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14.01.2016

10:23 Uhr

BIP mit Plus von 1,7 Prozent

Wachstum trotz Krisen

Die deutsche Wirtschaft ist 2015 weiter gewachsen. Wichtigster Konjunkturmotor ist der Konsum. Volkswirte erwarten, dass sich daran 2016 wenig ändern wird. Das wirkt sich auch auf Schäubles Haushalt aus.

Die deutsche Wirtschaft hat 2015 zugelegt. dpa

Mehr Export

Die deutsche Wirtschaft hat 2015 zugelegt.

Berlin/WiesbadenAngetrieben von kauflustigen Verbrauchern ist die deutsche Wirtschaft 2015 erneut kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 1,7 Prozent zu und lag damit im zweiten Jahr in Folge über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin mit.

Vielen Verbrauchern sitzt das Geld seit Monaten locker, weil Sparen kaum noch belohnt wird und die gesunkenen Energiepreise die Haushalte zusätzlich entlasten. Dazu kommt, dass sich vergleichsweise Wenige aktuell Sorgen um ihren Job machen: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist historisch günstig. Mit 2,681 Millionen war die Zahl der Erwerbslosen im Dezember so niedrig wie seit 24 Jahren nicht in diesem Monat.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Auch der staatliche Konsum trug 2015 kräftig zum Wachstum bei - unter anderem, weil der Staat für die Versorgung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge viel Geld in die Hand nehmen muss. Viele Volkswirte werten die Zuwanderung von Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan als Konjunkturprogramm - auch mit Blick auf 2016.

Der Konsum - staatlich wie privat - wird nach Experteneinschätzung im laufenden Jahr die Hauptstütze des deutschen Wirtschaftsaufschwungs bleiben. Günstige Ölpreise und der schwache Euro helfen zudem dem Export. Somit herrscht für 2016 trotz Flüchtlingskrise, Terrorgefahr und China-Schwäche Optimismus vor. Viele Prognosen sagen mindestens ein Wachstum auf dem Niveau des abgelaufenen Jahres voraus.

2014 hatte es für Europas größte Volkswirtschaft ein Plus von 1,6 Prozent gegeben, 2013 musste sich die deutsche Wirtschaft mit mageren 0,3 Prozent Wachstum begnügen. Ökonomen hatten für 2015 im Mittel mit 1,7 Prozent Wachstum gerechnet.

Der deutsche Staat - Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen - konnte nach vorläufigen Berechnungen der Statistiker 2015 im zweiten Jahr in Folge einen Überschuss erwirtschaften. Er betrug 0,5 Prozent des BIP. Im Vorjahr waren es 0,3 Prozent. Deutschland ist somit erneut weit entfernt von der Defizit-Obergrenze von 3,0 Prozent des BIP, welche die europäischen Verträge (Maastricht) maximal erlauben.

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