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10.05.2011

12:23 Uhr

Bundesbank-Vize Zeitler

„Das Gesamtbild ist noch nicht ausreichend“

VonMarietta Kurm-Engels

Exklusiv Der scheidende Bundesbank-Vorstand Franz-Christoph Zeitler spricht im Interview über die Konsequenzen aus der Finanzkrise und erklärt, wo es noch Nachholbedarf gibt und warum Basel III eine Herausforderung bleibt.

Franz-Christoph Zeitler: Der Bundesbankvizepräsident scheidet Ende Mai aus seinem Amt aus. Quelle: dpa

Franz-Christoph Zeitler: Der Bundesbankvizepräsident scheidet Ende Mai aus seinem Amt aus.

Handelsblatt: Herr Zeitler, nach fast vier Jahren Bankenkrise - was hat sich in Deutschland verändert?

Zeitler: Zunächst das Positive: Das Risikobewusstsein ist indeutschen Bankengestiegen. Investitionen in Risiko-Controlling und Risiko-Management werden von den Instituten als Voraussetzung für langfristig stabile Erträge anerkannt.

Was heißt das praktisch?

In der Öffentlichkeit wenig beachtet wird die Verbesserung der Bilanzstruktur durch den Abbau von Problemportfolien und die Reduzierung des nicht kundengetriebenen Eigenhandels. Dazu zwei Zahlen: Die Institute, die in Deutschland die Krise ohne öffentliche Hilfe gemeistert haben, haben ihre Bilanzsummen in der Zwischenzeit um 740 Mrd. Euro reduziert. Die zahlenmäßig kleineren Institute, die öffentliche Hilfen in Anspruch genommen haben und deshalb unter EU-Auflagen stehen, müssen ihre Bilanzsumme insgesamt um 1.500 Mrd. Euro zurückführen. Davon ist die Hälfte schon umgesetzt.

Wir haben in der Vergangenheit viele Kapitalerhöhungen gesehen.

Ja, das ist der dritte Punkt. Die Eigenkapitaldecke der deutschen Institute nach dem geltenden Recht hat sich verbessert - von knapp neun Prozent Anfang 2008 auf fast zwölf Prozent Anfang 2011. Die Herausforderung bleibt aber der schrittweise Übergang auf Basel III, also auf das neue harte Kernkapital, auf die weit höheren Abzüge und höheren Risikogewichte, die in Basel III vorgesehen sind.

Muss Deutschland bei der Ausgestaltung seiner Eigenkapitalregeln umdenken? Stille Beteiligungen sind im angelsächsischen Raum unüblich.

Auf dem Gipfel von Pittsburgh 2009 wurde politisch beschlossen, im Grundsatz nur Aktien und einbehaltene Gewinne als hartes Kernkapital anzuerkennen. Das noch offene Problem ist, ob auch bei Aktiengesellschaften andere Instrumente anerkannt werden können, wenn sie die gleiche Verlustabsorbtionsfähigkeit haben wie Aktien. Dieser Frage wird sich der europäische Richtlinien-Geber bei der Umsetzung von Basel III stellen müssen.

Gab es nicht Teilerfolge?
Ja, wir haben erreicht, dass für die Rechtsformen jenseits der Aktiengesellschaft, die ja naturgemäß keine Aktien emittieren können, Finanzierungsinstrumente als hartes Kernkapital anerkannt werden, wenn diese Instrumente materiellen Kriterien - allen voran: volle Verlustabsorbtionsfähigkeit - genügen. Dann können zum Beispiel stille Einlagen oder kreditgenossenschaftliche Anteile als hartes Kernkapital anerkannt werden.

Welche Fortschritte wurden international erzielt?
Von allen Reformen im Finanzsystem sind die Reformen im Bereich der Bankenaufsicht am schnellsten voran gekommen. Zwischen dem Konsultationspapier zu den Eigenkapitalregeln Basel III und dem endgültigen Beschluss durch die Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel in Seoul im November 2010 lag nicht einmal ein Jahr. Zum Vergleich: Bei Basel II hat es fünf Jahre gedauert.

Da steht aber doch noch einiges aus.

Was noch aussteht, sind Regeln für Finanzinstitute außerhalb des Bereichs der Kreditinstitute, für die so genannten Schattenbanken. Dieser Frage widmet sich aktuell das Financial Stability Board (FSB). Die Verbesserung der Marktinfrastruktur und Markttransparenz durch zentrale Gegenparteien, vor allem für Kreditderivate, ist im Gang. Im Bereich der Bilanzierung hat es zudem gewisse Verbesserungen bei der Bildung von Rückstellungen gegeben.

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