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17.10.2011

12:09 Uhr

Bundesbank-Monatsbericht

Fragile Weltkonjunktur wird zum Risiko für Deutschland

Die deutsche Wirtschaft muss sich nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank auf einen harten Winter einstellen. Die Konjunkturaussichten trüben sich ein. Grund sind Risiken durch die weltweit unsichere Konjunkturlage.

Container-Hafen in Hamburg. dapd

Container-Hafen in Hamburg.

FrankfurtIm Sog der schwächeren Weltkonjunktur droht der deutschen Wirtschaft nach Prognose der Bundesbank eine Wachstumsdelle. „Die Konjunkturaussichten für das Winterhalbjahr 2011/2012 haben sich weiter eingetrübt“, warnt die Zentralbank in ihrem am Montag vorgelegten Monatsbericht. Insbesondere der Industrie dürfte es demnach „bei deutlich abgeschwächter Nachfragedynamik“ schwerfallen, ihr erhöhtes Produktionsniveau vom Sommer zu halten. Trotz Schuldenkrise und Turbulenzen an den Börsen habe die deutsche Wirtschaft in den Sommermonaten ihr Wachstumstempo aber voraussichtlich kräftig gesteigert.

Die bis August vorliegenden „harten“ Konjunkturindikatoren zeigten eine kräftige Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Leistung an. So habe die Industrieproduktion in den ersten beiden Monaten des Sommerquartals „beträchtlich zugelegt“. Dabei hätten zwar Sondereffekte wie eine außergewöhnliche Konstellation von Brücken- und Ferientagen sowie der Verzicht auf Werksferien vor allem in der Autoindustrie eine Rolle gespielt. „Dennoch wird selbst bei der für September erwarteten Normalisierung im Quartalsergebnis ein deutliches Plus verbleiben.“

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

IWF

Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.

Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.

ESM (Bareinzahlung)

Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.

Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.

ESM (Bürgschaften)

Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.

Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.

IWF-Rettungsplan für Griechenland

Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.

Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.

EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.

Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.

Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.

Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.

Gesamt

Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.

Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.

Die Bauwirtschaft habe das hohe Produktionsvolumen der Frühjahrsmonate vermutlich zumindest gehalten. „Der private Verbrauch dürfte nach dem Rückgang im zweiten Vierteljahr etwas zugelegt haben.“ Auch bei den Einzelhandelsumsätzen sei ein Plus gegenüber dem Vorquartal zu erwarten.

In einer Reuters-Umfrage sagten Ökonomen im Schnitt für die Monate Juli bis September ein Plus von rund 0,5 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraus, nachdem es im zweiten Quartal nur ein Miniwachstum von 0,1 Prozent gegeben hatte. Im Winter droht nach Einschätzung der Experten eine heftige Abkühlung. Diese sagen auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute voraus: Sie erwarten in ihrem Herbstgutachten für das Schlussquartal sogar eine schrumpfende Wirtschaftsleistung. Anfang kommenden Jahres soll es dann wieder leicht aufwärts gehen.

Von

rtr

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