Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.10.2016

13:50 Uhr

Brexit-Votum

Britische Wirtschaft wächst trotzdem weiter

Erst der Schock, dann die Erleichterung? Die britische Wirtschaft wächst trotz des Brexit-Votums weiter. Noch wirkt sich die politische Unsicherheit des Landes nicht auf die Wirtschaftsdaten aus. Doch wie lange noch?

Nach Brexit-Votum

Kann Berlin London den Rang als Digitalmetropole ablaufen?

Nach Brexit-Votum: Digitalstandpunkt Nummer eins - Kann Berlin Londons Rang abwerben?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

LondonGroßbritanniens Wirtschaft hat die Folgen des Brexit-Votums bisher insgesamt besser verkraftet als erwartet. Die Wachstumsrate ging im dritten Quartal zwar zurück – aber weniger stark, als Experten nach dem Referendum zum Austritt aus der Europäischen Union Ende Juni befürchtet hatten.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen Juli und September um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie aus einer ersten Schätzung der Statistikbehörde ONS (Office for National Statistics) in London vom Donnerstag hervorgeht. Volkswirte hatten nur ein Wachstum um 0,3 Prozent erwartet. Im zweiten Quartal hatte die Steigerung noch 0,7 Prozent betragen.

EU-Sonderbeauftragter: Briten sollen auf französisch über Brexit verhandeln

EU-Sonderbeauftragter

Briten sollen auf französisch über Brexit verhandeln

Wenn es nach dem EU-Sonderbeauftragten Michel Barnier geht, sollen die Brexit-Verhandlungen Großbritanniens mit der EU-Kommission auf Französisch geführt werden. Eine EU-Sprecherin distanzierte sich von dieser Idee.

Nach der knappen Entscheidung der Briten zum Austritt aus der EU am 23. Juni hatten einigen Indikatoren einen Konjunkturdämpfer angedeutet. Die britische Notenbank hatte noch im August mit einem weit drastischeren Rückgang bis auf ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent gerechnet. Doch diese Befürchtungen bestätigten sich nicht.

„Das Wachstum zeigt sich bislang weitgehend unbeeinflusst nach dem EU-Referendum“, hieß es beim ONS. Es gebe keine Hinweise auf ausgeprägte kurzfristige Effekte durch das Votum.

Verantwortlich für das relativ gute Abschneiden ist demnach vor allem der Dienstleistungssektor, der zuletzt um 0,8 Prozent zulegte. Einen besonders starken Zuwachs gab es laut der Behörde in den drei Monaten bis September im Sektor Transport und Kommunikation. Andere Bereiche wie Bau, Agrar und Industrie schnitten schlechter ab.

Auch die anhaltend hohe Nachfrage trug Experten zufolge zu dem verhältnismäßig guten Ergebnis bei. „Es scheint sicher zu sein, dass das Wachstum im dritten Quartal auch zu einem großen Teil auf der Bereitschaft der Verbraucher basiert, weiterhin Geld auszugeben“, sagte Howard Archer von der Denkfabrik IHS Global Insight der BBC. Verantwortlich dafür seien eine weiterhin starke Kaufkraft und eine hohe Beschäftigung.

Großbritanniens Optionen nach dem Brexit

Zollunion

Großbritannien könnte es machen wie die Türkei und der Zollunion beitreten. Dadurch würden die Zölle wegfallen und die Handelsabkommen mit der EU behielten bestand. Andererseits wäre London aber dabei eingeschränkt, eine eigene Handelspolitik zu betreiben, da man sich an den gemeinsamen Zolltarif halten müsste. Ob dies den Briten gefallen würde, bleibt fraglich. Immerhin folgt die Brexit-Entscheidung dem Ruf nach völliger nationaler Souveränität.

Europäischer Wirtschaftsraum (EWR)

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) umfasst derzeit 31 Länder. Die teilnehmenden Staaten haben gemeinsame Aufsichtsbehörden, Gerichte und Regeln. Zudem gelten die vier Binnenmarktfreiheiten beim Waren-, Personen-, Dienstleistungen- und Kapitalverkehr. Allerdings will die britische Regierung weder der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes unterliegen noch die Kontrolle über die Immigration abgeben.

Der „Schweizer Weg“

Am liebsten wäre der englischen Regierung wohl ein Modell wie der „Schweizer Weg“. So könnten für die einzelnen Wirtschaftsbereiche maßgeschneiderte Abkommen ausgehandelt werden. Die EU hat allerdings schon durchblicken lassen, eine derartige Lösung abzulehnen.

Freihandelsabkommen

Die wahrscheinlichste Option ist für die Briten wohl ein gesondert ausgehandeltes Freihandelsabkommen, wie es zwischen der Europäischen Union und Kanada (Ceta) vereinbart wurde. Damit würden die Briten ihre durch den Brexit forcierte Unabhängigkeit behalten und könnten spezielle, aber umfassende Handelsbedingungen im Gespräch mit der EU festlegen.

Finanzminister Philip Hammond zeigte sich erfreut über die Zahlen. „Die Fundamente der britischen Wirtschaft sind stark, und die heutigen Daten zeigen, dass die Wirtschaft widerstandsfähig ist“, sagte er der BBC.

Im Jahresvergleich legte das britische BIP in den Monaten Juli bis September um 2,3 Prozent zu. Hier war ein Wachstum um 2,1 Prozent erwartet worden. Der Kurs des britischen Pfundes profitierte nur zeitweise von den Daten und erreichte ein Tageshoch von 1,2272 US-Dollar. Am späten Vormittag hielt sich das Pfund wieder nahezu unverändert. Der Kurs der britischen Währung war seit dem Referendum Ende Juni im Vergleich zum Dollar drastisch gefallen.

Von

rtr

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Holger Narrog

27.10.2016, 14:42 Uhr

Vor der Brexit Abstimmung haben linke Journalisten und andere linke Autoritäten den Untergang Englands für den Fall des EU Austritts verhergesagt. Plausible Begründungen waren die Ausnahme. Eine der wenigen Begründungen war, dass globale Unternehmen GB als Brückenkopf in die EU nutzen und nach einem Austritt GB`s sich eben anderswo niederlassen müssen. Nach der Abstimmung scheinen die EU Politiker tief beleidigt* zu sein.

Die Schweiz ist in der EU gelegen und verzeichnet seit Jahrzehnten ein Wirtschaftswachstum. Die Löhne sind die höchsten in Europa. Somit spricht sachlich gesehen wenig für das linke Horrorszenario.

Aufgrund der Herausforderungen durch einen Austritt initiiert die GB Regierung Reformen, niedrigere Steuern, Abkehr vom Klimaschwindel.. Durch den gefallenen Kurs des GBP wird die Industrie wettbewerbsfähiger. Insgesamt scheint es nicht ausgeschlossen dass GB stärker wachsen wird als dies in der EU möglich wäre. Sorgen mache ich mir mehr um die Rest - EU.

*Sozialismus beruht darauf Wunderwerke mit dem Geld anderer zu vollbringen. GB war Nettozahler der EU. Das Entweichen eines Opfers/Zahlers sozialistischer Wunder ist für einen Sozialisten das schlimmste Szenario.

Herr chris schnitzler

27.10.2016, 14:57 Uhr

Nicht schlecht herr Narrog

die Briten setzen Zeichen, das es im Schlamperladen Eu mit der verschwendung von Steuermilliarden und Flüchtlingschaos definitiv nicht so weitergehen kann.
In anderen Ländern der Eu wo ebenfalls Armut herrscht wie z.B Slowenien ( Durchschnittseinkommen 500 Euro!!!! ja Sie hören richtig) oder den Ostseeanrainerstaaten wird man genau hinsehen wie der Brexit durchgeführt wird.
Die Politik eines Barosos und J.C. Junckers ist falsch und nicht nur für diese armen EU Mitglieder nicht mehr nachvollziehbar! Sie sind die Hauptverantwortlichen für dieses Chaos aller Orten und setzen die gesamte EU aufs Spiel, bekommen völlig überzogene Gehälter und sind ihr Geld nicht wert. Jeder Leiharbeiter in Europa stellt sich die Frage was in der EU noch alles falsch laufen darf ohne das verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden.
Herr Sarrazin wird abgelehnt hat aber völlig recht!

Herr Josef Schmidt

27.10.2016, 15:05 Uhr

Ohhh Wunder, also doch kein Untergang.

Ein Brüsseler Kommissar sagte einmal: »Wenn Deutschland nicht mehr zahlt, dann platzt der Laden.« Bis Deutschland dies erkennt dauert es noch ein wenig.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×