicht von Fed-Chef Ben Bernanke könnte gegen Ende 2009 die von Regierung und Notenbank getroffenen Maßnahmen zur Stützung der Kreditmärkte auch zu einer Stabilisierung der übrigen Wirtschaft führen. Foto: Reuters Reuters

Nach Ansicht von Fed-Chef Ben Bernanke könnte gegen Ende 2009 die von Regierung und Notenbank getroffenen Maßnahmen zur Stützung der Kreditmärkte auch zu einer Stabilisierung der übrigen Wirtschaft führen. Foto: Reuters

HB WASHINGTON. Die US-Wirtschaft hat nach Einschätzung der US-Notenbank Federal Reserve ihre Talfahrt fortgesetzt. Die Wirtschaftsleistung über den Jahreswechsel in den meisten Bezirken habe nochmals nachgelassen, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht „Beige Book“ der Fed. Die Lage am Arbeitsmarkt habe sich weiter verschlechtert und die Hausbau-Aktivitäten seien weiter rückläufig. Darüber hinaus gebe es bei der Kreditvergabe keine Besserung sondern zum Teil sogar nochmals erschwerte Bedingungen. Der Bericht beruht auf Daten, die vor dem 5. Januar in den zwölf Fed-Bezirken eingingen. Er legt nahe, dass weitere Maßnahmen der Notenbank erforderlich sind, um den Kreditkreislauf wieder in Gang zu bringen.

„Die Wirtschaft ist in einem schrecklichen Zustand, und der Finanzmarkt ist weiter fürchterlich“, kommentierte der Volkswirt David Wyss von Standard & Poor's das Beige Book.

Die USA stecken nach dem Platzen einer Immobilienblase bereits über einem Jahr in der Rezession. Die Krise hat weite Teile der Wirtschaft fest im Griff: Die Geschäfte der US-Industrie sind im Dezember so stark geschrumpft wie seit 28 Jahren nicht mehr. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht, denn die Neuaufträge schrumpfen so stark wie nie zuvor. Auch der Einzelhandel bekommt die Kaufzurückhaltung zu spüren: Er erlöste im Weihnachtsgeschäft 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Vor Veröffentlichung des „Beige Book“ hatte sich schon der Fed-Banker Charles Plosser skeptisch geäußert. „Die jetzige Rezession könnte einer der längsten der Nachkriegsgeschichte werden“, warnte der Notenbanker. Mit einer Besserung der Lage sei aber in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen.

Auch Fed-Chef Ben Bernanke setzt auf eine Umkehr des Abwärtstrends. Gegen Ende 2009 könnten nach seiner Ansicht die von Regierung und Notenbank getroffenen Maßnahmen zur Stützung der Kreditmärkte auch zu einer Stabilisierung der übrigen Wirtschaft führen. Hoffnungen setzt er dabei auch auf die milliardenschweren Konjunkturprogramme der Regierungen in aller Welt – insbesondere auf das des künftigen US-Präsidenten Barack Obama, der kommende Woche sein Amt antritt.

Die Fed hatte den Leitzins im Kampf gegen die Rezession zuletzt auf faktisch null Prozent gesenkt. Sie versucht, die Konjunktur nun auf anderen Wegen zu stimulieren und kauft dabei unter anderem in großem Stil Wertpapiere auf, um auf diese Weise weitere Liquidität in das Finanzsystem zu pumpen.

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