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14.08.2012

11:26 Uhr

BIP rutscht ins Minus

Euro-Zone schlittert in die Rezession

Die europäische Schuldenkrise bremst die Wirtschaft im Euro-Raum deutlich aus. Da Deutschland und Frankreich als Konjunkturstützen ausfallen, rutscht der Währungsraum ins Minus. Die Zeichen stehen auf Rezession.

Eine Euro-Münze. dpa

Eine Euro-Münze.

Die Wirtschaft der Euro-Zone ist im zweiten Quartal trotz des robusten Wachstums ihrer Konjunkturlok Deutschland geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt fiel um 0,2 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag in Brüssel mit. Von Reuters befragte Analysten hatten mit diesem Ergebnis gerechnet. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaftsleistung noch stagniert. Damit steckt die Euro-Zone in einer Rezession fest. Davon spricht man, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale nacheinander entweder unverändert bleibt oder abnimmt.

Einen stärkeren Einbruch verhinderte Deutschland mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Österreich und die Niederlande schafften ein Plus von 0,2 Prozent, während mit Frankreich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion stagnierte. Wesentlicher schlechter sieht es in den Krisenländern aus. In Italien brach das Bruttoinlandsprodukt um 0,7 Prozent ein, in Spanien um 0,4 Prozent, in Zypern um 0,8 Prozent, in Portugal um 1,2 Prozent. Belgien meldete ein Minus von 0,6 Prozent.

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) geht davon aus, dass die Euro-Zone in diesem Jahr um bis zu 0,5 Prozent schrumpfen wird. 2013 traut sie ihr wieder ein Wachstum zu.

Schlechte Nachrichten liefert auch der Konjunkturindikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der sich im August weiter verschlechtert hat. Das ZEW-Barometer für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten sank überraschend um 5,9 Punkte und steht nun nach Angaben des Mannheimer Instituts vom Dienstag bei minus 25,5 Zählern. Das Barometer fiel damit den vierten Monat in Folge.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Ökonomen hatten eine Stabilisierung erwartet. Die erwartete Konjunkturabkühlung dürfte nach ZEW-Angaben vor allem exportorientierte Branchen treffen.

Die Lage bewerteten die vom ZEW befragten 262 Analysten und institutionellen Anleger schlechter als im Vormonat: Dieses Barometer fiel um knapp drei Zähler auf 18,2 Punkte. Ökonomen hatten 18 Zähler veranschlagt.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

14.08.2012, 11:50 Uhr

Wenn einer Plus macht, muss ein anderer Minus machen.
Wenn einer spart, muss ein anderer ausgeben.
Wir Deutsche mit unseren geringen Lohnstückkosten können eben durch geringe Gehälter, Arbeitslose, Harz4 unseren BinnenmarktKonsum nicht leisten. Vielleicht fangen die Länder auch an zu Sparen, auf die wir immer draufprügeln?
Dann muss doch logisch eine Rezession kommen? Oder?
Wohin wollen wir denn weltmeisterisch weiter exportieren? Oder soll der Steuerzahler unsere Exportquoten weiterfinanzieren?

http://www.tagesschau.de/inland/deutschlandhandelsueberschuss100.html

Account gelöscht!

14.08.2012, 11:50 Uhr

Den deutschen Handelsüberschuss abbauen?
Der hohe Exportüberschuss sei eine Folge jahrelanger Niedriglohnpolitik, meinen Kritiker. Das brächte Deutschland viele Vorteile, gehe aber auf Kosten anderer Länder. Und belastet zum Beispiel Frankreichs Export, sagt Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Deutschland solle seinen Binnenmarkt ankurbeln.

Der Chefvolkswirt des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dierk Hirschel, sieht es ebenso: Die Binnennachfrage müsse belebt werden, damit "die Euro-Zone nicht irgendwann auseinanderfliegt".

Die anderen Staaten müssen nachziehen, kontern die Gegner. Die schwächeren Euro-Länder sollten versuchen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Das Tempo auf den Weltmärkten würde international vorgegeben, Deutschland habe sich diesem Wettbewerb gestellt. Deutschland könne sich im Export jetzt nicht künstlich zurücknehmen, das wäre falsch, heißt es aus der Regierung.

Der Exportüberschuss würde nicht auf dem Rücken anderer Länder erzielt, meint der Konjunkturexperte Christan Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

observer

14.08.2012, 11:52 Uhr

Denkt bloss nicht, dass es nur Zufall oder Versagen der Politiker war, was uns die (angebliche) Krise gebracht hat.

Wir wurden und werden komplett ausgeraubt und bestohlen!

Das ist übrigens der ganze Sinn dieses perversen Finanzsystems und warum wir in der Situation sind in der wir sitzen.

Es handelt sich doch nicht um ein Versagen oder um Unfähigkeit. Lächerlich. Nein, der Raubzug ist so von langer Hand geplant und wenn man so will seit 1913 durch die Gründung der Fed eingeleitet. Dafür wurden Zentralbanken überhaupt erfunden.

Die globale Elite will damit das Vermögen von unten nach oben transferieren. Wir sollen alle total verarmen und nur noch ums Überleben kämpfen. In ihren Augen sind wir Vieh, das man füttert und etwas Freiraum gibt, aber nur damit wir mehr leisten, um dann geschlachtet zu werden.

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