Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2011

09:15 Uhr

Bruttoinlandsprodukt

Deutscher XXL-Aufschwung bremst sich ab

Deutschland hat zwei Jahre nach der Finanzkrise das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung hingelegt – vor allem der Export erlebt einen Boom. Auch in diesem Jahr rechnen die Experten mit robustem Wachstum. Wirtschaftsminister Brüderle fordert erneuert Steuersenkungen.

Die deutsche Wirtschaft ist heiß: 2010 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 3,6 Prozent. dpa

Die deutsche Wirtschaft ist heiß: 2010 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 3,6 Prozent.

HB WIESBADEN/BERLIN. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich im vierten Quartal 2010 abgeschwächt. Im Vergleich zum Vorquartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) preis- und saisonbereinigt um rund 0,5 Prozent zu. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Ein Grund sei der frühe Wintereinbruch gewesen. Im dritten Quartal war die Wirtschaftskraft nach früheren Angaben noch um 0,7 Prozent gestiegen.

Im Gesamtjahr hat die deutsche Wirtschaft 2010 jedoch das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung geschafft. Höhere Exporte, Investitionen und Konsumausgaben ließen das Bruttoinlandsprodukt um 3,6 Prozent steigen, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mit. "Besser als bei uns lief es in keinem anderen großen Industrieland", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Gleichzeitig forderte er Steuersenkungen und die "die Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen, bei denen aufgrund der Aufwärtsdynamik nun auch die kalte Progression wieder verstärkt greifen wird".

Von Reuters befragte Experten hatten ebenfalls ein Wachstum in dieser Höhe vorausgesagt. Im Krisenjahr 2009 war die Wirtschaft mit 4,7 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik. "Das ist das eindrucksvollste Comeback in der deutschen Wirtschaftsgeschichte", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. "Deutschland ist auf einem guten Weg", sagte BHF-Experte Gerd Haßel.

Getragen wurde der Aufschwung vor allem von den boomenden Exporten, die um 14,2 Prozent zulegten. Aber auch höhere Investitionen der Unternehmen kurbelten die Wirtschaft an: Sie gaben 9,4 Prozent mehr für Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungsgüter aus, während die Bauausgaben um 2,8 Prozent zunahmen. Auch bei den Verbrauchern saß das Geld wieder lockerer. Ihre Konsumausgaben stiegen um 0,5 Prozent. Der Staatskonsum legte sogar um 2,2 Prozent zu.

Für dieses Jahr rechnen die meisten Experten mit einem robusten Wachstum von mehr als zwei Prozent. Von Investitionen und Konsum sollen dann die stärksten Impulse kommen. Trotz des Aufschwungs ist die deutsche Staatsverschuldung 2010 gestiegen. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen gaben 88,57 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen. Das Haushaltsloch entspricht 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Damit wurde die im EU-Stabilitätspakt festgesetzte Schuldengrenze von 3,0 Prozent verletzt. 2009 hatte der Staat lediglich 72,7 Milliarden Euro neue Schulden aufgetürmt, was einer Defizitquote von 3,0 Prozent entsprach.

Es mehren sich aber auch die mahnenden Stimmen. So warnt der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt trotz guter Voraussetzungen für ein stabiles Wachstum in Deutschland vor Rückschlägen. „Die Risiken sind erheblich“, sagte der Präsident des Rheinisch-Westfälischem Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), der als Mitglied des Sachverständigenrates die Bundesregierung berät. Erhebliche Zweifel an der Nachhaltigkeit des deutschen Aufschwungs hegt auch der Chefvolkswirt der Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad), Heiner Flassbeck. „Insgesamt gesehen ist die deutsche Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr mehr als fragil“, schreibt Flassbeck in einem gemeinsam mit der Ökonomin Friedrike Spiecker verfassten Gastbeitrag für die Nachrichtenagentur Reuters. Sie stellen sich darin gegen die große Mehrheit der Ökonomenzunft, die auf anhaltende Exporterfolge und eine kräftig wachsende Binnennachfrage vertraut. „Bleibt die Fortsetzung des Exportbooms aus, wird es Heulen und Zähneklappern geben“, warnen Flassbeck und Spiecker.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

ARR

12.01.2011, 10:37 Uhr

Hat der Artikelschreiber nicht etwas vergessen? Zum beispiel, dass der Staat 2010 so viel Schulden gemacht hat, wie noch nie. Und zwar (offiziell) 88,6 Milliarden Euro. Der Aufschwung ist also vorwiegend durch mehr Schulden machen gekauft.

kermit

12.01.2011, 11:04 Uhr

Das sind die einmaligen Effekte der Konjunkturpakete die man für hohe Schulden erkauft hat. Sozusagen wind aus dem Ventilator um das boot anzutreiben.
Die Konjunkturpakete sind ende letzten Jahres ausgegangen.
Die Sparpakete in ganz Europa und die steigenden Rohstoffpreise werden den Motor erwürgen.
Mehr Schulden zu machen wäre über die Klippen zu springen. Dass haben die Amis ohne zu denken gemacht.

analytiker

12.01.2011, 11:10 Uhr

Swiss Franc gegen andere Währungen 2010. Der Euro ist das Schlusslicht. Der DAX ist %15 gestiegen der SMi hat sich nicht vom Fleck gerührt. So ein Zufall...Der Wind des Aufschwungs ist die brise die man im Gesicht fühlt wenn der Euro im freien Fall gegen Terminal Velocity rasst
1) Mongolei, Tigrit (+3,7%)
2) Japan, Yen (+3,6%)
3) Australien, Dollar (+3%)
4) Malaysien, Ringgit (+1,1%)
5) Südafrika, Rand (+0,8%)
6) Thailand, baht (+0,3%)
Ferner:
Singapur, Dollar (-1,1%)
israel, Shekel (-2,8%)
Schweden, Krone (-3,6%)
Mexiko, Peso (-4,2%)
Kanada, Dollar (-4,7%)
brasilien, Real (-5,2%)
indien, Rupie (-6%)
China, Renminbi (-6,7%)
USA, Dollar (-9,7%)
Norwegen, Krone (-10,1%)
Russland, Rubel (-11,2%)
Grossbritannien, Pfund (-12,8%)
Türkei, Neue Lira (-12,3%)
Ägypten, Pfund (-14,7%)
Euro (-15,6%)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×