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10.09.2012

12:10 Uhr

Betriebswirte bekämpfen Forschungsranking

„Deutschland sucht den Super-Prof“

VonOlaf Storbeck

Mit seinem neuen BWL-Ranking sorgte das Handelsblatt für Wirbel: Über 300 Wissenschaftler wollten die Veröffentlichung der Ergebnisse verhindern. Die Folge: Eine Debatte über Transparenz und Bedeutung von Forschung.

Nils Boysen (39) ist Professor an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Jörg Gläscher für Handelsblatt

Nils Boysen (39) ist Professor an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

LondonNils Boysen ist in diesem Jahr beim BWL-Ranking der forschungsstärksten deutschsprachigen Ökonomen unter 40 Jahren vom sechsten auf den ersten Platz geklettert - doch so richtig freuen kann sich der Professor an der Universität Jena darüber nicht: „Mir ist diese Top-Platzierung ein wenig unangenehm", sagt der Experte für Operations Research. So unangenehm, dass er zwischenzeitlich erwogen habe, das umstrittene Ranking zu boykottieren. Am Ende habe er sich dagegen entschieden - trotz einiger berechtigter Kritik habe das Ranking viel frischen Wind in die Forschung gebracht. Damit bringt Boysen den Streit auf den Punkt, der derzeit einen Teil der deutschen Betriebswirte auf die Barrikaden treibt.

Seit sieben Jahren veröffentlicht das Handelsblatt Forschungsrankings für Wirtschaftswissenschaftler. Aber keines hat im Vorfeld auch nur annähernd solche Wellen geschlagen wie die neue Rangliste zur Betriebswirtschaftslehre (BWL).

Für Alfred Kieser von der Zeppelin Universität Friedrichshafen und Margit Osterloh von der Universität Zürich befindet sich das Ranking intellektuell in einer Liga mit Fernsehsendungen wie "Deutschland sucht den Superstar". Die Handelsblatt-Initiative schade der Wissenschaft, warnen Kieser und Osterloh in einem offenen Brief. (Die wichtigsten Argumente und eine Erwiderung darauf sind hier verfügbar.)

Gastbeitrag : Frische Brise des  Rankings wird zum zerstörerischen Taifun

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Die Professoren Alfred Kieser und Margit Osterloh vergleichen das BWL-Ranking des Handelsblatts mit dem Niveau von „Deutschland sucht den Superstar“. In einem Gastbeitrag erklären sie die Gründe.

Um die Veröffentlichung der Ergebnisse zu verhindern, haben sie zu einem Boykott aufgerufen. 339 Wissenschaftler wollen nicht im Ranking genannt werden - rund elf Prozent aller in der Datenbank erfassten Betriebswirte.

Viele Fachkollegen und Beobachter reagieren darauf mit Kopfschütteln. "Ich halte dieses Ranking für gut, weil es für Transparenz sorgt", sagt Jörg Rocholl, Präsident der Berliner Business School ESMT. "Methodische Mängel kann ich nicht erkennen, das Ranking folgt anerkannten internationalen Standards."

Udo Steffens: „Wissenschaftler sind es nicht gewohnt evaluiert zu werden“

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Viele deutsche BWL-Professoren haben das Handelsblatt Ranking boykottiert. Im Handelsblatt-Interview erklärt BWL-Professor Udo Steffens, warum so viele Professoren sich geweigert haben am Ranking teilzunehmen.

Forschung sei eine zentrale Aufgabe von Professoren, betont auch Dirk Simons, an der Uni Mannheimer BWL-Fakultät Prodekan für Forschung. "Es ist gut, dass es mit dem Handelsblatt-Ranking ein Instrument gibt, dass die Aufmerksamkeit darauf lenkt."

Die Handelsblatt-Rangliste BWL orientiert sich an international üblichen Kriterien zur Evaluation wirtschaftswissenschaftlicher Forschung. Maßgebend sind die Veröffentlichungen in rund 1 000 internationalen Fachzeitschriften mit Gutachter-Prozess, deren unterschiedliche wissenschaftliche Qualität berücksichtigt wird. (Hier eine detaillierte Beschreibung der Methodik der Journalliste.)

Die Auswirkungen des Boykotts sind überschaubar. Nur 23 der 339 Verweigerer wären in den Personenranglisten genannt worden, die anderen haben nicht genug relevante Publikationen.

Die Wissenschaftler Michael Berlemann (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg) und Justus Haucap (Uni Düsseldorf) haben im Detail analysiert, wer das Ranking boykottiert. Der Streit entpuppt sich dabei auch als Generationskonflikt: Je länger ein Professor im Dienst ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er das Ranking ablehnt. "Das akademische Alter erhöht die Austrittswahrscheinlichkeit hoch signifikant", so Haucap.

Kommentare (20)

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Alfred_Neumann

10.09.2012, 11:18 Uhr

Und unser Professor Un-Sinn, welchen Platz belegt er ?

JanHaeussler

10.09.2012, 11:44 Uhr

Der ist Volkswirt

Account gelöscht!

10.09.2012, 11:56 Uhr

Betriebswirtschaft und Forschung?
Das ist doch keine Wissenschaft, die paar Regeln üben... das hatte ich als 'Nebenfach' belegt.

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