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09.01.2006

08:26 Uhr

Beschäftigungsanstieg

Bush profitiert kaum von Arbeitsmarktdaten

VonTorsten Riecke

Rund zwei Millionen neue Jobs sind im Jahr 2005 in den USA entstanden. Doch die gute Nachricht reicht nicht aus, um das angekratzte Image des Präsidenten aufzupolieren.

Der Präsident erhält schlechte Noten für seine Wirtschaftspolitik, obwohl die US-Wirtschaft nun schon zehn Quartale hintereinander um mehr als drei Prozent wächst. Foto: dpa. dpa

Der Präsident erhält schlechte Noten für seine Wirtschaftspolitik, obwohl die US-Wirtschaft nun schon zehn Quartale hintereinander um mehr als drei Prozent wächst. Foto: dpa.

NEW YORK. Der Beschäftigungsanstieg in den USA hat im Dezember etwas nachgelassen, der Arbeitsmarkt scheint jedoch weiterhin in einer soliden Verfassung zu sein. Außerhalb der Landwirtschaft wurden im vergangenen Monat 108 000 neue Jobs geschaffen - nur halb so viele, wie Ökonomen erwartet hatten. Zugleich korrigierte das US-Arbeitsministerium jedoch die Zahlen für November kräftig nach oben, so dass es letztlich in beiden Monaten zusammen einen Anstieg um 400 000 Stellen gab. Unter dem Strich blieb für 2005 ein dickes Plus von mehr als zwei Millionen neuen Arbeitsplätzen übrig. Die Arbeitslosenquote ging im Dezember weiter zurück auf jetzt 4,9 Prozent.

Die Regierung von US-Präsident George W. Bush nahm die positive Bilanz zum Anlass, um damit ihr lädiertes Image im Land aufzupolieren. "Die amerikanische Wirtschaft fährt mit voller Kraft voraus in das Jahr 2006", sagte der Präsident in Chicago und forderte den Kongress auf, die von ihm eingeleiteten Steuersenkungen dauerhaft zu verankern. Insgesamt 23 weitere Mitglieder seiner Administration schwärmten aus, um die Botschaft unter die Leute zu bringen. Bush versucht auf diese Weise, seine schlechten Umfragewerte von zuletzt nur noch etwa 40 Prozent wieder nach oben zu hieven.

Der Präsident erhält schlechte Noten für seine Wirtschaftspolitik, obwohl die US-Wirtschaft nun schon zehn Quartale hintereinander um mehr als drei Prozent wächst. "Die Statistiken haben die öffentliche Meinung kaum beeinflusst", sagte Greg Valliere, Polit-Stratege bei der Stanford Research Group in Washington.

Die Opposition glaubt, die Antwort auf das Rätsel zu kennen: "Die amerikanische Mittelklasse wird ausgequetscht", sagte der demokratische Senator Charles Schumer aus New York. Er wies auf den starken Anstieg bei Studiengebühren, Benzin- und Heizkosten sowie den Ausgaben für Medikamente und Ärzte hin.

Ökonomen und Aktienmärkte reagierten unterschiedlich auf die neuen Arbeitsmarktzahlen. An den Finanzmärkten überwog die Ansicht, dass das schwächere Jobwachstum die US-Notenbank bestärken werde, bald eine Zinspause einzulegen. Der Aktienmarkt in New York zog kräftig an, der Dollar verlor an Boden und auf den Terminmärkten für Zinskontrakte sank die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im März auf 42 Prozent. Der nächste Zinsschritt Ende Januar auf 4,5 Prozent bleibt aber fest eingepreist.

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