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11.02.2015

09:47 Uhr

BIP-Wachstum

DIHK hebt Prognose für 2015 kräftig an

Die deutsche Wirtschaft erhöht ihre Wachstumsprognose für 2015 deutlich. Das Bruttoinlandsprodukt werde statt der im Herbst erwarteten 0,8 Prozent wohl um 1,3 Prozent steigen, erwartet der DIHK.

Der DIHK erwartet nun für 2015 ein Wachstum von 1,3 Prozent in Deutschland. dpa

Prognose nach oben korrigiert

Der DIHK erwartet nun für 2015 ein Wachstum von 1,3 Prozent in Deutschland.

BerlinDie deutsche Wirtschaft erhöht ihre Wachstumsprognose für 2015 deutlich. Das Bruttoinlandsprodukt werde statt der im Herbst erwarteten 0,8 Prozent wohl um 1,3 Prozent steigen, erklärte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Mittwoch in Berlin. 2014 lag das Plus bei 1,5 Prozent.

„Die deutsche Wirtschaft schlägt sich wacker in einem unsicheren Umfeld“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben in Berlin. „Die niedrigen Ölpreise entlasten Verbraucher und Unternehmen, der schwache Euro treibt den Export und die niedrigen Zinsen befördern die Bautätigkeit.“ Konsumausgaben und Exporte werden demnach schneller wachsen als im Vorjahr. 200.000 neue Jobs sollen entstehen – etwa halb so viele wie 2014.

Wo die deutschen Exporteure 2015 wachsen – und wo nicht

Rekordjahr 2014

Die deutschen Exporteure haben 2014 ungeachtet der zahlreichen internationalen Krisen einen Umsatzrekord geschafft. Sie nahmen im Ausland 1133,6 Milliarden Euro ein und damit 3,7 Prozent mehr als 2013. In diesem Jahr soll es sogar um fünf Prozent nach oben gehen, sagt der Branchenverband BGA voraus. Es folgt ein Überblick über die boomenden und schrumpfenden Märkte.

USA

Keiner anderen großen Industrienation wird in diesem Jahr ein stärkeres Wirtschaftswachstum zugetraut. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein Plus von 3,6 Prozent – nach 2,4 Prozent im vergangenen Jahr. Die steigende Beschäftigung und die Entlastung der konsumfreudigen Verbraucher durch sinkende Energiepreise dürften die weltgrößte Volkswirtschaft ankurbeln. Beflügelt werden dürften die Geschäfte der deutschen Unternehmen zusätzlich vom schwachen Euro, wodurch sie ihre Produkte in den USA entweder billiger anbieten und so der Konkurrenz Marktanteile abjagen oder ihre Gewinnmarge steigern können.

China

Auch wenn die Zeiten eines Wachstums im zweistelligen Prozentbereich vorbei sind, so bleibt die Volksrepublik doch ein lohnender Markt für die deutschen Unternehmen. „Ein wichtiger Schlüssel zu profitablem Wachstum liegt für uns in China“, sagt etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche. Seit Jahren ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wichtigster Absatzmarkt für die Autobauer und viele andere Branchen. Das Jahr begann verheißungsvoll: Mercedes Benz etwa steigerte seinen China-Absatz im Januar um 14,5 Prozent.

Euro-Zone

Das Geschäft auf dem wichtigsten Absatzmarkt entwickelt sich wegen der Schuldenkrise seit Jahren schleppend. Allerdings geht es in einigen Ländern wie Spanien und Portugal wieder aufwärts, was sich auch in der Exportstatistik niederschlägt: Die deutschen Ausfuhren in diese beiden Länder stiegen im vergangenen Jahr um jeweils rund zehn Prozent. Um immerhin 1,3 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone im laufenden Jahr wachsen, 2014 waren es nur 0,8 Prozent.

Russland

Die Wirtschaft rechnet mit milliardenschweren Einbußen. Die Exporte dürften um fast 15 Prozent oder knapp vier Milliarden Euro einbrechen, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Davon werden insbesondere Spitzenexportbranchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau betroffen sein“, sagt DIHK-Experte Volker Treier. Bereits 2014 waren die Ausfuhren um rund ein Fünftel gefallen. Ein Grund ist der Kursverfall des Rubel. „Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher“, sagt Treier. „Zudem entfaltet sich die Wirkung der dritten Sanktionsstufe der EU gegen Russland erst in diesem Jahr voll.“ Bislang habe der Warenaustausch zu einem großen Teil noch auf Verträgen basiert, die vor Verhängung dieser Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise geschlossen worden seien.

Opec

Der sinkende Ölpreis drückt die Exporte in die zwölf Opec-Staaten. Im November etwa brachen die Ausfuhren in die Länder des Ölkartells um mehr als sieben Prozent ein. „Der Verfall der Ölpreise drückt unsere Exporte in viele rohstoffreiche Länder“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Treier. Angesichts fehlender Milliarden aus dem Ölgeschäft schieben viele Förderstaaten Investitionen auf, auch Unternehmen zögern. „Wir erwarten allenfalls ein schwaches Exportwachstum knapp über der Nulllinie in die Region Mittlerer und Naher Osten plus Nordafrika“, so Treier. Bislang hatte der DIHK mit einem Plus im zweistelligen Prozentbereich gerechnet.

Südamerika

Die lange Zeit boomende Region steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In vielen Ländern wie Argentinien und Venezuela dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr schrumpfen, in Brasilien gerade einmal um 0,5 Prozent wachsen, sagen von Reuters befragte Ökonomen voraus. Grund dafür sind sinkende Rohstoffpreise, aber auch eine wachsende Staatsverschuldung. „Es gibt mehr Risiken als Chancen“, sagt etwa der Chefvolkswirt der Banco Brasil Plural, Mario Mesquita.

Dass die Wirtschaft etwas pessimistischer ist als die Bundesregierung – die ein Wachstum von 1,5 Prozent vorhersagt – liegt vor allem an zurückhaltenden Investitionen. Diese sollen mit zwei Prozent nur etwa halb so stark zulegen wie im abgelaufenen Jahr. Ein Grund dafür seien steigende Arbeitskosten. „Das belastet die Unternehmen, und bislang auch ihre Investitionspläne“, erklärte der DIHK. „Auf lange Sicht könnte es zusätzliche Rationalisierungsbemühungen auslösen.“

Auch internationale Krisen – vom Ukraine-Konflikt bis hin zur Debatte um einen Abschied Griechenlands vom Euro – sorgten für Zurückhaltung. Sorgen um den Fortbestand der Erbschaftsteuerregelung hätten zudem „erhebliche Verunsicherung“ ausgelöst.

Grundlage der Prognose ist eine Umfrage des DIHK unter mehr als 27.000 Unternehmen. Diese bewerteten sowohl ihre Lage als auch ihre Geschäftsaussichten positiver als noch im Herbst.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Peter Noack

12.02.2015, 08:08 Uhr

Niedriger Zins, lockere Geldpolitik, niedriger Ölpreis und niedriger Euro zum Dollar dazu höchste Beschäftigung, steigende Reallöhne mit höherem realem Konsum steigern das Wachstum um gerade mal 0,5 Prozent aufs Jahr. Da wird der DIHK wohl noch mehrmals die Prognose erhöhen müssen. Im Umkehrschluss heißt das: Diese ganzen Faktoren können durch die Ökonomen des DIHK nicht in halbwegs genaue Prognosen umrechnen. Die haben dafür gar kein Rechenmodell. Muss man dazu noch weitere Fragen stellen? Die Schätzungen sind einfach aus der Luft gegriffen und sind folglich Luftnummern.

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