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02.07.2015

17:47 Uhr

Bond-Käufer der EZB

Rat will noch nicht von Erfolg sprechen

Von vielen Seiten wurde EZB-Chef Mario Draghi für sein Anleihekaufprogramm OMT kritisiert. Doch die Maßnahme scheint zu fruchten. Allzu weit will man sich in Frankfurt dennoch nicht aus dem Fenster lehnen.

Seit März erwirbt die EZB massiv Staatsanleihen der Euro-Länder – doch das Anleihekaufprogramm „Outright Monetary Transactions“ ist umstritten. ap

Anleihekaufprogramm OMT

Seit März erwirbt die EZB massiv Staatsanleihen der Euro-Länder – doch das Anleihekaufprogramm „Outright Monetary Transactions“ ist umstritten.

FrankfurtDie Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) haben auf ihrer Zinssitzung im Juni noch kein endgültiges Urteil über ihr großes Anleihenkaufprogramm gewagt. Zwar hätten die Ratsmitglieder weitgehend darin übereingestimmt, dass ihre geldpolitischen Maßnahmen Früchte tragen und langsam in der Wirtschaft ankommen, hieß es im Protokoll der EZB-Ratssitzung vom 2. und 3. Juni, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. „Die Ansicht wurde dennoch weitgehend geteilt, dass es zu früh ist, sie als Erfolg zu erklären“, hieß es. Das große Anleihen-Kaufprogramm laufe erst den dritten Monat.

Die Währungshüter erwerben seit März massiv Staatsanleihen der Euro-Länder. EZB-Präsident Mario Draghi will damit Banken dazu bewegen, mehr Kredite an die Wirtschaft zu vergeben, was der Konjunktur zugutekommen würde. Die immer noch sehr niedrige Inflation im Währungsraum soll so wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent getrieben werden. Eine solche Teuerungsrate betrachtet die EZB als förderlich für die Konjunktur. Das Kaufprogramm soll bis September 2016 laufen, das Gesamtvolumen soll bei 1,14 Billionen Euro liegen.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Die wirtschaftliche Erholung bleibe moderat – es gebe weiterhin Gegenwind und Risiken, hieß es im Protokoll. Die EZB-Ratsmitglieder seien deshalb weitgehend einig gewesen, dass es entscheidend sei, mit ihrer Geldpolitik fest in der Spur zu bleiben. Das Programm sei zudem hinreichend flexibel gestaltet. Es könne an veränderte Umstände angepasst werden, sollte dies notwendig werden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Helmut Paulsen

02.07.2015, 19:46 Uhr

Erfolg, dass heisst, man freut sich dass die "Leiche EU" warm wird - Dank der angewärmten Blut-Infusionen.

Tot bleibt trotzdem tot. ! ;-)

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