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09.02.2016

17:25 Uhr

Bundesbank-Präsident

EZB wird wegen Öl wohl Inflationsprognose senken

Trotz massiver Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank zieht die Inflation nicht an. Im Gegenteil: Wegen des niedrigen Ölpreises müsse die EZB ihr Ziel nach unten korrigieren, erwartet Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

Weil Marktteilnehmer in Erwartung sinkender Preise Investitions- und Konsumentscheidungen aufschieben könnten, gilt die Deflation einigen sogar wirtschaftlich gefährlicher als (in Maßen) zu hohe Inflation. dpa

Bundesbankpräsident Weidmann

Weil Marktteilnehmer in Erwartung sinkender Preise Investitions- und Konsumentscheidungen aufschieben könnten, gilt die Deflation einigen sogar wirtschaftlich gefährlicher als (in Maßen) zu hohe Inflation.

Paris/BerlinDie Europäische Zentralbank (EZB) wird nach den Worten von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wegen des Ölpreis-Verfalls ihre Inflationsprognose zurücknehmen müssen. Der starke Rückgang des Rohstoffs drücke auf die Teuerungsrate, sagte Weidmann am Dienstag in Paris nach dem deutsch-französischen Finanz- und Wirtschaftsministerrat. Die Inflation werde daher nun erst später als bislang erwartet wieder steigen, „weshalb die Inflationsvorhersage für dieses Jahr wohl substanziell gesenkt werden muss“. Momentan geht die EZB für den Euro-Raum 2016 von einer Teuerung von einem Prozent im Jahresdurchschnitt aus.

Ob und welche Konsequenzen die EZB daraus ziehen wird, ließ Weidmann offen. Die Notenbank verfolgt schon seit geraumer Zeit eine ultra-lockere Geldpolitik, unter anderem mit milliardenschweren Anleihekäufen und einem Leitzins nahe null Prozent. Damit will sie unter anderem eine Abwärtsspirale bei den Preisen verhindern. Eine solche Deflation kann die Wirtschaft auf Jahre lähmen, weil sich Verbraucher dann zurückhalten, Unternehmen weniger verdienen und Investitionen aufschieben.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Die Konjunkturentwicklung habe sich zuletzt eingetrübt, ergänzte Weidmann mit Blick auf die schwächere Entwicklung in China und den Verfall der Rohstoffpreise. „Zur Schwarzmalerei besteht aus meiner Sicht aber kein Anlass.“

Von

rtr

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