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14.08.2014

09:05 Uhr

BIP-Zahlen

Deutschland und Frankreich drücken Wachstum der Euro-Zone

Spanien und Portugal sind die neuen Wachstumsstars der Euro-Zone. Unterm Strich jedoch stagnierte die Wirtschaft im Euroraum im zweiten Quartal. Das lag vor allem an den drei größten Volkswirtschaften.

Containerschiffe im Hamburger Hafen: Die Euro-Industrie schrumpft. dpa

Containerschiffe im Hamburger Hafen: Die Euro-Industrie schrumpft.

DüsseldorfDie Wirtschaft in der Euro-Zone hat im Frühjahr überraschend nur stagniert. Vor allem eine Flaute in den drei größten Volkswirtschaften sorgte dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt im Währungsraum zwischen April und Juni auf dem Niveau des Vorquartals verharrte, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet. In Deutschland schrumpfte die Wirtschaft überraschend um 0,2 Prozent und damit so stark wie seit gut einem Jahr nicht mehr.

Größte Volkswirtschaften 2013 - 2028

Rang 10

2013
Kanada
1,8 Billionen Dollar
2028
Kanada
3,7 Billionen Dollar
Quelle: CEBR. Angaben beziehen sich auf das geschätzte Bruttoinlandsprodukt

Rang 9

2013
Italien
2,1 Billionen Dollar
2028
Mexiko
3,7 Billionen Dollar

Rang 8

2013
Russland
2,1 Billionen Dollar
2028
Russland
4,1 Billionen Dollar

Rang 7

2013
Brasilien
2,2 Billionen Dollar
2028
Großbritannien
4,3 Billionen Dollar

Rang 6

2013
Großbritannien
2,65 Billionen Dollar
2028
Deutschland
4,3 Billionen Dollar

Rang 5

2013
Frankreich
2,7 Billionen Dollar
2028
Brasilien
5,1 Billionen Dollar

Rang 4

2013
Deutschland
3,6 Billionen Dollar
2028
Japan
6,4 Billionen Dollar

Rang 3

2013
Japan
5 Billionen Dollar
2028
Indien
6,6 Billionen Dollar

Rang 2

2013
China
8,9 Billionen Dollar
2028
USA
32,2 Billionen Dollar

Rang 1

2013
USA
16,7 Billionen Dollar
2028
China
33,5 Billionen Dollar

Das Statistische Bundesamt wandte dabei erstmals die Regeln des „Europäischen System der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“ (ESVG) von 2010 an. Insgesamt ist dadurch das BIP-Niveau um etwa 80 Milliarden Euro gestiegen. Der Rückgang im Vergleich zum Vorquartal erklärt sich dadurch, dass alle BIP-Zahlen bis 1991 nach oben revidiert und auf die neue Berechnungsmethode umgestellt wurden.  

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten im Schnitt mit einer Stagnation gerechnet. Im ersten Quartal war die Wirtschaft noch um (revidiert) 0,7 Prozent gewachsen und hatte vor allem am Bau vom milden Winter profitiert.

„Der Rückgang war etwas deutlicher als erwartet“, sagte Holger Sandte von Nordea. „Auch für das dritte Quartal sieht es derzeit nicht nach viel Schwung aus.“ Das Deutsche Institut für Wirtschaftsförderung (DIW) warnte. „Die wohl rückläufigen Ausrüstungsinvestitionen weisen auf erste Bremsspuren aufgrund der geopolitischen Krisen hin“, sagte DIW-Experte Simon Junker.

Da die Exporte weniger stark stiegen als die Importe, dämpfte der Außenhandel insgesamt die Konjunktur, wie die Statistiker erklärten. „Daneben gingen die Investitionen insbesondere in Bauten deutlich zurück.“ Dagegen hätten die privaten Verbraucher und die öffentlichen Haushalte ihren Konsum jeweils etwas gesteigert. Für Commerzbank-Ökonom Jörg Krämer ist der Rückgang des BIP im Wesentlichen ein Baueffekt. „Wegen des milden Winters wurden große Teile der Bauproduktion ins erste Quartal vorgezogen, zulasten das zweiten Quartals“, so Krämer in einer ersten Analyse.

Ohne diesen Effekt hätte es im Frühjahr ein Wachstum von 0,2 Prozent gegeben. „Ich sehe keine Rezessionsgefahr. Der Leitzins ist viel zu niedrig für Deutschland, das entfacht das Wachstum“, sagte Krämer. „Das ist nur eine Delle.“

Kommentare (9)

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Herr Rene Weiß

14.08.2014, 09:07 Uhr

Wo solls auch herkommen? Steigend Löhne verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit, v.a. ggü. China, Indien und Südamerika. Exportverbote und Sanktionen behindern den Außenhandel. Produktionsverbote (bpsw. Fracking) und höhere Auflagen (Mietpreisbremse und Energetische Sanierung, Abschaltung Atomkraftwerke) behindern inländische Investitionen.
Und alles total überraschend.
Es müsste ein Zwangsökonomiestudium für alle von unseren Steuern schmarotzende Politiker geben!

Herr Jose Grosse

14.08.2014, 09:51 Uhr

Sie haben auch den Einfluss der demographischen Entwicklung vergessen und der wirtschaftschädliche Mindestlohn und die Renten- Gesundheitspolitik die bald zu höheren Beiträgen und Lohnebekosten führen werden. Deutschland sollte chinesische Wachstumsrate haben wenn wir nur eine vernünftigere Politik hätten
Das Wachstum soll von dem in Deutschland exportorientierten hochentwickelten Mittelstand kommen aber wie lange hält es die ständigen Belastungen der Politik?

Account gelöscht!

14.08.2014, 09:57 Uhr

Volle Zustimmung von mir, obwohl ich kein Ökonomiestudium absolviert habe.

Die Liste der Brems- und sogar Letalfaktoren, die die Politik zur Zerstörung der Wirtschaftskraft Deutschlands geschaffen hat, ist ja in Wahrheit noch sehr viel länger, als es die von Ihnen stichwortartig angesprochenen Punkte erkennen lassen.

Man müsste zumindest die Russlandsanktionen, die finanzielle Represion, die ständig steigende Steuer- und Abgabenlast (aktuell: Merkel spricht sich für eine Beibehaltung des Soli aus), die Energiewende insgesamt und die Ruinierung der Staatsfinanzen durch die ständige Geldverbrennung auf dem Altar der "Eurorettung" hinzufügen.

Dies alles und noch vieles mehr dürfte dazu führen, dass die deutsche Wirtschaft nicht nur in eine zyklische Rezession schlittert, sondern in einen langfristigen Abwärtstrend eintaucht.

Unsere Kinder und Enkelkinder werden es schwer haben, sich in diesem Land noch eine befriedigende wirtschaftliche Existenz zu erarbeiten.

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