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27.10.2011

15:57 Uhr

BIP-Plus von 2,5 Prozent

Rasantes US-Wachstum dämpft Rezessionsangst

Vor kurzem beklagte Obama das schwache US-Wachstum und gab dem krisengebeutelten Europa eine Mitschuld dafür. Jetzt legt die Konjunktur so stark zu wie lange nicht mehr. Alle Augen richten sich nun auf den Jobmarkt.

US-Flagge. ap

US-Flagge.

WashingtonDie Angst vor einer neuen Rezession hat sich in den USA dank neuer Konjunkturdaten etwas gelegt. Die US-Wirtschaft wuchs zwischen Juli und September aufs Jahr hochgerechnet um 2,5 Prozent und damit so schnell wie seit einem Jahr nicht mehr, wie das US-Handelsministerium in einer ersten Schätzung am Donnerstag in Washington mitteilte.

Im Vergleich zum zweiten Quartal verdoppelte sich das Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahezu. In den ersten drei Monaten des Jahres hatte das Wachstum sogar nur 0,4 Prozent betragen.

Das schnellere Wachstum gründet sich vor allem auf höhere private Konsumausgaben, insbesondere für dauerhafte Güter wie Autos. Auch die Unternehmen hätten wieder etwas mehr investiert und die Exporte seien gestiegen, so das Ministerium. Zugleich seien die staatlichen Ausgaben langsamer gesunken als zuletzt.

Experten hatten zwar mit den besseren Werten gerechnet, zeigten sich aber dennoch erleichtert. „Während im ersten Halbjahr die Zahlen Schlimmeres befürchten ließen, bleiben wir in einer gemäßigten Wachstumserholung“, sagte der Chefökonom von Barclays Capital, Dean Maki, der Fachagentur Bloomberg. Die US-Märkte starteten durch, der Aktienindex Dow Jones stieg zeitweise um mehr als zwei Prozent.

Allerdings lässt der krisengeschüttelte US-Arbeitsmarkt weiterhin an der Nachhaltigkeit des Wachstums zweifeln. So beträgt die Arbeitslosenquote weiterhin 9,1 Prozent. Zwar waren in den vergangenen Monaten deutlich mehr Stellen geschaffen worden als erwartet, doch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe verharren auf hohen Werten. Die neuen Daten in der kommenden Woche werden zeigen, ob sich das Wachstum auch in der Beschäftigung niederschlägt.

Obamas Plan zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit in den USA?

Die Arbeitslosenquote in den USA stagniert seit Langem bei neun Prozent. Damit sind etwa 14 Millionen US-Bürger, die arbeiten wollen, ohne Stelle.

Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die Obama vorgeschlagen hat?

Obamas Maßnahmenpaket sieht eine Halbierung der Lohnsteuer für Arbeitnehmer vor. Außerdem sollen Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen oder die Löhne ihrer Mitarbeiter erhöhen, entlastet werden. Durch Zuschüsse an klamme Einzelstaaten und Kommunen sollen Entlassungen im öffentlichen Dienst verhindert werden. Schulen und Infrastruktur sollen modernisiert und damit Arbeitsplätze in der Baubranche geschaffen werden.

Wie viel kosten Obamas Vorschläge?

Das Konjunkturpaket zur Belebung des Arbeitsmarktes soll einen Umfang von 447 Milliarden Dollar (318 Milliarden Euro) haben. Die größten Posten des Programms sind neben den Steuerentlastungen mit rund 105 Milliarden Dollar die öffentlichen Konjunkturprogramme, mit fast 50 Milliarden der Erhalt von Sozialhilfeleistungen, mit 35 Milliarden die Zuschüsse an Staaten und Kommunen und mit 25 Milliarden die Modernisierung von 35.000 staatlichen Schulen.

Müssen die USA zur Finanzierung von Obamas Plänen mehr Schulden machen?

Nach den Worten des Präsidenten nicht. Die Finanzierung des Konjunkturprogramms sei sichergestellt und werde nicht zu weiteren Schulden führen, sagte Obama. Das Paket soll mit einer Mischung aus Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen gestemmt werden. Demnach sind Kürzungen in den Gesundheitsprogrammen Medicare und Medicaid geplant. Außerdem will Obama die Steuern für Besserverdienende erhöhen.

Wie reagierten Obamas politische Gegner?

Vertreter der Republikaner äußerten sich nach der Rede ablehnend. John Boehner, der republikanische Präsident des US-Repräsentantenhauses, sagte nach Obamas Rede immerhin, der Vorschlag werde in Erwägung gezogen. Der republikanische Abgeordnete Ron Paul sprach sich rundweg dagegen aus. Das Programm werde lediglich die Staatsschulden der USA erhöhen, aber keine zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen, sagte er. Die Abgeordnete Michele Bachmann, die sich um die Nominierung als republikanische Präsidentschaftskandidatin bewirbt, forderte den Kongress auf, das Paket abzulehnen. „Überlassen wir die Wirtschaft dem freien Markt“, forderte die Vertreterin der ultrakonservativen Tea Party. Der republikanische Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell, hatte Obamas Idee zur Schaffung neuer Arbeitsplätze bereits vor der Rede zurückgewiesen.

Kommentare (4)

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G4G

27.10.2011, 16:00 Uhr

Wer das glaubt, glaubt jeden Unsinn...
Es gibt einfache Möglichkeiten die offiziellen Zahlen der USA mit der Realität zu vergleichen.
Regelmäßig wird Schönfärbeirei veröffentlicht und drei Wochen später mit der gleichen Regelmäßigkeit "korrigiert". Zu diesem Zeitpunkt hört die Presse dann immer weg. Ein Schelm wer dabei Böses denkt.
Fazit: Die Amis sind defacto pleite und die Europäer auch. Jeder will seinen persönlichen Arsch retten und den anderen den schwarzen Peter in die Tasche stecken.
Kein Leser dieser Site darf so dumm sein und glauben was da steht.

no.7

27.10.2011, 16:28 Uhr

Die Nachhaltigkeit des wachstums ist meiner meinung nach nicht gegeben. Auch die USA werden in den wintermonaten einen Wachstumseinbruch erleiden. Gleichwohl sind die werte des 3. Quartals gut und strafen das abartige ständige Klagen wegen angeblich zu geringen Wachstums lügen. Das war mehr als Obama erwarten konnte. aber nun geht es nicht weiter aufwärts, sondern abwärts.

Markus

27.10.2011, 16:41 Uhr

Das Wachstum in den USA wird mittel bis langfristig nicht besonders hoch sein, vielleicht mit viel Glück 2%. Und das die Arbeitslosenquote signifikant zurückgeht, ist ebenso nahezu ausgeschlossen, da die USA eine strukturelle Arbeitslosigkeit sowie massive strukturelle Wirtschaftsprobleme haben.

Die USA versuchen ein Geschäftsmodell wiederzubeleben was sowieso schon längst tot ist, und das wird scheitern definitiv!

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