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04.01.2009

11:33 Uhr

Bric-Staaten

Der schwere Kampf der Hoffnungsträger

VonChristoph Rabe

Auf Euphorie folgt Ernüchterung, auf einen Rausch ein dicker Kater. Den Gewinnern der Globalisierung, den großen Schwellenländern, geht die Puste aus, weil die Industriestaaten nicht mehr als Lokomotive für ihr Wachstum herhalten. Nun müssen die Bric-Staaten die Binnennachfrage kräftig ankurbeln.

Auf China ruhen besondere Hoffnungen. Devisenreserven erlauben es China, massive Investitionen in Infrastruktur und Entwicklung zu pumpen. Foto: ap Quelle: ap

Auf China ruhen besondere Hoffnungen. Devisenreserven erlauben es China, massive Investitionen in Infrastruktur und Entwicklung zu pumpen. Foto: ap

DÜSSELDORF. Brasilien, Indien, China und Russland, die unter dem Kürzel Bric-Staaten Furore gemacht haben, haben noch längst nicht jene Dynamik entwickelt, die ihnen erlauben würde, Finanzkrise und Rezession in Amerika, Japan und Europa zu ignorieren.

Aber sie wachsen weiter. Und das signalisiert immerhin eine Verschiebung der Kräfte in der globalen Krise. In den Schwellenländern vertrauen die Politiker zudem darauf, dass der Mittelstand zusätzlich für Nachfrage auf dem Binnenmarkt sorgt. Die Deutsche Bank sieht in dieser Bevölkerungsgruppe eine "potenziell mächtige Quelle für globale Nachfrage", weil die Bedürfnisse der wachsenden Mittelschicht in den Bric-Staaten dafür sorgen könnte, dass sich jene Lücke wieder schließt, die jetzt von den weniger kauffreudigen Konsumenten in den USA und Europa aufgerissen wird.

Auf China ruhen besondere Hoffnungen. Der Berg an Devisenreserven erlaubt es Peking, massive öffentliche Investitionen in Infrastruktur und Entwicklung zu pumpen. Gelingt es China mit einer Mischung aus fiskal-, geld- und währungspolitischen Steuerungsinstrumenten, vom Export auf den Binnenmarkt umzuschalten und das Wachstum bei acht Prozent zu halten, so dürfte davon über kurz oder lang die gesamte Weltwirtschaft profitieren. Denn fragt China Ausrüstung und Rohstoffe wieder im gewohnten Maße nach, kommt auch der Handel erneut in Gang - und die Welt hätte nur eine Atempause in der Globalisierung zu überstehen.

Doch die Wachstumsraten werden auch für China zurzeit täglich heruntergeschraubt. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen nunmehr nur noch mit sechs Prozent im kommenden Jahr, der IWF gar mit nur fünf Prozent. Das sind drei Prozentpunkte weniger als jene magische Marke von acht Prozent, die China benötigt, um ohne soziale Spannungen über die Runden zu kommen. China reagiert ausgesprochen sensibel auf ausbleibende Aufträge aus Europa, Japan und den USA, wo die Rezession mächtig zuschlägt.

Wenn aber nicht einmal mehr China, der Wachstumsstar der vergangenen Jahre, sich vor dem Abschwung retten kann, wer dann? Brasilien und Russland stecken tief im Strudel der abstürzenden Rohstoffpreise. Indien - längst nicht so verflochten mit der Weltwirtschaft - erlaubt sich den Blick nach innen und hofft ebenso wie die anderen Schwellenländer, die Kauflaune der Konsumenten anzuregen. Aber rettet das die Weltwirtschaft?

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