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06.09.2015

16:14 Uhr

BGA-Präsident Börner

“Mein Schreckensszenario ist, dass die Europäische Union auseinanderfällt“

Handelspräsident Anton Börner fürchtet eine Europa-Krise mehr als China. “Mein Schreckensszenario ist, dass die Europäische Union auseinanderfällt“, sagte der BGA-Präsident. Die Krise in China bewertet Börner gelassener.

Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA): „Mein Schreckensszenario ist, dass die Europäische Union auseinanderfällt.“ dpa

Anton Börner

Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA): „Mein Schreckensszenario ist, dass die Europäische Union auseinanderfällt.“

FrankfurtHandelsverbandspräsident Anton Börner hat vor einem Auseinanderbrechen Europas gewarnt. “Mein Schreckensszenario ist, dass die Europäische Union auseinanderfällt“, sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA dem “Tagesspiegel“ laut Vorabbericht vom Sonntag. In Italien seien bereits 40 Prozent der Wähler gegen den Euro und Europa. Zudem bestehe die Gefahr, dass Großbritannien austrete, sich in Spanien Katalonien und das Baskenland abspalteten und die EU verlassen und dass in Frankreich der rechtsextreme Front National unter Marine Le Pen noch weiter zulege.

“Europa darf aber nicht auseinanderbrechen“, sagte Börner. Nur Bundeskanzlerin Angela Merkel stemme sich gegen einen Zerfall Europas. “Ich sehe außer Frau Merkel derzeit keinen anderen Spitzenpolitiker in der EU, der die Gemeinschaft zusammenhalten kann. Und eine allein ist vielleicht zu wenig.“

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

Die Krise in China bewertete Börner dagegen gelassener. “Wir hatten eine unglaubliche Wachstumsphase über mehrere Jahrzehnte. Dass es dann auch mal zu einem Rückschlag kommt, ist doch natürlich. Für die weitere Entwicklung sei er sehr optimistisch. “Die Chinesen werden noch viele Jahre lang auf Importe im Hightech- und im hochwertigen Konsumgüterbereich angewiesen sein“, sagte der BGA-Präsident. Für die deutschen Unternehmen, die 2014 Waren im Wert von 74,5 Milliarden Euro nach China exportiert hat, werde es dieses Jahr keine großen Einbrüche geben. “Vielleicht wird es kein großes Wachstum mehr geben, aber ein Minus sehe ich nicht.“

Von

rtr

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