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02.09.2015

21:07 Uhr

„Beige Book“

US-Wirtschaft expandiert laut Fed-Bericht weiter

Der Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed sieht die Wirtschaft im Lande weiter auf Expansionskurs - die China-Krise beeinflusse die Unternehmen bisher wenig. Ob die Zinswende im September kommt, bleibt dennoch offen.

Das Gebäude der US-Notenbank in Washington: Der aktuelle Fed-Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, sieht die amerikanische Wirtschaft weiter auf Expansionskurs. Reuters

Federal Reserve in Washington

Das Gebäude der US-Notenbank in Washington: Der aktuelle Fed-Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, sieht die amerikanische Wirtschaft weiter auf Expansionskurs.

WashingtonDie US-Wirtschaft ist nach Einschätzung der US-Notenbank Federal Reserve von Juli bis Mitte August auf Expansionskurs geblieben. In einigen Branchen habe es für Beschäftigte leichte Lohnsteigerungen geben, erklärte die Fed am Mittwoch in ihrem Konjunkturbericht - im Fachjargon „Beige Book“ genannt.

In den meisten Bezirken sei die Nachfrage nach Arbeitskräften moderat gestiegen. Auch die Berichte über das Verarbeitende Gewerbe seien überwiegend positiv gewesen. Einige von der regionalen Fed-Bank in Boston befragte Unternehmen hätten jedoch geklagt, dass die Konjunkturabkühlung in China ihre Geschäfte belaste. Die Auswirkungen seien jedoch bislang gering. Betroffen seien das Verarbeitende Gewerbe, IT-Produkte und IT-Dienstleistungen.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Nach einem Durchhänger im Winter war die US-Wirtschaft im Frühjahr mit aufs Jahr hochgerechnet 3,2 Prozent wieder kräftig gewachsen. Notenbank-Chefin Janet Yellen hat angekündigt, die Zinswende in diesem Jahr zu starten. Der genaue Zeitpunkt einer ersten Anhebung ist aber noch offen. Zuletzt waren angesichts der Turbulenzen an den Börsen Chinas Zweifel aufgekommen, dass die Fed bereits im September handeln wird.

Eine Zinserhöhung in diesem Monat ist jedoch noch nicht vom Tisch, wie Fed-Vizechef Stanley Fischer jüngst deutlich machte. Fed-Führungsmitglied Eric Rosengren erklärte allerdings, aus ökonomischer Sicht mache es wenig Unterschied, ob die Zinswende nun einige Monate früher oder später komme. Die Fed hält die Zinsen seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent.

Von

rtr

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