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27.01.2004

09:11 Uhr

Bulmahn will Institutslandschaft neu ordnen

IfW und HWWA sollen künftig enger zusammenarbeiten

Zwei der sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, das Hamburger Weltwirtschafts-Archiv (HWWA) und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), sollen enger zusammenrücken. Das empfiehlt die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL). „Dies ist einer der zentralen Punkte des Evaluierungsberichts, der mir vorliegt“, sagte HWWA-Chef Thomas Straubhaar dem Handelsblatt.

bag/lip/ost/pbs DÜSSELDORF. Das HWWA ist im vergangenen Jahr turnusgemäß von der WGL überprüft worden, ebenso die zum IfW gehörende Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW).

Das Urteil der WGL ist für die Institute von entscheidender Bedeutung – mit ihr steht und fällt die Höhe der staatlichen Förderung. Die WGL regt an, dass die Bibliotheken von HWWA und IfW in Zukunft noch enger zusammenarbeiten – beide sollten ein „zentrales Portal für wirtschaftswissenschaftliche Information“ aufbauen, heißt es im Evaluierungsbericht zur ZBW. Kiel sollte dabei „die führende Rolle“ übernehmen. „Wie die Kooperation organisatorisch und rechtlich aussehen könnte, ist noch völlig offen“, sagt der kommissarische IfW-Chef Rolf Langhammer.

HWWA-Präsident Straubhaar hat dagegen schon konkretere Vorstellungen: Er plädiert für die Gründung einer Holdinggesellschaft, in der die Bibliothek und die Pressedokumentation eingebracht werden. „Dies kann in Form einer GmbH erfolgen“, sagt Straubhaar. Die Dachgesellschaft unter einer gemeinsamen Führung solle auch die Produkte HWWA und IfW vermarkten.

Die engere Kooperation nährt Spekulationen über eine komplette Zusammenlegung von HWWA und IfW. „Wir können uns eine Fusion beider Institute durchaus vorstellen“, sagt Hans Heinrich Driftmann, Präsident der Unternehmensverbände Hamburg und Schleswig- Holstein. Langhammer erteilt dieser Idee allerdings eine klare Absage: „Eine vollständige Zusammenlegung beider Institute steht nicht zur Debatte.“

Größere Veränderungen stehen bevor

Möglicherweise stehen die sechs großen Wirtschaftsforschungsinstitute bald vor noch größeren Veränderungen – Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will die WGL in ihrer bisherigen Form offenbar auflösen. In ihr sind 80 Forschungs- und Service-Einrichtungen organisiert, die Bund und Ländern je zur Hälfte finanzieren. Aus Sicht von Bulmahn sollen diese Institute entweder den Ländern, einzelnen Bundesministerium oder aber bestehenden Großforschungseinrichtungen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstellt werden. Bulmahn hat den Wissenschaftsrat (WR) aufgefordert, Vorschläge für eine „sachgerechte Zuordnung“ der WGL-Institute zu machen. „Es kann aber nicht Aufgabe des Wissenschaftsrates sein, zu entscheiden, welches einzelne Institut wohin kommt“, sagt WR-Präsident Karl Max Einhäupl.

Vor allem die Idee, die WGL-Institute den Ländern zuzuordnen, überrascht WGL-Geschäftsführer Michael Klein: Viele Länder, beispielsweise Berlin und Brandenburg, könnten die Forschungseinrichtungen alleine nicht finanzieren. Auch aus wissenschaftlicher Sicht gebe es keine Notwendigkeit für eine Integration in die Hochschulen der Länder. Bei allen Evaluierungen werde dies jedes Mal geprüft – bisher habe die Antwort stets „nein“ geheißen. Zum gleichen Ergebnis sei auch die Bund- Länder-Kommission im November 2003 gekommen. „Grundsätzlich sträuben wir uns nicht gegen eine Neuorganisation, nur muss diese wissenschaftlich sinnvoll sein“, so Klein.

Die Zuordnung zu einer dieser Einrichtungen wäre aus Sicht von Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, noch die beste der drei von Bulmahn genannten Alternativen. Allerdings bestehe die Gefahr, dass gerade die Wirtschaftsforschungsinstitute dem Bund zugeordnet werden. Wenig Verständnis bringt auch Christoph Schmidt, Präsident des Rheinisch- Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen für den Bulmahn-Vorstoß auf: „Das ist der Versuch, in Zeiten knapper Budgets ein Zeichen zu setzen.“

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