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05.03.2014

20:04 Uhr

BIZ-Generaldirektor

Zentralbanken sollen bei Ausstieg aus Krisenmaßnahmen bleiben

Es gibt mehr Gründe für ein Ende der Krisenmaßnahmen, findet der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Von dem Kurs dürften sich die Zentralbanken nicht durch Schwankungen an den Märkten abbringen lassen.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. ap

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel.

FrankfurtNach Ansicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) nehmen die Gründe für einen Ausstieg der Notenbanken aus den Krisenmaßnahmen der vergangenen Jahre zu. Auf diesem Weg dürften sie sich nicht durch kurzfristige Schwankungen auf den Finanzmärkten und phasenweise zu niedrige Teuerungsraten beirren lassen, sagte BIZ-Chef Jaime Caruana am Mittwoch in Frankfurt.

„Die Zentralbanken sollten ihren Kurs nicht verlassen und sich nicht davon abschrecken lassen, dass damit eine holprige Wegstrecke verbunden sein kann.“ Zeiten mit unerwünscht niedrigen Teuerungsraten hätten ihren Grund oftmals in den Strukturanpassungen der besonders betroffenen Länder.

Die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet am Donnerstag das nächste Mal über ihren weiteren geldpolitischen Kurs. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und manche Ökonomen fordern von der EZB eine weitere geldpolitische Lockerung, um die Gefahr einer Deflation in der Euro-Zone abzuwehren.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte allerdings erst vergangene Woche erklärt, er habe keine Anhaltspunkte für eine ökonomisch gefährliche deflationäre Entwicklung, also eine Abwärtsspirale von Preisen, Nachfrage und Investitionen. Die meisten Fachleute rechnen deshalb damit, dass die EZB den Leitzins am Donnerstag nicht unter das im November erreichte Rekordtief von 0,25 Prozent senkt.

Caruana sagte, zwar sei die Zeit für eine Normalisierung der Geldpolitik in vielen Ländern und Währungsräumen noch nicht gekommen. Doch habe mit den ersten Schritten der US-Notenbank zur Eindämmung ihrer Liquiditätsflut die Normalisierung nach der Krise „in gewisser Weise begonnen und es ist wichtig, dass sie weitergeht“, sagte der Spanier.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

„Eine Normalisierung (der Geldpolitik) ist immer mehr gerechtfertigt, wenn man sich die Fortschritte der konjunkturellen Erholung ansieht.“ Die globalen Notenbanken hatten in der Krise massiv die Zinsen gesenkt und das Finanzsystem mit riesigen Geldspritzen liquide gehalten. Sie müssen nun das viele Geld wieder einsammeln, wollen sie keinen Inflationsschub riskieren und keine Spekulationsblasen an den Finanzmärkten auslösen.

Die 1930 gegründete und in Basel ansässige BIZ ist die älteste internationale Finanzinstitution der Welt und wird oft auch als Zentralbank der Zentralbanken bezeichnet. Sie hilft den Notenbanken rund um den Globus etwa bei der Verwaltung ihrer Goldreserven und beheimatet den Baseler Ausschuss der globalen Bankenaufseher und das Sekretariat des Finanzstabilitätsrats, der im Auftrag der größten Industrie- und Schwellenländers die Regulierung des internationalen Finanzsektors vorantreibt. BIZ-Chef Jaime Caruana war vor seinem Wechsel nach Basel Gouverneur der spanischen Notenbank.

Von

rtr

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