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22.01.2008

15:54 Uhr

Börsencrash

Ökonomen halten Wirtschaft für stabil

Das Beben an den Aktienmärkten schürt auch die Sorgen um die Konjunktur. Die Angst geht um, dass der Kurseinbruch an der Börse die deutsche Wirtschaft infizieren und nach unten reißen könnte. Doch während Börsianer Schweißperlen auf der Stirn haben, bleiben die Volkswirte vorerst gelassen.

Bisher ist nach Ansicht vieler Ökonomen die Gefahr für die Wirtschaft gering. Foto: ap ap

Bisher ist nach Ansicht vieler Ökonomen die Gefahr für die Wirtschaft gering. Foto: ap

HB FRANKFURT. Zwischen den Aktienkursen und der Realwirtschaft besteht kein direkter Zusammenhang. An der Börse werden lediglich Erwartungen gehandelt - ob diese sich realisieren, ist vollkommen offen. Laut Ökonomen droht erst dann die Gefahr einer Ansteckung der Konjunktur, wenn die Aktienkurse über Wochen in den Keller gehen. Das ist aber nicht zu erwarten.

Die Talfahrt an den Börsen könnte durchaus Bremsspuren in der deutschen Wirtschaft hinterlassen - aber die Sorgen vor einer Rezession halten Ökonomen für völlig überzogen. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Konjunktur abstürzen wird“, sagt Frank Roselieb vom Institut für Krisenforschung Kiel. „Am Ende des Jahres wird die Wirtschaft besser rauskommen als gedacht.“ Nach der Absenkung ihrer Prognosen erwarten die Bundesregierung und die meisten Ökonomen immer noch 1,8 Prozent Wachstum für dieses Jahr.

Der Optimismus gründet auf den guten Gewinnen der Unternehmen. Viele Firmen haben volle Auftragsbücher und können von diesem Puffer über Monate leben. Die Rezessionsängste lassen die hohen Ölpreise sinken, weil bei einer schwächeren Konjunktur weniger Öl nachgefragt wird. Das entlastet die Wirtschaft. Die Firmen kommen immer noch an genügend Geld für Investitionen, die Gefahr einer Kreditklemme besteht laut Bundesbank-Präsident Axel Weber nicht. „Es gibt in Deutschland viele Institute mit genügend freiem Kapital“, sagte Weber dem Wirtschaftsmagazin „Focus-Money“. „Auch wird der Wettbewerb dafür sorgen, dass die Unternehmen weiterhin Kredite zu vernünftigen Zinssätzen bekommen.“ Erst wenn die Aktienkurse über Wochen abstürzen, dann verschlechtert sich die Stimmung der Unternehmen und die Unternehmen schieben ihre Investitionen auf. Die Faustregel lautet: wenn der Dax dauerhaft um zehn Prozent fällt, wird das Deutschland 2008 ein Viertelprozentpunkt Wachstum kosten. Die rund 10 Millionen Anleger in Deutschland würden sich sich bei anhaltenden Kursverlusten ärmer fühlen. „Größere Anschaffungen werden dann zurückgestellt“, sagt Prof. Dirk Schiereck von der European Business School in Oestrich- Winkel. Der private Verbrauch soll in diesem Jahr aber zum Motor des Aufschwungs werden. Steigende Löhne und ein Rückgang der Arbeitslosigkeit werden voraussichtlich den Haushalten mehr Geld für den Konsum übrig lassen.

Trotz der Schwäche in den USA erwarten die Volkswirte keine Weltwirtschaftskrise. „Diese Wahrscheinlichkeit ist sehr gering“, sagt Schiereck. Die US-Konjunktur habe sich von allen Krisen wie zum Beispiel den Terroranschlägen vom 11. September 2001 schnell wieder erholt. Zur Stabilisierung der Konjunktur senkte die US-Notenbank am Dienstag die Zinsen überraschend deutlich um 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent.

Wenn der US-Konjunktur die Puste ausginge, würden einige Probleme zwar nach Europa überschwappen. Aber es haben sich neue Abnehmer und Märkte in den Schwellenländern wie Russland und China etabliert. Der Aufschwung dort ist nach Ansicht der Ökonomen ein Aufholprozess, den auch eine Rezession in den USA nicht aufhalten kann. „Die Schwellenländer sind ein Airbag für die deutsche Wirtschaft“, sagt Deutschland-Chefvolkswirt der UniCredit, Andreas Rees. Rees. „Deutschland hat gute Chancen, sich von der Entwicklung in den USA abzukoppeln.“ Am deutschen Aktienmarkt rechnen die Ökonomen nicht mit dauerhaften Kursabstürzen. „Die Kombination von Gewinnmitnahmen und schlechten ökonomischen Nachrichten waren der Treiber für den Einbruch“, sagt Prof. Peter Gomber von der Universität Frankfurt. Wer aussteigen wollte, habe dies nun getan. Die Entwicklung werde daher nicht mit dieser Intensität weitergehen. „In den nächsten Wochen wird der DAX noch verlieren und sich dann fangen“, sagt Prof. Martin Faust von der Frankfurt School of Finance & Management. „In drei bis vier Monaten wird sich die Börse wieder konsolidieren.“

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