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17.12.2012

12:20 Uhr

Bundesbank-Bericht

Trübe Aussichten für die Konjunktur – vorerst

Im Winterhalbjahr deute sich ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität an, prognostiziert die Deutsche Bundesbank. Der Grund: die schwächelnde Industrie. Doch diese Phase wird wohl nicht mehr lange anhalten.

Die Konjunktur trübt sich ein. dpa

Die Konjunktur trübt sich ein.

BerlinDie Bundesbank rechnet im Winter mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung in Deutschland. "Die konjunkturellen Perspektiven haben sich in Deutschland eingetrübt", warnte die Bundesbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. Nach dem Wachstum um 0,2 Prozent im Sommerquartal sei bereits mit einem "spürbaren Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion zum Jahresende hin" zu rechnen. Auch für das gesamte Winterhalbjahr deute sich ein Minus an.

Die gegenwärtige Schwächetendenz gehe hauptsächlich von der Industrie aus. Neben der Eurokrise spiele auch die Abkühlung der globalen Konjunktur eine Rolle: "Es gibt jedoch die begründete Aussicht, dass die wirtschaftliche Schwächephase nicht allzu lange anhalten wird und Deutschland bald wieder auf einen Wachstumspfad zurückkehrt."

Die Deutsche Bundesbank unterstellt für dieses Szenario, dass die Weltwirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, der Reformprozess im Euro-Raum Fortschritte macht und größere negative Überraschungen ausbleiben. "Die gute Grundkonstitution der deutschen Wirtschaft spricht dafür, dass sie die vorübergehende Schwächephase ohne größere Schäden insbesondere am Arbeitsmarkt übersteht."

Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr jedoch nur ein Mini-Wachstum von 0,4 Prozent zu, wie sie bereits Anfang Dezember mitteilte. Zugleich erwartet sie keine heraufziehenden Inflationsgefahren. Für dieses Jahr rechnet sie mit einer Teuerungsrate von 2,1 Prozent, die damit nur knapp über der Stabilitätsmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von annähernd 2,0 Prozent liegen würde. Mit 1,5 Prozent im Jahr 2013 und 1,6 Prozent im Jahr 2014 soll der Preisdruck in den nächsten Jahren sogar deutlich darunter liegen.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Der staatliche Gesamthaushalt wird nach Prognose der Bundesbank im laufenden Jahr erstmals seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 wohl wieder annähernd ausgeglichen abschließen. "Im kommenden Jahr dürfte im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Abschwächung aber erneut ein spürbares Defizit entstehen", warnte die Bundesbank. Konjunkturbereinigt dürfte die Defizitquote 2013 und 2014 mehr oder weniger unverändert bei etwa 0,5 Prozent liegen.

Zwar werde die Zunahme der Nettolöhne und -gehälter in den Jahren 2013 und 2014 wegen einer schwächeren Arbeitsmarktdynamik vermutlich nicht so hoch ausfallen wie im laufenden Jahr. Die Sozialleistungen würden aber vor allem infolge höherer Rentenanpassungen deutlich stärker steigen. "Im Ergebnis erweitert sich der Ausgabenspielraum der privaten Haushalte gemessen am verfügbaren Einkommen in den Jahren 2013 mit 2,5 Prozent und 2014 mit 3 Prozent deutlich stärker als im laufenden Jahr mit zwei Prozent", so die Schätzung der Bundesbank.

Kommentare (7)

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Gast

17.12.2012, 12:51 Uhr

Die Beobachtungen vom Wochenende bestätigen sich prompt in den heutigen Meldungen. Der Konsum sackt durch. Viele Leute werden, aufgrund der enormen Euro-Probleme zur Jahresmitte, ihr Pulver verschossen haben. Gut zu erkennen an den nachlassenden PKW-Verkäufen. Da sollte man mit Prognosen eher vorsichtig sein. Merkwürdig, dass bei der Bundesbank solche "Kleinigkeiten" wie z. B. die stetig steigenden Mieten keine Bedeutung haben. Es gibt letztendlich im Jahr 2013 erhebliche Kostensteigerungen.

Account gelöscht!

17.12.2012, 13:10 Uhr

Preissteigerungen
Bus und Bahn
Strom, Wasser, Gas
Treibstoffe
Parkscheine
Versicherungen
Lebensmittel
Mieten
es geht langsam los, wenn ich mir die Straßen ansehe die überall hochkommen, und die Planung der Regierung kann man
sich nur schnell aus dem Staub machen

Der_Gebildete

17.12.2012, 13:50 Uhr

D ist für mich ein Paradies.
Der Bildungsferne mag das anders sehen. Aber das interessiert niemanden.

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