Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2008

18:01 Uhr

Beschäftigungsaussichten aber nicht in allen Branchen positiv

Dienstleister bleiben optimistisch

Die deutschen Servicebranchen mit hohem Qualifikationsniveau sind mit unterschiedlichen Erwartungen ins neue Jahr gegangen. Dienstleister des Bereichs Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) waren Ende 2007 für das erste Quartal 2008 zuversichtlicher als die so genannten wissensintensiven Dienstleister, zu denen neben Steuerberatern auch Architekten und die Werbung sowie Forschung gehören.

ari DÜSSELDORF. Die Personalplanungen der IKT-Dienstleister lassen für das erste Quartal trotz positiver Nachfrageerwartungen keine Besserung erwarten. Demgegenüber ist insbesondere bei Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatern – offenbar wegen der zu Jahresbeginn wirksam gewordenen Unternehmensteuerreform - die Bereitschaft und vermutlich auch die Notwendigkeit enorm groß, mehr Personal einzustellen.

Nach der vierteljährlichen Konjunkturumfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wollen 58,5 Prozent der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen zusätzliche Stellen schaffen und nur 3,7 Prozent ihre Mitarbeiterzahl reduzieren. Bei den Unternehmensberatern sind es 46,6 gegenüber 4,5 Prozent. Auch das Ifo-Institut berichtete nach der Dezember-Umfrage für das Dienstleistungsgeschäftsklima, dass im Bereich Unternehmens-, Steuer- und Rechtsberatung die Zahl der Beschäftigten nochmals vergrößert werden solle. Dies hängt eng mit den Nachfrageerwartungen ab.

Nach der ZEW-Umfrage erwartet etwas mehr als die Hälfte der Unternehmensberater eine steigende Nachfrage, bei den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern sind es 33,3 Prozent. Wie bei der Personalplanung liegt der Anteil der Unternehmen, die eine negative Nachfrageentwicklung erwarten, im kleinen einstelligen Bereich.

Besonders ungünstig bewerten die vom ZEW befragten Architekturbüros ihre Aussichten. Nur 16,7 Prozent rechnen mit einer steigenden Nachfrage, mehr als doppelt so viel, nämlich 36,3 Prozent, dagegen mit sinkenden Aufträgen. Das schlägt sich auch in der Personalplanung nieder: 22,9 Prozent der Architekturbüros gehen von einer sinkenden Beschäftigung, nur rund acht Prozent von einer steigenden aus.

Gemeinsam ist den IKT- und wissensintensiven Dienstleistern, dass sie trotz aller Unterschiede über die verschiedenen Service-Branchen hinweg in den ersten drei Monaten dieses Jahres eine positive Geschäftsentwicklung erwarten. Sie haben sich damit zum Zeitpunkt der Umfrage im November und Dezember 2007 offenbar nur wenig von den Befürchtungen einer stärkeren Konjunkturabschwächung in Folge der Immobilienkrise in den USA und den davon ausgelösten Finanzmarktturbulenzen beeindrucken lassen.

Der vom ZEW berechnete Teilindikator für die Geschäftserwartungen der Dienstleister der Informationsgesellschaft – er war im dritten Quartal noch um sechs Punkte abgesackt - sank im vierten Quartal lediglich um 1,1 auf 61 Punkte. Er liegt damit weiterhin klar über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, wenn auch nicht mehr so deutlich wie in der ersten Jahreshälfte. Der Teilindikator für die aktuelle Lage stieg im vierten Quartal sogar um 1,7 auf 62,4 Punkte an. Das bedeutet, dass sich Nachfrage und Umsatz bei den vom ZEW befragten Dienstleistern im Branchendurchschnitt im Schlussquartal besser entwickelt haben als im dritten Quartal. Der Lage und Erwartungen berücksichtigende Stimmungsindikator ZEW-IDI konnte deshalb sogar leicht um 0,2 auf 61,6 Punkte steigen.

In dem weiter gefassten Dienstleistungssektor, wie er vom britischen Forschungsinstitut NTC für den Einkaufsmanagerindex der Royal Bank of Scotland (RBS) befragt wird, war das Wachstum zum Jahresende dagegen so niedrig wie seit 34 Monaten nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex war von 53,1 Punkten im November auf 51,2 Punkte im Dezember gesunken, was nach Ansicht der RBS „nahezu Stagnation“ widerspiegelt.

Wie beim ZEW-IDI beginnt auch beim RBS-Index der Wachstumsbereich oberhalb der Schwelle von 50 Punkten. Bei den vom Ifo-Institut befragten rund 2000 Dienstleistungsunternehmen ohne Handel, Kreditgewerbe, Leasing, Versicherungen und Staat waren die Urteile zur aktuellen Lage im Dezember schlechter als im November, die Erwartungen für die Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten hingegen deutlich besser als in den beiden Vormonaten. Das Ifo-Geschäftsklima im Dienstleistungssektor unterliegt aus methodischen Gründen aber noch nicht der Saisonbereinigung. Eine Vergleich mit den Indikatoren vom ZEW und von NTC ist damit nicht möglich.

Für die Konjunkturumfrage des ZEW in Zusammenarbeit mit dem Verband der Vereine Creditreform werden vierteljährlich rund 1000 Dienstleiter der so genannten Informations gesellschaft befragt. Sie werden vom ZEW in zwei Gruppen eingeteilt. Zu den IKT-Dienstleistern gehören danach Softwareunternehmen, IT-Dienste, IKT-Handel und Telekommunikationsdienstleister. Zu den wissensintensiven Diensten zählt das ZEW die Service-Branchen Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Architekturbüros, technische Beratung und Planung, Forschung und Entwicklung sowie Werbung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×