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28.07.2012

00:03 Uhr

BIP-Zahlen

US-Wirtschaft taumelt Richtung Abgrund

VonNils Rüdel

Hohe Arbeitslosigkeit, kaum Vertrauen in die Zukunft: Das Wachstum der US-Wirtschaft hat sich im vergangenen Quartal abermals abgeschwächt. Wie lange wird die Notenbank Fed dem Siechtum noch zuschauen?

Hohe Risiken schwächen das US-Wachstum. Getty Images

Hohe Risiken schwächen das US-Wachstum.

WashingtonMit der US-Wirtschaft geht es weiter abwärts. Im zweiten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet nur noch um 1,5 Prozent gewachsen, teilte das US-Handelsministerium am Freitag nach einer ersten Schätzung mit. In den ersten drei Monaten des Jahres waren es nach revidierten Zahlen noch 2 Prozent Wachstum, Ende 2011 sogar noch 4,1 Prozent.

Im Schnitt hatten Experten für den Zeitraum von April bis Juni zwar mit einem noch schwächeren Zuwachs gerechnet - 1,4 Prozent -, doch das ändert nichts an der wenig ermutigenden Lage. „Wir beginnen die zweite Hälfte in einer schwachen Position“, sagte Michael Hanson, leitender Volkswirt bei der Bank of America, der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. „Die Konjunktur schwächt sich deutlich ab.“ Während ein Wachstum von 1,5 Prozent für europäische Länder ermutigend wäre, sind für US-Verhältnisse nach gängigen Rechenmodellen mindestens 2 Prozent nötig, um die Arbeitslosigkeit spürbar abzubauen.

Am Abend korrigierte die US-Regierung auch noch ihre Wachstumsprognose für dieses und kommendes Jahr nach unten. Für 2012 rechnete das Büro für Management und Haushalt des US-Präsidialamts (OMB) in einem am Freitag vorgelegten Bericht mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2,6 Prozent für 2012 und 2013. Im Februar lagen die Prognosen noch bei 2,7 beziehungsweise 3,0 Prozent. Die Arbeitslosenrate wird den Angaben zufolge nur wenig sinken. Zu Jahresende wird sie demnach bei 7,9 Prozent gegenüber derzeit 8,2 Prozent liegen und Ende 2013 7,6 Prozent erreichen.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt

Platz 1

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Singapur

Platz 5

Schweden

Platz 6

Kanada

Platz 7

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Platz 8

Norwegen

Platz 9

Deutschland

Platz 10

Katar

Quelle

IMD-„World Competitiveness Ranking“ 2012.

Die Schweizer Business-School IMD veröffentlich seit 1989 jährlich ihr Wettbewerbsranking. Dazu befragen die Wissenschaftler mehr als 4200 internationale Geschäftsleute. Die Länder werden nach über 300 Kriterien bewertet.

Mit der hohen Arbeitslosigkeit gehen düstere Zukunftsaussichten einher. Die Auswirkungen der Krise in Europa treffen die US-Wirtschaft hart, zudem drohen zum Jahreswechsel höhere Abgaben. Ende Dezember laufen die Steuererleichterungen aus der Regierungszeit von Präsident George W. Bush aus, und noch haben sich die verfeindeten Politiker von Demokraten und Republikanern nicht einigen können, ob und inwieweit die Vergünstigungen weiterlaufen sollen. Gleichzeitig treten zu Anfang Januar automatische Ausgabenkürzungen der Regierung in Kraft.

Wie sehr sich die Amerikaner um ihre Zukunft sorgen, zeigen die neuesten Zahlen zu den Konsumausgaben: Diese wuchsen zwischen April und Juni ebenfalls um nur 1,5 Prozent, teilte das Handelsministerium am Freitag mit – im Vorjahresquartal waren es noch 2,4 Prozent.

Wenn die Konsumenten ihre Ausgaben zurückfahren, wirkt sich das fatal auf die gesamte Wirtschaftsleistung aus: Der Konsum trägt 70 Prozent zum BIP bei. Das spüren auch Unternehmen, die direkt davon abhängen. So berichteten unter anderem Starbucks, der Paketdienst UPS, der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble und die Einzelhändler Target und Macy`s von zunehmend geizigen Kunden.

Kommentare (39)

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William

27.07.2012, 15:34 Uhr

Jetzt mal ganz ehrlich...die Märkte müssen dicht gemacht werden, da diese ja sowieso nicht mehr funktionieren. Es wird immer verrückter und keinen scheint es zu interessieren! Sogar das Handelsblatt berichtet mit diesen obsukren Aussagen. Heutzutage steigen die Börsen, wenn von einem Konjunktureinbruch die Rede ist, weil dann alle davon ausgehen, dass die FED die Märkte mit neuer Liqui überschwemmen. Was hat das noch mit freier Marktwirtschaft oder mit realen Wirtschaften zu tun. Jeder schlimmer die Lage umso mehr mehr Spekulationen über Geldschwemme. In Zukunft heißt das in schlechten Zeiten ziehen die Kurse an und in guten Zeiten erleben die Märkte Ihr Waterloo. Ich denke eher dass Long Geschäfte in dieser Lage verboten gehören und nicht die Short-Geschäfte.

Bitte liebes HB-Team seht es ein...Ihr schreibt über Märkte die garnicht mehr funktionieren oder existieren.

Account gelöscht!

27.07.2012, 15:43 Uhr

das ist in der tat paradox...so ähnlich dachte ich auch nachdem ich die schlagzeile und die ersten zwei sätze gelesen hatte. jedoch wäre der eingriff, durch verbot von call-geschäften, m.e. der falsche weg.

dennoch: rational ist das alles nicht mehr...egal wie die kursbewegung ist und egal welche nachrichten parallel existieren - es wird immer eine passende auslegung gefunden.

Matthes

27.07.2012, 16:56 Uhr

Kann gar nicht sein. Sonst hätten die Rankingunternehmen schon längst reagiert. Wo die doch so feinfühlig und sensibel das Ohr an den Staaten haben. Oder sind die bei USA schwerhörig?

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