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17.08.2015

13:24 Uhr

Bundesbank

Deutsche Wirtschaft weiter auf Wachstumskurs

Fallende Ölpreise, Euro-Schwäche, niedrige Inflation und eine gute Arbeitsmarktlage: Die Voraussetzungen für ein kräftigeres Wirtschaftswachstum in Deutschland stehen laut Bundesbank gut. Es bestehen aber auch Risiken.

Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und deutliche reale Verdienstzuwächse sprechen dafür, dass der private Konsum die Konjunktur weiter anschiebt. dpa

Gutes Konsumklima

Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und deutliche reale Verdienstzuwächse sprechen dafür, dass der private Konsum die Konjunktur weiter anschiebt.

FrankfurtDie Bundesbank sieht die deutsche Wirtschaft auch für das zweite Halbjahr 2015 auf Wachstumskurs. „Die Voraussetzungen dafür, dass sich das von der Auslands- wie der Binnennachfrage getragene kräftige Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte fortsetzt, sind aus heutiger Sicht gegeben“, schreibt die Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht August.

„Vom privaten Verbrauch dürften nach der Jahresmitte wieder stärkere Impulse für die Konjunktur als im Frühjahr ausgehen.“ Haushalte besäßen einen höheren Spielraum für Ausgaben, da der Ölpreis erneut gesunken und die Teuerungsrate insgesamt gering sei. Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und deutliche reale Verdienstzuwächse sprächen dafür, dass der private Konsum die Konjunktur weiterhin anschieben werde. Zudem hätten sich die Einkommenserwartungen noch weiter verbessert.

Allein durch den gesetzlichen Mindestlohn steigen die Verdienste in Deutschland nach Einschätzung der Bundesbank um etwa einen halben Prozentpunkt. Vor allem für untere Lohngruppen in Ostdeutschland gab es deutlich höhere Stundenlöhne, hieß es im Monatsbericht. Insgesamt sei das Gehaltsniveau im Osten der Republik durch den Mindestlohn um etwa 1,75 Prozent gestiegen.

Fünf Gründe für Deutschlands Aufschwung

Starker Konsum

Weil Sparen sich wegen der Mini-Zinsen nicht lohnt, tragen die Verbraucher ihr Geld in die Geschäfte oder reisen viel. Löhne und Gehälter steigen zudem weiter kräftig.

Billiges Öl

Der Rückgang der Rohölpreise um nahezu die Hälfte seit dem Sommer 2014 entlastet Unternehmen und Verbraucher. Dies wirkt wie ein kostenloses Konjunkturprogramm.

Schwacher Euro

Die Exporteure jubeln, weil der im Verhältnis zum US-Dollar extrem schwache Euro Ausfuhren außerhalb des Euroraums günstiger macht.

Boom in den USA

Die US-Wirtschaft brummt – und die Amerikaner schätzen Waren „made in Germany“, gerade Luxusautos und Maschinen.

Job-Motor

Auf dem Arbeitsmarkt jagt ein Beschäftigungsrekord den nächsten. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gibt Sicherheit und stützt den Aufschwung.

Wenn unterstellt werde, dass die Untergrenze auf die Verdienste in Westdeutschland keinen Einfluss gehabt habe, ergebe sich daraus für Deutschland ein Beitrag zum Lohnanstieg von etwa 0,25 Prozent. Dieser Wert könne sich grob verdoppeln, wenn die Verdienste von allen Mini-Jobbern berücksichtigt würden. Dazu lägen aber noch keine Daten vor.

Ungelernte Arbeitnehmer im Osten verdienten demnach im ersten Quartal 2015 9,4 Prozent mehr als in den ersten drei Monaten 2014. Auch Branchen mit niedrigen Löhnen verzeichneten im Osten zum Teil zweistellige Anstiege, wie etwa in der Gastronomie mit 12,6 Prozent und bei den Wachdiensten mit zwölf Prozent. Zum Teil trugen zu dem Lohnanstieg auch Branchenmindestlöhne bei, die von den Tarifpartnern vereinbart wurden, um für eine Übergangszeit bis Ende 2017 weniger als den gesetzlichen Mindestlohn zahlen zu dürfen. In Westdeutschland macht sich der Mindestlohn wegen des höheren Verdienstniveaus in unteren Lohngruppen weniger stark bemerkbar.

Auch für die Industrie stünden die Vorzeichen gut: Bei Firmen nehme mit der Aussicht auf eine höhere Auslastung die Bereitschaft zu, stärker zu investieren. „Das Exportgeschäft könnte zum einen davon profitieren, dass die Erholung im Euroraum fortschreitet.“ Zum anderen seien die Wirtschaftsaussichten für traditionell wichtige Absatzmärkte wie die USA und Großbritannien vergleichsweise günstig.

Zugute kommt der Exportnation Deutschland zudem der schwache Euro, der Waren „Made in Germany“ auf den Weltmärkten günstiger macht. Es bestünden aber auch Risiken für die Nachfrage aus dem Ausland, die vor allem von den Schwellenländern ausgingen. Diese sollten nicht übersehen werden.

So habe sich in China zwar im zweiten Quartal das Wachstum nicht weiter verlangsamt. „Die Risiken einer stärkeren konjunkturellen Abkühlung bleiben jedoch hoch“, so die Bundesbank. Die Entscheidung der chinesischen Zentralbank, die Landeswährung Yuan abzuwerten, könne als Beleg für die Verunsicherung gesehen werden. China ist ein wichtiger Markt für deutsche Produkte. 2014 wurden Waren im Wert von 75 Milliarden Euro ins Reich der Mitte exportiert.

Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes wuchs die deutsche Wirtschaft im Frühjahr wieder etwas kräftiger – dank starker Exporte und konsumfreudiger Verbraucher. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg zum Vorquartal um 0,4 Prozent. Zum Jahresauftakt hatte es ein Plus von 0,3 Prozent gegeben.

Die Bundesregierung rechnet derzeit für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent. Die EU-Kommission ist sogar noch etwas zuversichtlicher: Sie traut der deutschen Wirtschaft ein Plus von 1,9 Prozent zu.

Kommentare (1)

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Herr Peter Noack

17.08.2015, 15:09 Uhr

Fallende Ölpreise, Euro-Schwäche, niedrige Inflation gelten für alle Länder in der Eurozone und auch in der übrigen EU. Sollte ganz allein die gute Arbeitsmarktlage das "kräftige Wachstum" in Deutschland treiben? Sagt die Deutsche Bundesbank denn nicht mehr? Wie steht es denn mit der Finanzlage von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen? Was machen denn die Defizite der gesetzlichen Rentenversicherung nach Mütterrente und Rente mit 63? Wie sieht denn die Perspektive bis Ende 2017 aus? Aber dann ist der neue Bundestag ja schon wieder gewählt. Ach ja! Das kräftige Wirtschaftswachstum hat ja mit der Politik der Bundesregierung überhaupt nichts zu tun, oder?

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