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14.02.2017

08:23 Uhr

Bruttoinlandsprodukt

Deutsche Wirtschaft erhöht die Drehzahl

Die deutsche Wirtschaft ist Ende 2016 kräftig gewachsen: Dank Konsum und Bauboom legte das BIP von Oktober bis Dezember gegenüber dem dritten Quartal um 0,4 Prozent zu. Doch steigende Inflation dämpft die Kauflaune.

Wirtschaftswachstum 2016

Volkswirt: „Nicht ganz wie erwartet, aber solide"

Wirtschaftswachstum 2016: Volkswirt: „Nicht ganz wie erwartet, aber solide"

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WiesbadenDer Aufschwung in Deutschland hat zum Ende des Jahres 2016 an Tempo gewonnen. Getrieben von Konsum und Bauboom legte das Bruttoinlandsprodukt von Oktober bis Dezember gegenüber dem dritten Quartal um 0,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Im dritten Vierteljahr war die Wirtschaftsleistung nur um 0,1 Prozent gestiegen. Im Gesamtjahr wuchs die deutsche Wirtschaft um 1,9 Prozent und damit so stark wie zuletzt vor fünf Jahren, wie die Behörde vorläufige Zahlen bestätigte.

Die Kauflust der Bundesbürger und die Ausgaben des Staates, auch für die Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge, trugen zum Wachstum bei. Vielen Verbrauchern sitzt das Geld locker, weil Sparen kaum noch mit Zinsen belohnt wird. Die niedrige Inflation erhöht die Kaufkraft zusätzlich - auch wenn die Teuerung zuletzt wegen gestiegener Energiepreise deutlich anzog.

Die Kauflust zum Jahresende haben die deutsche Wirtschaft beflügelt. dpa

Einkaufsoffener Sonntag in Hamburg

Die Kauflust zum Jahresende haben die deutsche Wirtschaft beflügelt.

Auch der anhaltende Immobilienboom sorgte für Schwung. Obwohl Deutschlands Exportwirtschaft 2016 das dritte Rekordjahr in Folge hingelegt hatte, bremste der Außenhandel nach vorläufigen Berechnungen das Wachstum. Die Importe stiegen deutlich stärker als die Ausfuhren.

Die deutsche Wirtschaft startet damit insgesamt mit Rückenwind in das Jahr 2017. Ökonomen rechnen mit einer Fortsetzung des Aufschwungs. Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer legt die anziehende Nachfrage aus dem Ausland auch für das erste Quartal 2017 ein ordentliches Plus nahe.

Was Ökonomen zum Wachstumstempo sagen

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim (1)

„Wieder einmal ist es die Binnennachfrage, die das Wachstum trägt: Höhere staatliche Konsumausgaben in Folge der Flüchtlingskrise und ein Zuwachs beim privaten Konsum und bei den Bauinvestitionen. Dagegen scheinen die Ausrüstungsinvestitionen eher gedämpft zu haben.“

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim (2)

„Die guten Auftragseingangszahlen sprechen für ein stärkeres Wachstum im ersten Quartal 2017. Und die Wachstumsträger bleiben die alten. Konsum und Bauinvestitionen werden weiter laufen. Wenig Dynamik erwarten wir bei Ausrüstungen, auch wegen politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit. Nach wie vor rechnen wir mit einem Wachstum von 1,4 Prozent in diesem Jahr. Risiken sehen wir auf der Exportseite wegen zunehmendem Protektionismus.“

Andreas Scheuerle, Dekabank (1)

„Der Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal ist auf den ersten Blick ordentlich. Bei näherem Hinschauen macht sich jedoch eine leichte Enttäuschung breit. Zum einen hat der ausgesprochen schwache Dezember die gesamte, ansonsten gute Quartalsbilanz verhagelt.“

Andreas Scheuerle (2)

„Zum anderen war die Zusammensetzung des Wachstums unbefriedigend: Das private Konsumwachstum blieb hinter seinen Möglichkeiten, genauso wie die Exportentwicklung hinter der ihren. Kräftig war dafür einmal mehr der Staatskonsum. Andersherum wäre es besser gewesen.“

Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt (1)

„Das vierte Quartal ist nicht ganz so stark ausgefallen wie von den meisten Volkswirten erwartet. Aber die auf Umfragen basierenden Stimmungsindikatoren sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, auch die Auftrageingänge weisen im Trend nach oben. Im ersten Quartal 2017 könnte deshalb ein etwas stärkeres Plus herauskommen.“

Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt (2)

„Alles in allem handelt es sich um einen konsumgetrieben Aufschwung. Dabei wird es bleiben. Erstens eilt die Zahl der Beschäftigten von einem Rekordwert zum anderen. Zweitens dürften die Löhne weiter um gut zweieinhalb Prozent zulegen. Und drittens wird die EZB noch eine ganze Weile eine für Deutschland viele zu lockere Geldpolitik betreiben. Ich erwarte im Gesamtjahr 2017 weiter ein Wachstum von 1,6 Prozent.“

Wesentliche Stütze der Konjunktur werden nach Einschätzung von Volkswirten die Ausgaben des Staates und kauffreudige Verbraucher bleiben. Allerdings dürften die privaten Konsumausgaben nicht mehr ganz so stark steigen wie 2016, erwartet das Marktforschungsunternehmen GfK. Die steigende Inflation dürfte die Konsumlust mancher Bundesbürger dämpfen.

Sorgen bereiten Ökonomen die Abschottungspläne von US-Präsident Donald Trump. Sie befürchten Einbußen für den Wohlstand, sollte der Republikaner seinen Anti-Globalisierungs-Kurs voll umsetzen. Aus Sicht der EU-Kommission sind die politischen Unsicherheiten in diesem Jahr so hoch wie lange nicht.

Kommentare (6)

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Herr Hans Mayer

14.02.2017, 08:35 Uhr

Das muss noch viel besser werden, liebe deutsche Landsleute, oder schon länger hier lebende.
Arbeiten für andere, und das immer mehr, immer mehr erwirtschaften, nur nicht für die welche die Arbeit leisten, die gucken dumm aus der Wäsche,

Account gelöscht!

14.02.2017, 08:58 Uhr

Wie setzt sich eigentlich das neue BIP zusammen...ist da jetzt auch das "Verbrechen" und die "Prostitution" bzw. "Drogenhandel" mit berücksichtigt?
Man hat doch beim BIP in den letzten Jahren eine Änderung eingeführt...oder täusche ich mich da?

Rainer von Horn

14.02.2017, 09:13 Uhr

Also wirklich Herr Hofmann, bitte reden Sie unsere New-Economy-Wachstumsbranchen nicht schlecht, schliesslich ist gerade die letzte bedeutende deutsche Solarfirma dabei die Grätsche zu machen....
:)

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