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17.03.2011

17:02 Uhr

Börsenturbulenzen

Oettingers düstere Japan-Prognose verärgert Ökonomen

VonDietmar Neuerer, Ralf Drescher

ExklusivNicht nur die Nuklear-Krise hält die Börsen in Atem - auch Politiker wie EU-Kommissar Oettinger. Dessen Japan-Einschätzungen lösten einen Kurssturz aus. Oettinger gibt sich unschuldig - doch Ökonomen zeigten sich empört.

Unter Beschuss: Günther Oettinger. Quelle: dpa

Unter Beschuss: Günther Oettinger.

DüsseldorfFührende Ökonomen in Deutschland haben scharfe Kritik an EU-Energiekommissar Günther Oettinger geäußert, weil dieser mit Äußerungen zur Japan-Katastrophe starke Turbulenzen an den Börsen ausgelöst hat. Es sei zwar legitim, wenn in den Medien alternative Szenarien möglicher Ereignisse mit Experten abgewogen werden. "Es ist aber brandgefährlich, wenn sich amtliche Stellen populistischen Dramatisierungen in den Medien anschließen, um diesen so Gewicht zu geben", sagte der ex-Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und jetzige Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit, Klaus Zimmermann, Handelsblatt Online. "Dann braucht man sich nicht wundern, wenn sich Panik auf die Finanzmärkte transportiert und schließlich die Weltkonjunktur in Bedrängnis gerät." Wirtschaft werde von Stimmungen beeinflusst. "In diesem Sinne waren die Äußerungen des EU-Energiekommissars sicher nicht hilfreich."

Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, hat Oettinger gegen Kritik an seinen Äußerungen zur Japan-Katastrophe in Schutz genommen: "Die Marktentwicklung ist nicht allein auf die Äußerungen von Herrn Oettinger zurückzuführen", sagte Flosbach Handelsblatt Online mit Blick auf die Börsenturbulenzen. "Wir sollten vielmehr daran denken, dass wir im Moment gute wirtschaftliche Fundamentaldaten haben.“

Oettinger selbst ist sich keiner Schuld bewusst: "Dass der Dax gestern abgerutscht ist, hat nichts mit mir, sondern mit der Lage in Japan zu tun", sagte er dem Handelsblatt. Dort drohe eine Atomkatastrophe mit entsprechenden Auswirkungen auf die japanische Wirtschaft. "Bei dieser Einschätzung befinde ich mich im Einklang mit allen Fachleuten und Verantwortlichen von Washington bis zur Internationalen Atomenergiebehörde in Wien", betonte der CDU-Politiker.

Eine Einschätzung zu den Ereignissen in Japan von Oettinger hatte am Mittwoch Nachmittag an der Frankfurter Börse einen regelrechten Ausverkauf ausgelöst: Der deutsche Leitindex Dax stürzte binnen Minuten um mehr als 100 Punkte ab, nachdem Oettinger im EU-Parlament vor "weiteren katastrophalen Ereignissen in den nächsten Stunden" gewarnt hatte. Eine Sprecherin sagte später, die Äußerungen Oettingers beruhten nicht auf besonderen Informationen, sondern auf Medienberichten. Er habe nicht von einer bevorstehenden Katastrophe gesprochen, sondern lediglich seine Ängste geäußert.

Nach Einschätzung des Direktors des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, zeigen die scharfen Marktreaktionen infolge der Oettinger-Äußerungen zweierlei: "Erstens, wie unprofessionell Kommissar Oettinger kommuniziert hat und zweitens, wie nervös die Grundstimmung der Märkte ist." Letzteres könnte sich nach Horns Überzeugung zu einer "veritablen Belastung" der Weltwirtschaft entwickeln. "Wird die panische Grundstimmung der Finanzmärkte nicht rasch eingedämmt, brauen sich schwere Belastungen für die Weltwirtschaft über die Kredit- und Kapitalmärkte zusammen", warnte der Ökonom. "Dann wäre der weltwirtschaftliche Aufschwung ernsthaft gefährdet."

Kommentare (23)

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Sportpilot

17.03.2011, 15:43 Uhr

"...de äschplosion cud hafe a impäct..."
Na ja, man kann ja auf seine Ratschläge hören:) In English kommt ja zumindest ein gewisser Spaßfaktor auf.

Wiederholungstaeter

17.03.2011, 15:49 Uhr

Der Mann ist doch Wiederholungstäter. Da war doch was in seiner Zeit als Ministerpräsident in Sachen SAP. Oder war es Porsche? Oder war es beides? Politiker können von Glück reden, dass wir Wähler so schnell vergessen.

Mertens

17.03.2011, 15:51 Uhr

Die Kurseinbrüche haben doch mit Öttingers Einlassungen rein gar nichts zu tun. Die Marktteilnehmer, die den Kursrutsch ausgelöst haben, sind doch keine ahnungslosen Hausfrauen. Hier wird in großem Stil umgeschichtet und an der Krise verdient. Selbst wenn die gesamte japanische Volkswirtschaft auf längere Sicht ausfallen würde, würde das die Weltwirtschaft nicht derart tangieren, wie es die Börse scheinbar vorweg nimmt.

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